Die vielfache Frucht der wenigen Samen auf gutem Boden – Predigt

Ein schönes Evangelium mitten im Sommer. Die Aussaat – und das Fruchtbringen. Schon lange gibt es bei uns keinen Sämann mehr – die Maschinen haben die Aufgabe übernommen. Ich erinnere mich aber noch, dass es in meiner Kindheit noch manchmal eine händische Aussaat auf kleinen Feldern gab.
Jesus bringt immer wieder Gleichnisse aus der Landwirtschaft oder vom Fischfang: Das kannten seine Zuhörer. Aber wozu? Bilder merkt man sich viel leichter.
Wie war denn die Situation damals?
- Jesus schickt seine Jünger aus – und sie sind zum Teil frustriert. Viele Menschen wollen von diesem Jesus nichts hören. Sie werden abgewiesen, verlacht, vertrieben.
- Und sie merken, dass nicht alle Menschen auf Jesus hören wollen. Wenn er wirklich der Sohn Gottes ist – müssten nicht alle auf ihn hören?
Und dann kommt das Gleichnis: Jesus ist darin der Sämann. Er verkündet sein Wort. Er sät die Botschaft aus. Und manches geht verloren, fällt zwischen die Dornen, etc. Und nur einige der Samen gehen auf – und diese bringen vielfache Frucht.
Damit entlastet er die Jünger: Sie sollen sich nicht auf die Misserfolge konzentrieren, sondern auf die Erfolge. Ihre Aufgabe ist die Aussaat, das Verkünden der Botschaft. Aber was davon Frucht bringt, liegt nicht an ihnen.
Wie ist die Situation heute:
Ich lese das Gleichnis als Entlastung für uns heute – in der Glaubensverkündigung, im Christsein. Denn wie viele sagen: Ich habe den Kindern versucht, Glauben weiterzugeben; ich habe sie in die Kirche mitgenommen; ich habe ihnen meine Werte weitergegeben … und doch machen wir die Erfahrung: Zunächst fällt vieles davon anscheinend in die Dornen, geht verloren, … und manche fragen sich dann: Habe ich was falsch gemacht? Hätte ich mehr tun sollen?
Vom Gleichnis her gilt auch hier: Es ist wichtig, dass wir Werte weitergeben – wie die goldene Regel: Was du nicht willst, dass man dir tut – das füge auch keinem anderen zu. Oder dass man als Kind einzelne Gebete lernt; einige biblische Geschichten und Texte gehört hat … Aber: Was davon aufgeht, liegt nicht in unseren Händen. Da schaut Gott selbst, was er mit jedem Menschen vorhat.
Manches aber fällt auf fruchtbaren Boden und bringt reiche Frucht: Vielleicht nicht sofort, vielleicht erst viele Jahre später, vielleicht ohne, dass man es merkt.
Und es ist eine Entlastung für mich selbst: Wie sehr hat sich Gott bemüht, hat mir Lebensmöglichkeiten, Fähigkeiten etc. gegeben – aber auch bei mir, bei uns selbst, ist nicht alles auf fruchtbaren Boden gefallen. Doch Gott bzw. Jesus ist zufrieden mit dem Wenigen, das letztlich gelingt und aufgeht – und meint, dass es vielfache Frucht bringt.
Das Vertrauen auf Gott bzw. auf Jesus – Sie sorgen für den Erfolg
Jesus hat darauf vertraut, dass nach seinem Tod und seiner Auferstehung die Jünger trotz ihrer Ängste nicht aufgeben; er hat sie mit dem Heiligen Geist unterstützt. Vieles ist seitdem aufgegangen an Frucht, manches war wohl auch Unkraut im Laufe von 2000 Jahren … so dürfen auch wir vertrauen, dass trotz so mancher Enttäuschungen vieles aufgeht. Dass gute Worte und gute Taten irgendwann ihre Wirkung zeigen.
Und vor allem: Jesus zeigt einen Gott, der nicht 100%-igen Erfolg von uns will – sondern sich freut über jedes einzelne Samenkorn, das bei uns Frucht bringt. Jesus jammert nicht über die verlorenen Chancen – sondern freut sich über das Gelungene. Ich finde, ein toller Ansatz für ein glückliches Leben!

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