Wann beginnt das Reich Gottes?

Dr. Hans PockWir haben das Himmelreich als größten Schatz erhalten. Wie gehen wir damit um und wann beginnt es? Diese Fragen stellte Univ. Prof. Dr. Johann Pock ins Zentrum seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 30.7.2023, dem 17. Sonntag im Jahreskreis.


Über Schätze im Himmel und die Schätze des Lebens

Eines der beliebtesten Kinderspiele ist die Suche nach verborgenen Schätzen. Je schwieriger, desto besser: Angefangen von den versteckten Osternestern bis hin zu Schatzkarten mit geheimen Zeichen und Hinwei­sen. Viele Bücher und Filme verdanken ihren Erfolg der Suche nach dem großen Schatz.

Schatzsuche ist aber auch etwas, was unser ganzes Leben prägt: Für die einen ist es die Suche nach einem Lebenspartner, nach Erfolg im Be­ruf; für andere besteht der Schatz in Anerkennung oder Macht.

Der größte Schatz: das Himmelreich

Jesus ist ein Meister darin, solche Sehnsüchte der Menschen aufzugrei­fen, wie in den beiden heutigen Gleichnissen im Evangelium: vom Mann auf Schatzsuche und vom Mann mit der Perle

Jesus möchte uns mit den Gleichnissen die Bedeutung des Himmel­reichs klarmachen: Wenn man erst erkannt hat, was das Himmelreich für ein Schatz ist, dann gibt man alles andere dafür her! Es gibt keinen größeren Schatz als diesen.

Die Bibel als Schatzkarte

Die gesamte Bibel und speziell die Evangelien stellen dann die Schatz­karte dar, die uns immer wieder deutliche Hinweise dafür gibt, wo und wie wir das Himmelreich finden können:

  • Da sind zunächst die Seligpreisungen: Selig sind, die um Jesu willen manches erleiden, oder die arm und krank sind – ihrer ist das Himmelreich; selig sind die Barmherzigen, die Geduldigen – sie werden dieses Himmelreich erben.
  • Dann ist da auch das Doppelgebot der Liebe: Einander zu lieben und Gott zu lieben führt direkt ins Himmelreich.
  • Und schließlich liegt der Weg zum Himmelreich auch am richtigen Umgang mit den Menschen: Wer sich so wie er der Menschen annimmt, dem verspricht Jesus das Reich Gottes.

Der Schatz will erobert werden

Das Himmelreich fällt uns aber nicht so einfach in den Schoß. Die Schatzsuche hat immer auch mit Anstrengung zu tun. Der eine Mann gräbt danach und verkauft alles dafür. Der andere sucht Perlen, und erst nach langer Suche findet er die richtige. Es sind 2 Weisen, wie der Mensch sein Glück finden kann: Entweder durch die unverhoffte Entdeckung, zufällig; oder durch gezieltes Suchen.

Sind auch 2 Weisen, zum Glauben zu kommen!

Die eine: die zufällige Entdeckung, bedarf der Offenheit; der Gelassenheit, mit denen ich meinen Alltag lebe

Die zweite: Das gezielte Suchen bedarf der Anstrengung, der Mühe

Der rechte Umgang mit dem Schatz

Was aber, wenn ich diesen Schatz gefunden habe? Wir kennen die Fälle, wo Menschen viel Geld gewinnen – und dann oft nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Der Mann mit dem Schatz im Gleichnis Jesu zeigt einen Weg: Er sichert zuerst rechtlich alles ab, bevor er den Schatz in Be­sitz nimmt.

Ich sehe hier das Problem, dass wir als Christen den Schatz ja eigentlich schon in Händen halten: Wir sind getauft; wir haben die Zusage des Geistes Gottes; eigentlich kann uns ja gar nichts geschehen, oder?

Gerade vor einer so leichtsinnigen Haltung aber warnt die Bibel immer wieder. Als gelungene Haltung zeigt die Lesung den König Salomo. Dieser hat von Gott einen Wunsch frei. Das ist doch eine Traum­vorstellung für einen jeden von uns. „Drei Wünsche sind frei“ – was könnte man nicht alles damit machen! Aber Salomo wünscht sich nur eines: ein hörendes Herz, um Gutes und Böses unterscheiden zu können.

Und das ist gerade in der aktuellen Situation wohl das, was die meisten brauchen würden: Unterscheidungsgabe. Was ist Fakt / und was ist Fake? Worauf kann ich mich verlassen? Wer hat die Wahrheit, und wem kann ich vertrauen?

„Gib mir ein hörendes Herz zur Unterscheidung von Gut und Böse, richtig und falsch“ – das ist für Salomo mehr wert, als alles Gold der Welt.

Das irdische Glück

Für mich aber heißt dies zugleich: Himmelreich, himmlische Freude ist nichts nur Jenseitiges; Christentum ist nicht eine Vertröstung auf das Leben nach dem Tod. Es gibt genügend Freude und Himmelreich schon heute: Beziehungen, Liebe; wenn eine Arbeit, ein Projekt gelingt, wenn ein Garten, wenn Blumen und Bäume zu blühen beginnen – ein jeder kennt solche Glücksmomente, die für vieles andere entschädigen.

Reich Gottes beginnt bereits in diesem Leben. Und die Suche nach diesem Schatz ist ein Programm für jedes christliche Leben.

Johann Pock