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Archiv für die Kategorie: Predigten der Gastpriester

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Stärke und Schwäche- Predigt

22. Juli 2026/von Dr. Christoph Benke

Dr. Christoph BenkeJeder Mensch ist stark und schwach – auch im Glauben. Wie wir damit umgehen können, darüber predigte Dr. Christoph Benke in Schönbrunn-Vorpark am 16. Sonntag im Jahreskreis (19.07.2026).


Ein unbeabsichtigt mitgehörtes Gespräch zweier junger Männer in der U-Bahn: „Jetzt gehe ich trainieren“. In Folge ging es um Proteine, also Muskelaufbau. Mir wurde klar: nicht Fußball, sondern Krafttraining – um beeindruckend stark zu werden.

Stärke und Schwäche. Wenn Donald Trump wieder einmal so richtig drein haut, legen ihm das seine Anhänger als Stärke aus. Als stark gilt, wer sich durchsetzen kann, als schwach, wer zurückzieht. Andere Möglichkeit: nicht um jeden Preis recht haben wollen und müssen. Das schaut vielleicht schwach aus. Und doch wäre es innere Stärke.

Jeder Mensch ist stark und schwach – bezogen auf Begegnung, Verbundenheit, Engagement, Treue, Vertrauen. Das ist im Glauben nicht anders. Wer will von sich sagen, ich habe einen „starken Glauben“? Manchmal können wir besser, tiefer auf Gott vertrauen, dann wieder fällt es uns schwerer.

Der Apostel Paulus geht davon aus, dass der glaubende Mensch bisweilen schwächelt – besonders im Gebet: So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an. Denn wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern. (Röm 8,26) Paulus tröstet. Er sagt: In unserer Schwäche – gerade in der eingestandenen Schwäche! – fühlen wir uns leer. Diese Leere können wir Gottes heiligem Geist sozusagen als Raum anbieten. Der Heilige Geist nimmt uns an der Hand und hinein in die Begegnung mit dem Vater-Gott. Und mit dem Heiligen Geist sind wir dann stark.

Was das Gebet betrifft, benötigen wir also keine Kraftkammer und keine Proteine. Im Verein mit dem Heiligen Geist sind wir schon stark.

 

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2026/08/Kraft-Staerke.jpg 1064 1600 Dr. Christoph Benke https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png Dr. Christoph Benke2026-07-22 09:46:282026-08-10 09:52:18Stärke und Schwäche- Predigt

Die vielfache Frucht der wenigen Samen auf gutem Boden – Predigt

15. Juli 2026/von Johann Pock

Dr. Hans PockWas bedeutet das Gleichnis vom Sämann und der Saat, die auf unterschiedlichen Boden fällt, die ganz unterschiedlich Frucht bringt, für uns heute ganz konkret? Damit beschäftigte sich Dr. Johann Pock in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 15. Sonntag im Jahreskreis (12.07.2026).


Ein schönes Evangelium mitten im Sommer. Die Aussaat – und das Fruchtbringen. Schon lange gibt es bei uns keinen Sämann mehr – die Maschinen haben die Aufgabe übernommen. Ich erinnere mich aber noch, dass es in meiner Kindheit noch manchmal eine händische Aussaat auf kleinen Feldern gab.

Jesus bringt immer wieder Gleichnisse aus der Landwirtschaft oder vom Fischfang: Das kannten seine Zuhörer. Aber wozu? Bilder merkt man sich viel leichter.

Wie war denn die Situation damals?

  • Jesus schickt seine Jünger aus – und sie sind zum Teil frustriert. Viele Menschen wollen von diesem Jesus nichts hören. Sie werden abgewiesen, verlacht, vertrieben.
  • Und sie merken, dass nicht alle Menschen auf Jesus hören wollen. Wenn er wirklich der Sohn Gottes ist – müssten nicht alle auf ihn hören?

Und dann kommt das Gleichnis: Jesus ist darin der Sämann. Er verkündet sein Wort. Er sät die Botschaft aus. Und manches geht verloren, fällt zwischen die Dornen, etc. Und nur einige der Samen gehen auf – und diese bringen vielfache Frucht.

Damit entlastet er die Jünger: Sie sollen sich nicht auf die Misserfolge konzentrieren, sondern auf die Erfolge. Ihre Aufgabe ist die Aussaat, das Verkünden der Botschaft. Aber was davon Frucht bringt, liegt nicht an ihnen.

Wie ist die Situation heute:

Ich lese das Gleichnis als Entlastung für uns heute – in der Glaubensverkündigung, im Christsein. Denn wie viele sagen: Ich habe den Kindern versucht, Glauben weiterzugeben; ich habe sie in die Kirche mitgenommen; ich habe ihnen meine Werte weitergegeben … und doch machen wir die Erfahrung: Zunächst fällt vieles davon anscheinend in die Dornen, geht verloren, …  und manche fragen sich dann: Habe ich was falsch gemacht? Hätte ich mehr tun sollen?

Vom Gleichnis her gilt auch hier: Es ist wichtig, dass wir Werte weitergeben – wie die goldene Regel: Was du nicht willst, dass man dir tut – das füge auch keinem anderen zu. Oder dass man als Kind einzelne Gebete lernt; einige biblische Geschichten und Texte gehört hat … Aber: Was davon aufgeht, liegt nicht in unseren Händen. Da schaut Gott selbst, was er mit jedem Menschen vorhat.

Manches aber fällt auf fruchtbaren Boden und bringt reiche Frucht: Vielleicht nicht sofort, vielleicht erst viele Jahre später, vielleicht ohne, dass man es merkt.

Und es ist eine Entlastung für mich selbst: Wie sehr hat sich Gott bemüht, hat mir Lebensmöglichkeiten, Fähigkeiten etc. gegeben – aber auch bei mir, bei uns selbst, ist nicht alles auf fruchtbaren Boden gefallen. Doch Gott bzw. Jesus ist zufrieden mit dem Wenigen, das letztlich gelingt und aufgeht – und meint, dass es vielfache Frucht bringt.

