So manche Menschen fühlen sich völlig fertig. Was sagt unser Glaube dazu? Wann und wie sind wir als Gläubige völlig fertig. Darüber predigt Dr. Christoph Benke am 19. Sonntag im Jahreskreis (10.08.2025) in Schönbrunn-Vorpark.
Ich bin völlig fertig: Wer das sagt, fühlt sich erschöpft, entkräftet. Eine lange Krankheit, ein anforderndes Schuljahr, ein gärender Konflikt, die Mühsal des Alters. Vielleicht sagt das jemand im Rückblick auf ein ganzes Leben, das nicht auf der Butterseite war.
Wer völlig fertig ist, kann der noch etwas vom Leben erwarten? Darf oder muss sogar, wer völlig fertig ist, noch etwas vom Leben erwarten? Darauf gibt der christliche Glaube eine Antwort, die zugegeben steil und herausfordernd ist: Auch wenn wir uns völlig fertig fühlen oder es sind, das Beste kommt erst noch! Es ist eine Perspektive des Glaubens. Der sagt: Wir leben in Erwartung. Wir warten nicht auf etwas, sondern auf jemand. Wir gehen auf eine Begegnung zu. Wir glauben an das zweite Kommen des Erlösers, auf die Wiederkunft Christi.
Die Herausforderung liegt darin, während eines ganzen und möglicherweise langen Lebens diese Spannung aufrechtzuerhalten. Es geht um ein Wachbleiben: Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! (Lk 12,36-37)
Das Beste kommt also erst noch: Wir gehen auf unsere Vollendung zu. Die Begegnung mit Christus, dem Sohn, lässt uns einmal begreifen, welches Bild Gott-Vater immer schon für uns hatte, wer wir werden und sein sollten. Die Differenz, unser Zurückbleiben, wird uns schmerzen. Aber wir hoffen, dass der Auferstandene dann das ersetzt, was uns noch fehlt. Dann sind wir voll-endet, also völlig fertig – aber im besten Sinn!
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/08/Bruecke.webp6401280Dr. Christoph Benkehttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngDr. Christoph Benke2025-08-13 12:34:242025-09-16 15:02:20Völlig fertig
Von verschiedenen Süchten, die Menschen beherrschen können, sprach Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 18. Sonntag im Jahreskreis (03.08.2025).
Sucht ist eine Krankheit. Die Medizin weiß darüber viel. Die Wissenschaft kennt die Bedingungen, den Verlauf und die Folgen – auch für das Umfeld (Familie, Arbeitsplatz). Viel wird für die Aufklärung getan, sie ist gesetzlich vorgeschrieben. Alkohol-, Drogen-, Nikotin-, Spiel-Sucht – das sind die gängigsten.
Diese Liste ist unvollständig. Das Evangelium ergänzt die Reihe um eine Sucht; um eine, die seit jeher jeden Menschen gefährdet – die Hab-Sucht: Dann sagte Jesus zu den Leuten: Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt. (Lk 12,15) Der Kolosserbrief spricht von der Habsucht, die Götzendienst ist! (Kol 3,5) Die Sucht nach Besitz, das übersteigerte Streben nach Haben, kann sich auf vieles beziehen, nicht nur auf materielle Dinge: auf meinen Erfahrungsschatz, Wissen, Leistung, Können, Erfolg, Anerkennung, immer Rechthaben wollen. Und das Wort Habgier erinnert daran, dass eine Gier nicht zur Ruhe kommen lässt: Sie treibt ständig an. Habgier, Hab-Sucht ist selbstbezogen. Darum ist sie immer rücksichtslos.
