Ist Friede Utopie? – Predigt
In unseren Tagen können wir Frieden oft nur als Utopie sehen. Als Gläubige sind wir aber zur Hoffnung verpflichtet. Was das mit Frieden zu tun hat, zeigte Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 14. Sonntag im Jahreskreis (05.07.2026) auf.
„Das ist eine Utopie!“, oder „Das ist utopisch!“ Vielleicht wurde ein fantasievoller Plan oder ein gewagtes Projekt entworfen. Begeisterung entsteht. Aber dann macht sich Ernüchterung breit: ‚Das ist utopisch! Das geht ja doch nicht!‘ Das wird es nicht geben, das kann es nicht geben. Bedauerlich, aber das ist zu weit weg.
Der Prophet Sacharja ruft ein universales Friedensprojekt aus. Der Friede kommt. Der Friedenskönig bringt ihn. Er reitet auf einem kleinen Esel – ein Kontrastbild, damals wie heute. Er ist unbewaffnet und als solcher eliminiert er die Waffenindustrie.
Gegenwärtig erscheint das Friedensprojekt des Sacharja so fern wie kaum jemals zuvor. Wir denken: „Das ist utopisch!“ – in einer Zeit, in der neue Kriege angezettelt werden und alte weiter schwelen. „Schön wär’s!“, sagen wir, und gehen zur Tagesordnung über, ohne jede Utopie.
Der Wortsinn von „Utopie“ ist, dass etwas keinen Platz hat; keinen Platz – im bisherigen Denken, in der gängigen Vorstellung. Aber die Vorstellung vom Frieden bekommt eine Chance, wenn ein Umbau stattfindet im Herzen des Menschen. Das Herz muss sich verabschieden vom „Fleisch“. Paulus meint damit den Egoismus. Fleisch, das ist das übersteigerte Ego, das Recht-haben-Müssen um jeden Preis, das Festhalten am Konkurrenzdenken. Sich vom Geist Gottes bestimmen lassen ist die einzige Alternative.
Wir Christen sind zur Hoffnung verpflichtet – zur Hoffnung für alle Menschen und für die gesamte Welt, gegen allen Augenschein. Der Friede ist Teil dieser Hoffnung. Nirgendwo steht, dass es leicht ist, diese Hoffnung aufrechtzuerhalten. Wir gehen der zweiten Ankunft des Messias, des Friedenskönigs, entgegen. Bis dahin ist es unsere Sendung, kleinere und größere Zeichen des Friedens zu setzen. Und das ist keineswegs utopisch!

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