Das Vertrauen auf Gott bzw. auf Jesus – Sie sorgen für den Erfolg

Jesus hat darauf vertraut, dass nach seinem Tod und seiner Auferstehung die Jünger trotz ihrer Ängste nicht aufgeben; er hat sie mit dem Heiligen Geist unterstützt. Vieles ist seitdem aufgegangen an Frucht, manches war wohl auch Unkraut im Laufe von 2000 Jahren … so dürfen auch wir vertrauen, dass trotz so mancher Enttäuschungen vieles aufgeht. Dass gute Worte und gute Taten irgendwann ihre Wirkung zeigen.

Und vor allem: Jesus zeigt einen Gott, der nicht 100%-igen Erfolg von uns will – sondern sich freut über jedes einzelne Samenkorn, das bei uns Frucht bringt. Jesus jammert nicht über die verlorenen Chancen – sondern freut sich über das Gelungene. Ich finde, ein toller Ansatz für ein glückliches Leben!

 

 

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2026/07/Wachstum-1.jpg 1067 1600 Johann Pock https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png Johann Pock2026-07-15 09:59:262026-08-10 11:38:56Die vielfache Frucht der wenigen Samen auf gutem Boden – Predigt

Ist Friede Utopie? – Predigt

8. Juli 2026/von Dr. Christoph Benke

Dr. Christoph BenkeIn unseren Tagen können wir Frieden oft nur als Utopie sehen. Als Gläubige sind wir aber zur Hoffnung verpflichtet. Was das mit Frieden zu tun hat, zeigte Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 14. Sonntag im Jahreskreis (05.07.2026) auf.


„Das ist eine Utopie!“, oder „Das ist utopisch!“ Vielleicht wurde ein fantasievoller Plan oder ein gewagtes Projekt entworfen. Begeisterung entsteht. Aber dann macht sich Ernüchterung breit: ‚Das ist utopisch! Das geht ja doch nicht!‘ Das wird es nicht geben, das kann es nicht geben. Bedauerlich, aber das ist zu weit weg.

Der Prophet Sacharja ruft ein universales Friedensprojekt aus. Der Friede kommt. Der Friedenskönig bringt ihn. Er reitet auf einem kleinen Esel – ein Kontrastbild, damals wie heute. Er ist unbewaffnet und als solcher eliminiert er die Waffenindustrie.

Gegenwärtig erscheint das Friedensprojekt des Sacharja so fern wie kaum jemals zuvor. Wir denken: „Das ist utopisch!“ – in einer Zeit, in der neue Kriege angezettelt werden und alte weiter schwelen. „Schön wär’s!“, sagen wir, und gehen zur Tagesordnung über, ohne jede Utopie.

Der Wortsinn von „Utopie“ ist, dass etwas keinen Platz hat; keinen Platz – im bisherigen Denken, in der gängigen Vorstellung. Aber die Vorstellung vom Frieden bekommt eine Chance, wenn ein Umbau stattfindet im Herzen des Menschen. Das Herz muss sich verabschieden vom „Fleisch“. Paulus meint damit den Egoismus. Fleisch, das ist das übersteigerte Ego, das Recht-haben-Müssen um jeden Preis, das Festhalten am Konkurrenzdenken. Sich vom Geist Gottes bestimmen lassen ist die einzige Alternative.

Wir Christen sind zur Hoffnung verpflichtet – zur Hoffnung für alle Menschen und für die gesamte Welt, gegen allen Augenschein. Der Friede ist Teil dieser Hoffnung. Nirgendwo steht, dass es leicht ist, diese Hoffnung aufrechtzuerhalten. Wir gehen der zweiten Ankunft des Messias, des Friedenskönigs, entgegen. Bis dahin ist es unsere Sendung, kleinere und größere Zeichen des Friedens zu setzen. Und das ist keineswegs utopisch!

 

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2026/07/Glaube-Frieden.jpg 1200 1600 Dr. Christoph Benke https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png Dr. Christoph Benke2026-07-08 09:35:452026-08-10 09:42:23Ist Friede Utopie? – Predigt

Prioritäten – Predigt

1. Juli 2026/von Dr. Christoph Benke

Dr. Christoph BenkeWas hat für uns Priorität? Was sagt Jesus dazu und wie können wir das leben? Damit beschäftigte sich Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 13. Sonntag im Jahreskreis (28.06.2026).


Wenn in einem Bereich des öffentlichen Lebens ein Missstand zu Tage tritt, wird eine verantwortliche Person vor das Mikrofon gebeten und um eine Stellungnahme ersucht. Vermutlich bekräftigt diese Person dann, dass die Beseitigung des Problems „oberste Priorität“ hat. Das – und nichts Anderes! – hat jetzt Vorrang und steht ganz oben auf der Liste.

Auch wir sind im Kleinen und im Großen gefordert, Prioritäten zu setzen. In der Unübersichtlichkeit, aber nicht nur dann, braucht es Entscheidungen, was zuerst drankommt.

Das Evangelium erinnert sehr drastisch, was – oder besser: Wer – für uns den Vorrang haben muss: Christus. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. (Mt 10,37) Gewiss: Das sagt Jesus zu seiner engsten Umgebung, zu den Aposteln. Aber in gewisser Hinsicht gilt das Jesuswort auch für uns alle. Gott ist die Mitte, er ist Ausgangspunkt und Ziel. Alles, was uns wichtig ist, alle Menschen, die wir lieben – wir sollten sie mit dem dreifaltigen Gott in Verbindung bringen. Das bedeutet, Menschen und Dinge nicht zu vergöttern, sondern sie dankbar zu nehmen und sie in Gott zu lieben.

So müsste unsere Prioritätenliste ausschauen. Daran müssen wir uns immer wieder erinnern. Das würde mit sich bringen, von den Dingen, von der Welt und von den Liebsten auch Abschied nehmen zu können. Wir würden dann alles in Gott wiederfinden, weil wir es zuvor in und mit Gott liebten.