Woher kommt sie, die Habsucht? Tief in uns wohnt die Angst, nicht genug zu bekommen. Wir leben in Sorge, nicht zu genügen und den anderen und sich etwas beweisen zu müssen – wodurch auch immer. Das ist das Rechtfertigungsthema, das Paulus so umtreibt. Das Evangelium und die Taufgnade sagen: ‚Es ist gut, dass Du bist. Glaube der Liebe Gottes. Übergib Dein Leben der Fürsorge Gottes. Du wirst Dich zwar weiterhin um Besitz und um Dein Auskommen kümmern müssen – aber ohne Suchtverhalten.‘
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/08/Sucht-der-Menschen.webp9131280Dr. Christoph Benkehttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngDr. Christoph Benke2025-08-06 11:19:582025-09-16 15:00:52Sucht
Wie steht es um die Fragen, die wir stellen. Dürfen wir sie stellen oder sind sie unerwünscht? Darauf ging Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 15. Sonntag im Jahreskreis (13.07.2025) – ausgehend von einer Frage eines Gesetzeslehrers an Jesus – ein.
Sie nehmen an einer Fortbildung teil. Die Beendigung eines Kapitels lässt den Referenten fragen: Haben Sie noch Fragen? oder noch knapper: Noch Fragen? Je nach Tonlage kann das ernst gemeint sein. Oder ein ziemlich deutlicher Hinweis, dass weitere Fragen unerwünscht sind.
Aus der Sicht des Evangeliums sind Fragen erwünscht. Sie spielen im Evangelium eine bedeutende Rolle. Es gibt Fragen, die Jesus an seine Jünger stellt. Umgekehrt wird auch Jesus gefragt. So im Evangelium dieses Sonntags: Und siehe, ein Gesetzeslehrer stand auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? (Lk 10,25) Es ist also die Frage nach dem ewigen Leben. Wie geht das, bei Gott einmal ankommen und endgültige Heimat finden? Wie und wo ist das zu finden, was ‚die Welt im Innersten zusammenhält‘, die Rechtfertigung, das Glück, der Sinn, die Tiefe, die Fülle, das Leben schlechthin? Wo und wie bekomme ich endgültig zu hören: ‚Es ist gut!‘? Wo und wer ist Gott und wie ist er zu finden?
Nehmen wir von dieser Stelle zwei Anregungen mit. Die eine: Ist diese Frage in uns noch lebendig? Treibt sie uns an? Es gibt ja auch eine unfruchtbare Selbstzufriedenheit oder einen Panzer, den man sich zugelegt hat. Wo keine Frage ist, ist auch keine Antwort des Heiligen Geistes.
Die zweite Anregung: Die Antwort Jesu ist schlicht und eindeutig – Gottesliebe und Nächstenliebe. Bereits die Frage des Gesetzeslehrers geht davon aus, dass es um ein Tun geht. Jedenfalls hat die Antwort auf die Frage aller Fragen mit Liebe zu tun. Die Antwort ist handfest-konkret.
Noch Fragen? – Ja, hoffentlich!
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/07/man-5723449_1920.jpg11391563Dr. Christoph Benkehttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngDr. Christoph Benke2025-07-16 11:09:022025-09-16 14:59:33Noch Fragen?
Vielfältige Hiobsbotschaften quälen uns, quälten aber auch schon die Menschen in der Bibel. Woher kommt uns Trost in dieser Situation? Darüber predigte Dr. Christoph Benke am 14. Sonntag im Jahreskreis (06.07.2025) in Schönbrunn-Vorpark.
Die jüngere Vergangenheit fordert uns extrem heraus. Die Liste ist lang: Pandemie, Energiekrise, das Klima und das kippende ökologische Gleichgewicht, der Ukrainekrieg, der Überfall auf Israel, Gaza, Krieg Israel-Iran: eine Hiobsbotschaft nach der anderen, schwer erträgliche Bilder. Dazu kommen noch die persönlichen oder familiären Hiobsbotschaften. Die Zuversicht ins Leben nicht verlieren – aber wie? Gibt es irgendwo Trost? Wer tröstet – im Angesicht des Schreckens?
Der Prophet Jesaja spricht in einer für das Gottesvolk Israel schwierigen Zeit. Eindringlich erinnert er an die Verheißungen seines Gottes, die da lauten: Es gibt Hoffnung und es gibt Trost. Gegen allen Augenschein kommt es darauf an, unbedingt daran festzuhalten: Der Trost Gottes kommt, er kommt wie ein rauschender Bach (V 12). Wie einen Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch (V 13).