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2026/07/Priority.jpg 1170 1600 Dr. Christoph Benke https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png Dr. Christoph Benke2026-07-01 09:03:432026-08-10 09:34:09Prioritäten – Predigt

Gerettetes Leben – Predigt

16. Juni 2026/von P. Clemens Pilar COp

Pater Dr. Clemens Pilar COpWas haben die Schrifttexte dieses Sonntags mit den Kirchenpatronen der Kirche von Schönbrunn-Vorpark und der Pfarre Hildegard Burjan zu tun? Damit befasste sich P. Clemens Pilar COp in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 11. Sonntag im Kirchenjahr (14.06.2026). Und welche befreiende Botschaft können wir in Texten entdecken, die auf den ersten Blick vielleicht unverständlich oder veraltet anmuten?


Wenn ich mich für eine Sonntagspredigt vorbereite, finde ich es immer interessant, aus den drei vorgelegten Texten das verbindende Thema zu erschließen, bzw. die Wurzel in diesem Dreiklang zu entdecken. Für diese hl. Messe wurde es für mich noch spannender, da wir es nicht nur mit drei Texten zu tun haben, sondern auch mit drei Festgedanken. Zusätzlich zur Auferstehungsfeier des Sonntags wollen wir noch die beiden Patronate für diese Kirche mitbedenken, das unbefleckte Herz Mariens und die sel. Hildegard Burjan. Mir leuchtet tatsächlich ein verbindendes Thema auf, das uns durch die Texte der hl. Schrift vorgelegt wird.

Die erste Lesung hat uns eine entscheidende Etappe der Exodusgeschichte vor Augen gestellt. Israel war nach langem Ringen aus Ägypten ausgezogen und ist nun am Berg Sinai angekommen. Bald wird Mose auf den Berg steigen, um die Tora – die ein Gesetz der Freiheit sein soll – zu empfangen.

In der zweiten Lesung aus dem Brief an die Römer spricht Paulus über die Errettung der Sünder – freilich in Worten, die für uns heute nur noch schwer verständlich, ja eigentlich sogar verstörend klingen: Was bedeutet es wirklich, dass wir durch das Blut gerecht gemacht und durch den Tod des Sohnes gerettet wurden? Wir werden uns das noch übersetzen müssen.

Das Evangelium wiederum spricht von der Aussendung der Jünger. Sie werden ausgestattet mit der Vollmacht, unreine Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden im Volk zu heilen – übrigens die einzige „Vollmacht“ im eigentlichen Sinne, die den Jüngern eigentlich übertragen wurde. Das ist der fünffache Auftrag: Verkünden, heilen, Tote erwecken, Aussätzige rein machen und Dämonen austreiben. Wir werden gleich sehen, was damit gemeint ist.

Was hat das nun alles mit den Patronaten zu tun, die wir heute feiern? Das Stichwort gibt uns das „unbefleckte“ Herz Mariens. Was kann uns das heute noch sagen, wo sich dieser Titel doch noch auf die Idee einer „Erbsünde“ bezieht, die nach der Vorstellung des Augustinus mit der Zeugung im Fleisch weitergegeben wird. Papst Benedikt hat diese unbiblische Idee korrigiert und so gedeutet: Jeder Mensch wird in eine von sündigen Strukturen gezeichnete Welt hineingeboren, die ihn früher oder später auch verletzten werden. So wird die Sünde von außen übertragen. Ein deutscher Arzt und Psychiater sagt, dass im Grunde die Einflüsse, die sich verletzend auf ein Leben auswirken, schon im Mutterleib beginnen. Er sagt, kein Mensch wird „unbefleckt“ geboren. Sobald ein Mensch geboren ist, ist er vielen Wünschen und Forderungen ausgesetzt. Es ist sehr schwer, dass ein Mensch wirklich zu dem aufblühen kann, was er eigentlich sein kann und soll. Es gibt den Spruch: „Weißt du noch, wer du warst, bevor man dir gesagt hat, wer du sein sollst?“

Wenn wir Maria als die „Unbefleckte“ bezeichnen, können wir das heute auch so verstehen, dass sie von Anfang an unverbogen und authentisch war. So wie uns das in der Kindheitsgeschichte des Lukasevangeliums geschildert wird, kommt das recht originell zur Darstellung: Da wird uns zuerst vom gebildeten Priester Zacharias erzählt, der voll ist von theologischem Wissen und alle Rituale beherrscht, die er im Tempel durchzuführen hat. Aber all das Vorwissen blockiert ihn auch, und als ihm Gott durch den Engel etwas sagen will, kann er es nicht glauben und muss verstummen. Im Kontrast dazu wird uns Maria in Nazaret gezeigt, die dem Engel in erfrischender Offenheit begegnen kann. Sie hatte es insofern „leichter“ als der arme Zacharias, denn Mädchen durften damals nicht in der Tora unterrichtet werden. Sie ist in diesem Sinne also wirklich „unbefleckt“ und „jungfräulich“ und damit auch fähig, das Wort des himmlischen Boten aufzunehmen. Auch, wie sie sich dann verhält, zeigt, dass sie sich nicht um die Konventionen ihrer Zeit kümmert und tut, was man eigentlich nicht tun darf: als Mädchen alleine durch das Bergland reisen, im Haus des Zacharias nicht zuerst den Hausherren zu begrüßen, sondern die Frau…

Wir aber erleben uns selbst oft nicht in dieser inneren Freiheit, weil wir so vielen Wünschen und Erwartungen ausgesetzt sind, und das von klein auf. Von jüdischer Seite gibt es dafür ein Bild. Da heißt es: Jeder ist in Ägypten geboren. Ägypten ist das Land der Entfremdung. Dort wird man vom fremden Pharao bestimmt. Der lässt einen nicht sein, was man sein soll. Deshalb muss jeder Mensch eines Tages aus seinem Ägypten aufbrechen und den Weg ins Gelobte Land antreten, wo er – angeleitet unter der Stimme Gottes – endlich werden und sein kann, was er wirklich ist.

Davon spricht in – für uns kaum noch verständlichen Worten – auch Paulus in seinem Brief an die Römer. Gott hat uns geliebt, als wir noch Sünder waren, aber: „Nachdem wir durch sein Blut gerecht gemacht wurden, werden wir durch ihn erst recht vor dem Zorn gerettet werden.“ An diese Rede knüpfen sich so viele falsche Vorstellungen, die ein falsches Gottesbild zur Folge hatten. Verstehen können wir es nur im Zusammenhang mit der Symbolik des großen Versöhnungstags, dem Yom Kippur.

Der Mensch in der Entfremdung verfehlt das Ziel seines Daseins. Sünde bedeutet Zielverfehlung. Durch die Sünde der Menschen fließt die Lebenskraft weg, die Spannungen untereinander wachsen, der Zornespegel unter den Menschen steigt. Am Yom Kippur tut Gott alles, um das Leben der Menschen zu erneuern. Dazu wird symbolhaft Blut über dem Volk und dem Altar verspritzt. Blut galt als Sitz des Lebens. Menschen werden durch dieses Geschenk der Lebenskraft wieder aufgerichtet, gereinigt und können neu anfangen. Der Zorn, von dem hier die Rede ist, ist nicht der Zorn Gottes, sondern jener der Menschen, die sonst das Leben voneinander fordern, das ihnen durch die Sünde der anderen vermindert wurde. Gott durchbricht diese Spirale der Gewalt, indem er sich hineingibt und sein Leben und seine Liebe schenkt. So wird eine größere Gerechtigkeit geschenkt, die der Mensch mit seinen Forderungen nie erreichen könnte.

Und davon spricht dann auch das Evangelium. Das Ziel der Mission ist der gerettete und zu sich selbst befreite Mensch. Die „unreinen Geister“ oder auch „Dämonen“ sind die fremden Stimmen, die einen Menschen daran hindern, das eigene wahre Leben vor Gott zu entfalten, es sind die vielen Stimmen, die einen Menschen verbiegen und bedrücken. Diese fremden Stimmen müssen zum Verstummen gebracht werden, anstelle dessen soll die Frohe Botschaft vom Reich Gottes neue Lebenshorizonte erschließen: „Das Himmelreich ist herangekommen!“, der Raum zu atmen und zu leben.

Hildegard Burjan hat ihr Leben den Menschen gewidmet, denen dieser Raum zum Leben abgesprochen worden war, die kaum Gelegenheit hatten, die Lebensmöglichkeiten auszuschöpfen, sie hat ihr Leben den Menschen gewidmet, die viel zu lange in ihrem „Ägypten“ ausharren mussten. Es war ein Stück Arbeit am „Neuen Himmel und der Neuen Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt“

Der Blick auf das „Unbefleckte Herz Mariens“ hält uns vor Augen, was wir alle werden dürfen. Gott kommt uns dazu in Jesus Christus entgegen, er schenkt uns seine Lebenskraft, durchdringt uns förmlich, schließt uns an seinen Blutkreislauf an, sodass alle Fremdherrschaften weichen müssen und ein Leben aus der eigenen Personmitte heraus möglich wird. So gestärkt dürfen wir uns wie Hildegard Burjan hineinnehmen lassen in diesen Strom der Kraft Gottes, die unsere Welt erreichen und Menschen befreien, aufrichten und heilen kann.

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2024/10/Portal-der-Kirche-Schoenbrunn-Vorpark.jpg 1078 1617 P. Clemens Pilar COp https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png P. Clemens Pilar COp2026-06-16 07:06:142026-06-16 07:10:18Gerettetes Leben – Predigt

Verstehen, Sprache und Heiliger Geist – Predigt

26. Mai 2026/von Dr. Christoph Benke

Dr. Christoph BenkeWie können wir einander verstehen? Was braucht es dazu? Und wie hängt das mit Pfingsten zusammen? Damit beschäftigte sich Dr. Christoph Benke in seiner Predigt am Pfingstsonntag (24.05.2026) in Schönbrunn-Vorpark.


Wenn sich der Eindruck verfestigt, nicht verstanden zu werden, zählt das zu den bitteren und tragischen Momenten. Wir sprechen, suchen nach Worten, nach Umschreibungen, nach Ausdruck – und trotz allem Bemühen muss ich jemandem sagen: Du verstehst mich nicht!

Aber das ist keine Einbahnstraße. Umgekehrt höre ich vielleicht ebenso ein Du verstehst mich nicht! Je näher einem dieser Mensch ist, umso schmerzvoller ist das. Da bleibt etwas Trennendes zwischen uns.

Das Wort und die Sprache sind ein kostbares, göttliches Gut. Gleich am Anfang der Bibel heißt es: Und Gott sprach. Durch das Wort kommt Neues, das vorher nicht da war. Der Evangelist Johannes vergewissert sich dieses Ursprungs: Im Anfang war das Wort, … und das Wort war Gott. Da öffnete Gott sein Herz. Heute, am Pfingstfest, hören wir: Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer (Apg 2,3). Zunge ist gleichbedeutend mit Sprache. Ohne Zunge keine Sprache, kein Verstehen.

Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden. (V 4) Die heilige Geistkraft überwindet Fremdheit. Sie verbindet, was trennt, und ermöglicht Verstehen dort, wo es unmöglich schien. Lukas erwähnt insgesamt 17 Regionen und Ethnien. Auf einmal ist Empathie da! Die Galiläer – so werden die Jesusleute genannt – können sich verständlich machen: Jeder hörte sie in seiner Sprache reden (V 6), in der Muttersprache (V 8).

Der Weg vom Du verstehst mich nicht! hin zum Gefühl, dass der Andere meine Sprache spricht, kann weit sein. Wo sich die Blockade löst und Verstehen geschenkt wird, dort ist Heiliger Geist am Werk. Das ist ein Geburtsfest, neue Schöpfung.