Paulus erinnert uns: Der Trost Gottes ist leibhaft erschienen – Jesus Christus ist der Trost Gottes. Und hier kommt das Kreuz ins Spiel. Das Kreuz ist der Weg, wie dieser Trost Gottes zu uns kommt. Das ist für uns schwer verständlich: gänzlich unharmonisch. Es geht gegen unser natürliches Empfinden. Über das Kreuz kommt der Trost Gottes, die neue Schöpfung, das Reich Gottes.
So sind wir herausgefordert, je neu an die Ansage Jesu zu glauben: Das Reich Gottes ist nahe. Darin besteht der Trost Gottes, gerade in schwierigen Zeiten. Unsere Sendung besteht darin, daraus zu leben und Menschen in unserem Umfeld zu trösten und zu stärken.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/07/Erdbeben.jpg10311650Dr. Christoph Benkehttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngDr. Christoph Benke2025-07-11 10:47:092025-09-16 14:57:48Hiobsbotschaften und der Trost Gottes
Was gibt es Schöneres als zwei wunderbare Feste? Ein noch wunderbareres Fest, das beide Anlässe aufgreift und miteinander verbindet: Das war am Donnerstag, 19. Juni, in Schönbrunn-Vorpark der Fall: Wir haben Fronleichnam, das heuer eher spät im Juni stattfand und unser Sportfest, das wir traditionellerweise zu Schulschluss begehen, gemeinsam gefeiert.
Die Kirche war von einer Blumenpracht geziert – mehrere Frauen hatten schon tagelang Blumen gesammelt und daraus Kränze geflochten, Orgel und Band spielten auf, die Erstkommunionkinder kamen in ihren Festgewändern.
So feierten wir die Liturgie als Familienmesse mit dem Evangelium der wunderbaren Brotvermehrung als Bilderbuchkino. Die Kinder durften beim Inzensieren des Altares durch den Priester schon in der Kirche die ersten Blumen streuen und taten das dann erst recht, als wir auf der Straße das Allerheiligste in der Monstranz um den Häuserblock trugen.
Die Prozession endete mit dem eucharistischen Segen in der Jugendsportanlage des Auer-Welsbach-Parks, wo schon alles für weitere Stunden mit gutem Essen, Spiel, Sport und Spaß aufgebaut war. Während die Kinder bei den Sportstationen ihre Kräfte maßen, stärkten sich die Erwachsenen mit Gegrilltem, mitgebrachten Salaten, Kaffee und Kuchen.
Die mittlerweile legendäre Sieger*innen-Ehrung mit der Verteilung der Medaillen und tollen Preisen stellte den Abschluss dieses wunderbaren Doppel-Festes dar! Dieses Fest hat wieder gezeigt, wie viele Menschen in unserer Gemeinde ehrenamtlich ihre Zeit und Energie schenken! Danke!
Über den sozialen Sprengstoff, der in den Anfängen der christlichen Botschaft liegt, und das, was heute daraus folgt im Zusammenhang mit der Aufforderung zum Einssein, predigt Dr. Johann Pock am 12. Sonntag im Jahreskreis (22.06.2025) in Schönbrunn-Vorpark.
Paulus war ein Revolutionär! Was er seinen Mitmenschen zumutete, war für manche damals ungeheuerlich. Und der eine Vers in seinem Brief an die Galater, den wir gehört haben, birgt auch heute noch Zündstoff – und es passt auch sehr gut zum gerade begangenen „Weltflüchtlingstag“ am 20. Juni:
Gal 3,28 „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid „einer“ in Christus Jesus“.
Und Paulus sagt das nicht als Wunsch an die Zukunft; oder als Absichtserklärung – sondern als Tatsache, wenn man an Christus glaubt.
In den damaligen Ohren war das undenkbar: Juden und Heiden sollten eins sein? Mann und Frau auf gleicher Stufe? Sklaven und Freie in einem Atemzug genannt? Manche damals werden sich gedacht haben: Das wäre ja noch schöner, wenn das so wäre; dann bricht die Gesellschaft zusammen, wenn es nicht mehr Herren und Sklaven gibt; oder wenn Frauen in öffentlichen Versammlungen reden. Und solche Texte finden wir als Widerhall der damaligen Gesellschaft auch in der ganzen Bibel.
Die christliche Botschaft hatte von Anfang an jedenfalls sozialen Sprengstoff in sich: Jesus wendet sich gegen die Überordnung von Herren und Dienern. „Wer der erste sein will, soll der Diener aller sein“. Wer vorangehen will, der soll den Seinen auch die Füße waschen – d.h. sich nicht zu schade sein, auch die einfachen Arbeiten zu verrichten.
Ein neues Verhältnis von Mann und Frau – auf Augenhöhe
Aber auch im Blick auf das Verhältnis von Mann und Frau war das Christentum damals fortschrittlich – so sehr, dass manche sich davor fürchteten, als radikale Sekte gesellschaftlich abgelehnt zu werden.
Heute denkt man bei römisch-katholischer Kirche eher daran, was Frauen bzw. was Laien alles nicht dürfen; oder noch nicht dürfen. Doch in der damaligen Zeit hat Jesus hier Grenzen überschritten: Frauen waren in seinem Gefolge. Es gab zur Zeit des Apostels Paulus auch Frauen als Apostel. Die ersten Zeuginnen der Auferstehung waren die drei Frauen am Grab. … Also eine Fülle von Beispielen, die zeigen, dass in den Ursprüngen der Christenheit nicht mehr zählte „Mann oder Frau“, sondern: Zeuge für Christus oder nicht.
Offenheit für andere Religionen und andere Kulturen
Und auch im Blick auf die religiöse Herkunft werden Grenzen überschritten: Nicht mehr Juden und Griechen. Das Christentum überschreitet die Grenzen seiner Herkunft, des jüdischen Glaubens – und tritt in Dialog mit den Griechen, also mit Heiden. Es werden nun auch Menschen getauft, ohne zuvor jüdisch werden zu müssen.
Es erinnert auch an die Texte von Pfingsten: Durch den Heiligen Geist kommt ein Verständnis zustande über alle Sprachen und Nationen hinweg.
Einssein in Christus
Und das wichtigste Wort für Paulus lautet dabei: „Sie alle sind einer in Christus“ – und zwar durch die Taufe. Wer getauft ist, unterscheidet nicht mehr zwischen sozialen Herkünften oder religiösen Ausrichtungen. Paulus versucht den Blick nicht auf das Trennende zu richten, sondern auf das, was verbindet.
Im Johannesevangelium ist viel die Rede von diesem „Eins-Sein“. Und häufig wird damit jegliche andere Meinung, jegliches Abweichen von offiziellen Lehrmeinungen verurteilt. Dabei geht es meines Erachtens genau um das Gegenteil: Mit all unseren Unterschieden; mit unseren verschiedenen Einstellungen und Erfahrungen, sind wir als Getaufte trotzdem eins. Wir sind eins – egal ob Mann oder Frau, Kind oder Erwachsener, jung oder älter, egal ob Arbeiter, Angestellter, Selbständiger, Lehrer oder Schüler …: Vor Christus sind wir eins – und dürfen trotzdem wir selbst bleiben mit unseren Unterschieden.
Einssein – das bedeutet eben nicht ein Aufheben der Unterschiede; ein Nivellieren; das wäre dann doch ziemlich fad. Sondern es bedeutet, dass die Unterschiede nicht trennend sein müssen, dass Vielfalt die Einheit nicht bedroht.
Und es ist dies eine Einheit, die uns verbindet mit den Urahnen – und Paulus nennt da z.B. Abraham und seine Nachkommen. Als Christinnen und Christen sind wir eins mit ihnen – und das heißt wohl auch: wir sind genauso Nachkommen Abrahams wie das jüdische Volk oder die Muslime.
Und wir sind eins mit den Menschen, die noch kommen werden. Gerade in der Messe schwingen wir im Gebet ein in diese Tradition vor uns und nach uns; wir hören Texte aus der Geschichte – und wir bitten für unsere Zukunft.