 

 

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2023/03/pfingsten.jpg 653 1280 Dr. Christoph Benke https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png Dr. Christoph Benke2026-05-26 12:35:432026-06-01 12:45:05Verstehen, Sprache und Heiliger Geist – Predigt

CHRISTUS IN DER „CLOUD“ – Predigt

18. Mai 2026/von P. Clemens Pilar COp

Pater Dr. Clemens Pilar COpAm Fest Christi Himmelfahrt (14.05.2026) legte P. Clemens Pilar COp in Schönbrunn-Vorpark dar, wie die Aussage dieses Festes zu verstehen ist, was damit nicht gemeint ist und was wir daraus mitnehmen sollen/dürfen.


Kaiser Josef II., der vielfach auch in die Angelegenheiten der Kirche eingegriffen hat, hatte als aufgeklärter Monarch Sorge, dass seine Untertanen Christi Himmelfahrt falsch verstehen könnten und hat deshalb den – an manchen Orten auch heute noch aktuellen – Brauch verboten, im Rahmen der Gottesdienste eine Jesus-Statue an Seilen zur Decke zu ziehen und sie dann durch ein Loch im Dachboden verschwinden zu lassen. Ich denke, die Gefahr, die sogenannte Himmelfahrt Jesu als ein astronautisches Ereignis zu deuten, ist heute weniger gegeben.

Freilich werden wir jedes Jahr angeregt, darüber nachzudenken, was dieses in der Schrift bezeugte Ereignis bedeutet, und was man uns mit dieser Geschichte, so wie sie überliefert wurde, sagen wollte. Denn eines fällt beim genaueren Hinsehen auf: Nicht nur, dass dieses Ereignis eigentlich nur im Lukasevangelium berichtet wird (die Stelle haben wir heute nicht gehört), auch der Autor dieses Evangeliums scheint sich, als er das Ereignis dann noch einmal in der Apostelgeschichte beschreibt, zu widersprechen. Während wir jetzt gehört haben, dass Jesus erst vierzig Tage nach seiner Auferstehung von der Wolke aufgenommen und ihren Blicken entzogen wurde, lesen wir im Lukasevangelium, dass dies schon am Tag der Auferstehung selbst geschehen ist.

Und während die Apostelgeschichte scheinbar von einem vorläufigen Weggang Jesu spricht (er soll aber wiederkommen), weiß das Matthäusevangelium – aus dem wir jetzt gerade den letzten Abschnitt gehört haben – gar nichts von einem Weggang Jesu. Im Gegenteil, hier gibt Jesus den Jüngern die Zusage: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“. 

Ich denke, soweit ist es uns ja klar: Jesus entfernt sich nicht von den Jüngern und von der Kirche, aber seine Art und Weise der Gegenwart ändert sich nach seinem Tod und seiner Auferstehung. Die Rede von der Wolke, die Jesus aufgenommen und den physischen Blicken der Jünger entzogen hat, kommt uns ja heute besonders entgegen. In der Sprache der Bibel ist die Wolke ein Symbol für die Gegenwart Gottes. Denken wir z.B. nur an die Wolkensäule, die dem Volk Israel in der Wüste vorangegangen ist, oder die Wolke, die sich auf das Offenbarungszelt herabgesenkt hat, um das Herabsteigen Gottes anzudeuten. Jesus wird also ganz in die göttliche Dimension aufgenommen.

Mir drängt sich da ein Vergleich mit unserer modernen Welt auf. Wenn wir Daten nicht auf unserem Computer speichern wollen, können wir sie in die „Cloud“ hochladen. Das hat den Vorteil, dass die Daten dann an allen Orten der Welt zu jeder Zeit abrufbar sind (Netzempfang vorausgesetzt). Man könnte es also so sagen: Indem Jesus in die Wolke hinein aufgenommen wird, wird er erst recht gegenwärtig für alle Zeiten und an allen Orten.   Er kommt nicht erst am Ende der Geschichte wieder – gleichsam auf Wolken –, sondern er kommt jederzeit „aus der Wolke“ in die Geschichte.

Nach der Apostelgeschichte wird Jesus nach vierzig Tagen von der Wolke aufgenommen, d.h. als die Zeit „reif“ war. Wie das Volk Israel nach vierzig Jahren reif war, das gelobte Land einzunehmen, so wird den Jüngern jetzt zugetraut, dass sie einen selbstständigen, reifen Weg im Namen Jesu gehen können. Durch den Geist Gottes, der bald gegeben wird, bleiben sie, bleiben wir mit ihm verbunden.

Im Matthäusevangelium werden die Jünger beauftragt zu gehen: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern“. Wörtlich heißt es eigentlich: „Gehend zu Jüngern macht alle Völker“. Das Wort, das in den deutschen Evangelien mit dem Begriff „Jünger“ wiedergegeben wird, bedeutet auch „Schüler“. Alle, die Jesus gerufen hat, bleiben Schüler und sollen in Bewegung bleiben. Und während sie sich bewegen, sollen sie alle Völker einladen, Mitlernende zu werden. Dass die Jünger – durch die ganze Geschichte hindurch – Lernende bleiben müssen, liegt auch daran, dass Jesus – wie wir das aus dem Johannesevangelium gehört haben – ihnen noch nicht alles sagen konnte, weil manches noch ihr Fassungsvermögen überstiegen hätte. Der Geist wird sie in der ganzen Wahrheit leiten.