Wenn heute mit dem Christentum oft eher die Gebote und Verbote verbunden werden; oder die Macht, die sich an den Gebäuden und Strukturen zeigt – dann tut es gut, an diese Ursprünge zu erinnern: All das Äußere steht im Dienst dieses Jesus und seiner frohen Botschaft.
Feiern wir diese Einheit in der Verschiedenheit – und tun wir alles dafür, dass Unterschiede als Reichtum, nicht als Bedrohung wahrgenommen werden.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2023/09/Globus-Figuren-Nationalitaeten.jpg?ver=17061178219001600Johann Pockhttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngJohann Pock2025-06-23 14:40:002025-09-16 14:52:08Christentum meint Einheit – aber in lebendiger Verschiedenheit
Was der Unterschied davon ist, wenn sich Putin die Krim einverleibt, wir Nahrung zu uns nehmen und wenn wir uns Jesus in der Kommunion einverleiben und was daraus folgt, darüber predigte Dr. Christoph Benke zu Fronleichnam (19. Juni 2025) in Schönbrunn-Vorpark.
Sich Einverleiben: Putin hat sich die Krim einverleibt und will das auch mit anderen Gebieten der Ukraine machen. Trump will sich Grönland einverleiben. Dieses Einverleiben hat einen aggressiven Unterton von ‚sich etwas unter den Nagel reißen‘.
Einverleibung geschieht aber ganz alltäglich, mehrmals: Wir essen, nehmen Nahrung zu uns. Da passiert Einverleibung, ganz wörtlich: Nahrung geht in uns ein, wird umgewandelt, Magen und Verdauungstrakt holen die Nährstoffe heraus, die der Organismus braucht.
Wir feiern das Fronleichnamsfest. Wie in jeder heiligen Messe steht da ein besonderes Essen und Trinken im Mittelpunkt. Essen, also etwas Alltägliches, wird da zu etwas Besonderem: Wir sind eingeladen, uns Jesus einzuverleiben. Wir dürfen eine innige Verbindung mit der Person eingehen, die von sich sagt: Das ist mein Leib; Das ist mein Blut. Jesus sagt von diesem Brot und von diesem Wein: Das bin ich – für euch. Unter den Gestalten von Brot und Wein schenkt uns Jesus sich selbst: seine erlösende Liebe, seine Hingabe bis zum Tod, sein unzerstörbares österliches, verherrlichtes Leben.
Das Besondere am Einverleiben des Brotes, das Jesus ist, besteht darin: Es will alle erreichen. Und alle aßen und wurden satt, heißt es im Evangelium. Und weiter: Dieses kleine Stückchen Brot, dieser kleine Schluck Wein ist gar nicht so leicht verdaulich, wie zu vermuten ist. Bedenken wir: Wir verleiben uns die Hingabe Jesu ein! Das verpflichtet uns zu einem Leben für andere. Tut dies zu meinem Gedächtnis, heißt also: Die Liebe, die Christus uns erwiesen hat, haben wir der Welt weiterzugeben.
Wo wir bereit sind, Brot für andere zu sein, verehren wir die heilige Eucharistie.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/06/Fladenbrot.jpg10251584Dr. Christoph Benkehttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngDr. Christoph Benke2025-06-20 14:48:452025-09-16 14:02:21Sich einverleiben
In seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am Pfingstmontag (09.06.2025) legte Diakon Mag. Arthur Schwaiger ausgehend von der Stelle im Johannesevangelium, in der vom nächtlichen Gespräch des Pharisäers Nikodemus mit Jesus die Rede ist, dar, was sich für uns als Menschen in der Nachfolge dieses Jesus daraus an Fragen ergibt.
Die heutige Frohbotschaft umfasst die letzten sechs Verse eines Nachtgesprächs, das – in der johanneischen Überlieferung – Jesus mit dem Pharisäer Nikodemus geführt hat. In der Nacht kann man ungestörter reden, weil die Ablenkungen nicht da sind!