Was ist der Stoff, der zu lernen ist? Nun, da hat uns der Text der zweiten Lesung einen wichtigen Hinweis gegeben: „Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt…“ Jesus ist den physischen Augen entzogen. Die Augen des Herzens aber können zu einer neuen Schau seiner Gegenwart kommen. Um Christus Jesus immer besser kennen zu lernen und die heilende und rettende Macht zu erfahren und zu bezeugen, dürfen wir nicht stehen bleiben und auch Jesus nicht auf eine bestimmte Vorstellung und ein bestimmtes Bild der Erinnerung fixieren. Wenn man das versucht, entschwindet der lebendige und gegenwärtige Christus dem Blick und die Erinnerungsbilder erstarren zur Karikatur. (Auch die physischen Augen müssen ständig Mikrobewegungen durchführen, damit der Sehpurpur sich regenerieren kann und das Bild vor Augen nicht entschwindet. Da die Augen von Hühnern diese Mikrobewegungen nicht durchführen, müssen diese ihren Köpf ständig ruckartig bewegen, um so den Blickwinkel leicht zu verändern und nicht zu buchstäblich „blinden Hendln“ zu werden.)

Christi Himmelfahrt ist also eigentlich ein Fest seiner fortwährenden Gegenwart, die auch wir erfahren dürfen. Als Lernende werden wir ihn immer besser kennenlernen und unser Leben kann immer tiefer von ihm, von seinem Wesen geprägt werden. Und durch uns und an uns können dann jene, die Jesus jetzt noch nicht kennen, mit ihren physischen Augen etwas sehen und erahnen, was wir mit den Augen des Herzens wahrnehmen.

 

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/05/Christi-Himmelfahrt.jpg 900 1600 P. Clemens Pilar COp https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png P. Clemens Pilar COp2026-05-18 11:04:182026-05-18 11:09:13CHRISTUS IN DER „CLOUD“ – Predigt

Zu wenig oder genug? – Predigt

5. Mai 2026/von Dr. Christoph Benke

Dr. Christoph BenkeBrauchen wir immer mehr? Sagt uns nicht im Evangelium Philippus, dass es genug ist? Darüber predigte Dr. Christoph Benke am 5. Sonntag in der Osterzeit (03.05.2026) in Schönbrunn-Vorpark.


Waldbrand im Lesachtal, Waldbrand nördlich Graz, Trockenheit: Wieder einmal macht sich die Klimakrise eindrucksvoll bemerkbar. Sie legt nahe, dass wir unseren Lebensstil überprüfen und die Vorstellungen eines guten Lebens revidieren müssen. Das ist bis dato nicht gelungen.

Woran liegt das? Unser System beruht auf wirtschaftlichem Wachstum. Angeblich kann unser Wohlstand anders nicht gehalten werden. Aber es geht an dieser Stelle nicht um ökonomische Theorien, sondern um einen Blick in die Tiefe der menschlichen Seele. Wie kommt es überhaupt dazu, dass wir so an die Steigerung glauben?

Es ist die Gier. Es ist die Unersättlichkeit. Tief drinnen leitet uns die Angst: ‚Ich bekomme nicht genug.‘ Nicht genug an allem: an Leben, an Anerkennung und Zuwendung. Dieses Lebensgefühl treibt uns in den Mechanismus der Steigerung, in die Unzufriedenheit, in die Sklaverei des ‚noch Mehr‘. Das Ergebnis ist ein Zuviel, ein Überfluss, der geistig und spirituell überfordert. Es geht also nicht um Mängel, die behoben werden müssen. Das reicht an Menschenrechte. Es geht auch nicht um Verzicht.

Es geht um das Genug: Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns. (Joh 14,8) Als Glaubende dürfen wir aus dem Vertrauen leben, schon längst in Gott zu leben. Dort haben wir genug an allem, was wir in der Tiefe unseres Herzens wirklich brauchen. Dort, beim und im dreifaltigen Gott, ist Sättigung.

Leben aus der Taufe heißt: Lernen, in Gott Stand zu finden. Standfinden in Gott nimmt der Gier die Energie. Wir finden Freude am Genug.

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2026/05/Ausreichend-Genuegend.jpg 1067 1600 Dr. Christoph Benke https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png Dr. Christoph Benke2026-05-05 11:59:512026-05-05 12:12:45Zu wenig oder genug? – Predigt

RUF IN DIE FREIHEIT – Predigt

27. April 2026/von P. Clemens Pilar COp

Pater Dr. Clemens Pilar COpBeim Schöpfungsgottesdienst im Auer Welsbach Park, bei dem am Ende des Gottesdienstes muskelbetriebene Fahrzeuge gesegnet wurden, zeigte P. Clemens Pilar COp am 4. Sonntag in der Osterzeit (26.04.2026) der Gemeinde von Schönbrunn-Vorpark einen anderen Blick auf das Gleichnis vom guten Hirten; Jesus will, dass die Menschen in die Freiheit geführt, ja getrieben werden, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.


Das Fahrrad, bzw. das Fahrradfahren war in meiner Jugendzeit der Inbegriff von Freiheit. Oft hab ich mich nach Unterrichtsschluss aufs Fahrrad geschwungen, mich bei meinen Eltern abgemeldet (und gesagt, wann ich zurücksein werde) und hab so meine 50, 60 Kilometer heruntergespult. Ich habe damals im oberösterreichischen Kremstal gelebt, wo man wunderbare Radtouren machen konnte. Meine Eltern haben mir zugetraut, dass ich mich in der Landschaft zurecht finde, deshalb haben sie nie vorher gefragt, wohin ich unterwegs bin, ich war frei, meine Routen zu wählen. Ich denke gerne an dieses Gefühl der Freiheit und des Abenteuers zurück. Noch heute bin ich in meiner Freizeit gerne mit dem Fahrrad unterwegs, viel lieber als mit dem Auto. Mit dem Fahrrad ist man freier und ungebundener, man muss keinen Parkplatz suchen, kann auch auf Wegen unterwegs sein, wo kein Auto fahren darf, und umweltfreundlich ist es auch.

Freiheit! Auch im Evangelium geht es heute um diese Thematik. Es ist die Rede vom Schafstall und von Schafen, die nicht in der Enge des Stalls bleiben sollen, sondern die aus diesem hinausgeführt, ja hinausgetrieben werden, sie sollen gute Weide finden. Sie sind frei, jederzeit hinein- und hinauszugehen, so wie es für sie passt… Heute würde man vielleicht sagen: „So sehen glückliche Schafe aus“.