Dieser Nikodemus wird noch zweimal im Johannes-Evangelium – und nur dort – erwähnt. Im siebenten Kapitel mahnt er zur Vorsicht eine Verurteilung Jesu betreffend und im neunzehnten Kapitel ist er bei der Grablegung Jesu dabei.
Unsere Perikope heute am Pfingstmontag hat die Gottesfrage zum Thema: Ein Gott, der menschliche Natur annimmt – wegen uns Menschen -, sich hin-gibt, um uns zu retten und uns die Freiheit der Ent-Scheidung gibt! Der Verfasser des Johannes-Evangeliums bringt das siebzig Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung auf den Punkt! In der Dogmatik – der Glaubenslehre – ist dies der Abschnitt der Soteriologie – die Lehre von Jesus Christus als dem Retter!
Fragen wir uns, welche Fragen dieser Text an uns stellt oder stellen könnte?
Suche ich die Begegnung mit Jesus durch Gebet und Werke der Nächstenliebe?
Habe ich den Mut – so wie Nikodemus – einem neuen Glaubensverständnis Raum zu geben?
Bin ich immer wieder bereit für die Auseinandersetzung mit der Gottesfrage?
Lasse ich den Geist wirken, um Gott in allen Dingen zu finden?
Höre ich auf Gottes Wort und lasse ich es relevant werden für meine Lebensgestaltung?
Bete ich um den Geist der Unterscheidung?
Ich lade euch ein, dass ihr euch das ganze dritte Kapitel des Johannesevangeliums durchlest und meditiert, um in die Spuren des Nikodemus zu gelangen und das Gespräch mit Jesus zu suchen. Seine Hand ist immer ausgestreckt!
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/06/phone-381286_1920.png10271588Arthur Schwaigerhttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngArthur Schwaiger2025-06-10 15:42:372026-01-01 17:14:52Das Gespräch mit Jesus suchen
Das Pfingstfest ist ein Hochfest, an dem das – von Jesus Christus angekündigte – Kommen des Heiligen Geistes gefeiert wird. Das Fest ist zugleich der feierliche Abschluss der Osterzeit („8. Ostersonntag“). Ein Hauptanliegen der nachkonziliaren Liturgiereform war die Rückgewinnung der fünfzig tägigen Osterzeit.
Pfarrvikar Marek feierte mit uns die Eucharistie. Am Ende des Gottesdienstes wurde die Osterkerze von ihrem Platz neben dem Altar zum Taufbrunnen getragen.
Über die Versuche Einheit/lichkeit im Glauben und in der Kirche durchzusetzen und das, was dabei übersehen wurde, sprach P. Dr. Clemens Pilar Cop in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 7. Sonntag der Osterzeit (01. Juni 2025).
Das Evangelium, das wir nun am letzten Sonntag vor Pfingsten gehört haben, macht uns sehr nachdenklich. Zu Pfingsten feiern wir die Herabkunft des Heiligen Geistes, der die Jünger sofort ermutigt und erweckt hat, zu ihrer Mission aufzubrechen. Die erste große Rede wird von allen verstanden, egal welcher Herkunft die Hörer waren und welches ihre Muttersprache war. Ein hoffnungsvoller Anfang: Durch den Geist Gottes sollen alle den Ruf Gottes hören können, alle sollen zusammenfinden in dem einen Volk, das auf Gottes Stimme hört.
Jesus hat dies auch in seinem großen Gebet am Abend vor seinem Leiden zum Ausdruck gebracht: Indem die Jünger in der Einheit vollendet sind, wird die Welt erkennen, dass er – Jesus – wirklich vom Vater gesandt ist, und dass deshalb seine Offenbarung des Vaters glaubwürdig ist: Gott ist der Gott der Liebe. „Vater, ich bitte nicht nur für diese hier, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben. Alle sollen eins sein.“
Doch ist diese Bitte bis heute nicht erfüllt. Warum? Was macht es den Christen, die doch alle an den Name Jesu glauben, so schwer, diese Einheit zu finden? Die ganze Kirchengeschichte ist durchzogen von Glaubensstreitigkeiten, von Schismen und Spaltungen.