Aber natürlich geht es im Evangelium nicht um Kleinviehzucht. Eigentlich bringt Jesus hier eine höchst provokante Botschaft, im Grunde Religionskritik vom Feinsten. Das bemerkt man spätestens dann, wenn man den Text im Griechischen Original vor sich hat: Das Wort, das hier im Deutschen mit „Stall“ wiedergegeben wird, ist das griechische Wort „Aulé“, von dem auch das allen bekannte Wort „Aula“ kommt. Es ist eigenartig, dass der Evangelist hier dieses Wort gewählt hat, denn das klassische Griechische Wort für Stall lautet „Stathmos“ oder „Sekós“. Das Wort Aulé verwendet der Evangelist sonst im selben Evangelium nur für den Hof des Hohepriesters am Tempel. Da wird man schon hellhörig. Und wenn man sich dann daran erinnert, dass es im Johannesevangelium – ziemlich am Anfang – schon einmal eine Stelle gegeben hat, wo die Rede davon ist, dass unter anderem auch Schafe aus dem Tempel getrieben werden (vgl. Joh 2, 15), Schafe, die zum Schlachten bestimmt waren, dann hat man endgültig den Schlüssel, um zu verstehen, wie hochbrisant dieses Evangelium ist.

Jesus wirft der Priesterschaft in Jerusalem vor, dass sie die Menschen nur für ihre eigenen Zwecke benutzen. Sie dienen ihnen nicht, sondern bedienen sich ihrer. Man muss dazu verstehen, dass der Opferkult im Tempel ein sehr gutes Geschäft war. Dazu mussten aber die Leute manipuliert werden, damit man sie lenken konnte. Man hat ihnen eingeredet, dass sie die kostspieligen Opfer bezahlen müssen, um Gottes Willen zu erfüllen, Sühne für ihre Sünden zu erlangen oder ähnliches. Jesus hatte diesen Opferkult kritisiert, der den Tempel zu einer Markthalle verkommen hat lassen.

Aber das Schlimmste war, dass diese Form der Religion den Menschen die innere Freiheit genommen hat. Ihnen wurde ein falsches Gottesbild in die Köpfe gesetzt, so dass sie gut lenkbar waren. Religion wurde zum Instrument der Macht. Und Jesus ist dabei, den Mächtigen genau dieses Instrument kaputt zu machen, indem er zeigt, dass Gott ganz anders ist.

Wenn wir jetzt noch bedenken, dass diese Rede vom Guten Hirten im Johannesevangelium die Anschlussstelle an die Heilung des Blindgeborenen ist, der durch Jesus nicht nur das Augenlicht erhalten hat, sondern – wie es wörtlich heißt – zur „Einsicht“ kam, also zum Selberdenken befähigt wurde, dann verstehen wir noch besser, was Jesus mit diesem Gleichnis sagen wollte. Der Blindgeborene wurde dann von den religiösen Autoritäten aus der Synagoge hinausgeworfen. Selberdenker waren nicht erwünscht.

Bei Jesus ist das anders. Er will, dass die Menschen selber denken und ihm aus eigener Einsicht folgen. Darum sagt er, dass diejenigen, die nicht durch die Tür gehen, sondern anderswo in den Stall einsteigen, Räuber und Diebe sind. Man kann das auch so verstehen: Die Tür ist der wache Verstand. Jesus spricht den Verstand an, er fragt sogar manchmal nach: „Habt ihr das alles verstanden?“ Anders gehen die Verführer vor. Sie verschleiern ihre wahren Absichten. Sie schleichen sich in das Denken der Menschen, indem sie z.B. an Gefühle appellieren, sie wecken Ängste und bieten sich als Lösung an… alles, um die Menschen an sich zu binden und sie auszunutzen. Heute geschieht das wieder in großem Maße, zwar meist nicht durch die Priesterschaft, sondern von politischen Kräften, die sich sehr religiös geben und ihre Macht im Namen Gottes auszuüben behaupten. Dass es diesen in keiner Weise um das Heil der Menchen geht, sieht man daran, dass sie Not, Elend und Tod über die Welt bringen. Der Einzelne ist ihnen völlig egal.

Jesus dagegen will, dass die Schafe – hier ein Symbol für die Menschen – in Freiheit leben. Während die Diebe und Räuber sich an den Schafen nähren, sorgt der gute Hirt dafür, dass die Schafe gute Nahrung finden. Er will nicht etwas von den Schafen, er will, dass die Schafe leben. Während den Dieben der Einzelne egal ist, solange er aus ihm Profit schlagen kann, kennt der gute Hirt alle Schafe mit ihren Namen. Jesus will nicht, dass die „Schafe“ im „Stall“ gefangen bleiben, also in dem Bereich, den der Hohepriester für sie festgelegt hat. Er will, dass sie den Ausweg aus jeder ideologischen und religiösen Bevormundung finden. Deshalb führt er die Schafe nicht nur hinaus aus dem Stall, er will sie förmlich „hinaustreiben“ und aus der Gefahrenzone bringen. Manchen „Schafen“, denen man ihr Leben lang die Grenzen des Stalles in den Kopf gepredigt hat, haben wahrscheinlich sogar Angst, diesen Stall zu verlassen.  Jesus muss für diese seine ganze Kraft aufwenden, damit sie den Schritt in die Freiheit wagen.

Für alle aber, die sich mit Namen rufen lassen und der Stimme des Hirten folgen, wird eine neue Kraft des Lebens erfahrbar. Jesus sperrt seine Schafe nicht in einen „Stall“ und nicht in ein Gehege. Alle, die er ruft, dürfen ein- und ausgehen. Die Stimme des Guten Hirten engt nicht ein, sondern bereitet einen weiten Raum, in dem jeder zum Leben kommen kann, weil er die gute „Weide“, also die Nahrung, findet, die wirklich zum Leben dient. Die beste Nahrung aber, die die Seele des Menschen braucht, ist das Wort des „Guten Hirten“, der gekommen ist, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.

 

 

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2026/04/Schaefer-mit-seiner-Schafherde.jpg 1200 1600 P. Clemens Pilar COp https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png P. Clemens Pilar COp2026-04-27 06:35:362026-04-28 11:46:41RUF IN DIE FREIHEIT – Predigt

Die Vielfalt der Kirche – und das Netz, das nicht zerreißt – Predigt

20. April 2026/von Johann Pock

Dr. Hans PockAm 3. Sonntag der Osterzeit (19.04.2026) setzte sich Univ. Prof. Dr. Johann Pock in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark mit der nachösterlichen Zeit der Jünger auseinander, mit dem, was sie lernen mussten, und mit dem, was das für uns heute bedeutet.


Wir stehen in der Zeit zwischen Auferstehung und Geistsendung, zwischen Ostern und Pfingsten: Es ist die Zeit, wo die Jünger lernen mussten, was geschehen war; lernen, wie es weitergehen sollte – ohne den Herrn, der ihnen leibhaft vorausgegangen war.

Es ist die Zeit, in der sich die Kirche gebildet hat. Davon berichtet die Apostelgeschichte: Wie die Jünger plötzlich Mut bekommen, für ihren Glauben einzutreten. Wo sie auf öffentlichen Plätzen ihren Glauben verkünden.

Der Schluss des Johannesevangeliums berichtet auch von diesen ersten Momenten der Kirche. Davon hören wir heute. Einige Aspekte möchte ich herausgreifen.

1) Die manchmal vergeblichen Mühen des Alltags – und der Glaubensweitergabe.

Petrus und andere Jünger versuchen Fische zu fangen, sie gehen ihrer Arbeit nach. So wie auch wir:

– Wir versuchen, unseren Glauben weiterzugeben; wir strengen uns an, den Kindern zu vermitteln, was uns etwas wert ist; wovon wir leben.

– Die Erfahrung ist wohl oft dieselbe: Man strengt sich an; setzt alle Kräfte ein – doch die Netze bleiben leer.

– Es heißt hier nicht, dass die Netze immer leer blieben; aber in dieser Nacht geschah es so.

Manchmal wissen wir mit eigenen Kräften nicht mehr weiter.

2) Vertrauen auf den Herrn kann weiterhelfen.

Dann aber geschieht hier etwas: Die Jünger sehen einen Mann am Ufer, der ihnen aufträgt: Sie sollen die Netze auf der anderen Seite auswerfen. – Sie kennen ihn nicht, aber vertrauen auf ihn. – Wider besseres Wissen, gegen die eigene Erfahrung fahren sie hinaus – obwohl es schon hell wird; die beste Fischfangzeit ist vorbei. Sie sind die Experten – doch wer ist das am Ufer? Trotzdem: Sie tun es – und sie fangen mehr als je zuvor.

Als Bild für die Kirche genommen heißt dies: müssten wir nicht öfter auf den Herrn vertrauen und nicht zuerst meinen, alles selber schaffen zu müssen? – Jesus nimmt den Jüngern die Arbeit des Fischens nicht ab – aber er zeigt ihnen einen neuen Weg. Nicht aufgrund ihrer Leistung haben sie volle Netze, sondern weil Gott es so wollte. Das ist für mich sehr entlastend.

Wenn es uns als Kirche gut geht; wenn vieles gelingt – dann sagt mir dieses Evangelium: Werdet nicht stolz auf eure Leistung, sondern seid dankbar für den, der euch Erfolg, Gelingen schenkt.

– Aber wenn es einmal nicht so läuft, dann gebt nicht auf. Versucht euer Bestes. Aber ihr braucht nicht an euch zu verzweifeln, denn auch der Misserfolg liegt nicht zuerst an euch.

3) Bild des Netzes: „153 Fische“ – und es zerreißt nicht

Und dann ist hier das wunderbare Bild für die Kirche: Der Herr selbst sorgt dafür, dass die Kirche lebt; dass Menschen sich zu ihm bekennen. – Und in dieser Kirche sollen nicht nur bestimmte Menschen, Auserwählte sein, sondern sie soll Platz haben für alle. (Denn eine Auslegung sagt, dass die Zahl 153 die Zahl der damals bekannten Fischarten meint; und damit sind symbolisch alle Menschen im Netz versammelt.)

Und dieses Netz zerreißt nicht, obwohl es übervoll ist. Das ist ein eindeutiger Appell zur Toleranz. – Eigentlich (gerade angesichts des Leids, das auch durch unterschiedliche Religionszugehörigkeit geschieht) ist das ein Appell, dass auch verschiedene Religionen im Netz Platz haben müssten!

4) Das Evangelium endet wie so häufig bei Handlungen Jesu mit einem Mahl.

Und für dieses Mahl müssen nicht die Jünger alle Gaben bringen, es ist schon bereitet. Der Herr selbst deckt den Tisch – und die Jünger bringen das Ihre auch mit. Es ist ein Zeichen für unser eucharistisches Mahl; es ist ein Zeichen, dass alles Arbeiten, alles Tun, immer wieder einmünden soll in die Feier der Eucharistie. Jesus versammelt die Jünger um sich. Wir versammeln uns sonntäglich um den Herrn. Es ist ein Zeichen für die Einheit unserer Kirche – aber gleichzeitig schaffen wir damit auch Einheit.

Die Osterzeit erinnert uns in vielen Texten und Zeichen an die Zeit der Bildung der Kirche. – Einer Kirche, die nicht auf eigene Leistung aufbaut, sondern auf den Herrn – die aber im Vertrauen auf ihn ihre Kräfte einsetzt für Gott, für Christus, für ein besseres Leben hier, für Frieden und Gerechtigkeit. – Diese Kirche aber sind wir alle.

https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2026/04/Angeln.jpg 1067 1600 Johann Pock https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.png Johann Pock2026-04-20 11:20:032026-04-28 11:34:29Die Vielfalt der Kirche – und das Netz, das nicht zerreißt – Predigt
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