Heuer haben wir einen besonderen Grund, uns mit dieser Frage zu beschäftigen. Feiern wir doch auch das 1700-jährige Jubiläum des Konzils von Nizäa, bei dem das Glaubensbekenntnis formuliert und definiert wurde, das wir auch heute noch beten. Grund zum Jubel? Vielleicht, aber ich bin mir da gar nicht immer so sicher. Zumindest lohnt es sich, auch einen kritischen Blick auf die dadurch angestoßene Entwicklung zu werfen.
Wie kam es zu diesem Konzil? Als Kaiser Konstantin das Christentum in seinem Reich erlaubt hatte, hatte er auch gehofft, dass diese neue, junge Religion in seinem Riesenreich eine einheitsstiftende Kraft sein könnte. Doch dann stellt er fest, dass diese Christen auch damals schon in viele Gruppen und Parteien aufgespalten waren, die heftig miteinander um die rechte Auslegung des Glaubens gestritten haben. Es war der noch nicht getaufte Kaiser, der das Konzil einberufen und die Bischöfe mehr oder weniger gezwungen hat, endlich eine gemeinsame, für alle verpflichtende Glaubensformel zu finden. Er wollte, dass es endlich ein Glaubensbekenntnis gäbe, Sätze, denen alle zustimmen können, bzw. müssen. Und tatsächlich ist die Formulierung solch eines Bekenntnisses gelungen und wurde groß gefeiert. Bloß: Die Einheit hat das nicht gebracht. Es wurde fleißig weiter gestritten. Es gab jene, die den Sätzen zugestimmt haben, und jene, die es nicht getan haben. Der Befehl: „Das muss man jetzt aber so glauben.“ hat wenig gefruchtet, weil eines dabei übersehen wurde (und manchmal bis heute übersehen wird): „Im Glauben gibt es kein Muss!“ Man glaubt, oder man glaubt nicht. Man kann eine äußerliche Unterwerfung erzwingen, nicht aber innere Zustimmung.
Alle Versuche, den Glauben in Definitionen und Sätze zu gießen, haben immer nur weitere Spaltung verursacht. Das liegt einfach daran, dass wir Gott nicht definieren können, und jeder Versuch, Dogmen über Gott festzulegen, erzeugt nur Götzen. Bei Glaubensstreitigkeiten aller Art wird immer um Götzen gestritten. Gottesbilder, Gottesideen, menschliche Versuche, das unfassbare Geheimnis festzulegen. Es ist ja kein Geheimnis: Alles kann zum Götzen werden: sogar die Eucharistie. Woran man das erkennt? Es ist nicht möglich, dass alle Getauften gemeinsam das eucharistische Brot brechen und Mahl halten. Einfach deshalb, weil im Laufe der Zeit theologische Deutungen dieses Geschehens wichtiger wurden als der Auftrag Jesu: „Tut das zu meinem Gedächtnis“.
Wie aber kann endlich die Einheit werden, die Jesus erbeten hat? Durch neue, bessere Sätze, treffendere Dogmen? Sicher nicht. Papst Franziskus hat gesagt, wenn wir auf die Theologen warten, bis wir Christen alle endlich gemeinsam die Eucharistie feiern können, werden wir ewig warten.
Ich denke, es ist nun nach 1700 Jahren Zeit, dass wir umdenken. Vor 1700 Jahren wurde ein Glaubensbekenntnis formuliert, das endlich Einheit unter den Christen bringen sollte. Aber es weist einen entscheidenden Mangel auf. Der Kaiser und die Bischöfe haben damals nämlich auf das Wesentliche vergessen: Das Wort Liebe und das Wort Barmherzigkeit kommen darin überhaupt nicht vor. Es werden aber nicht Sätze sein, die uns einen, sondern allein die Liebe. Das bedeutet nicht, dass wir diese alten ehrwürdigen Traditionen über Bord werfen müssen. Wir betrachten sie als Etappe auf dem Weg. Wir werden auch heute dieses Glaubensbekenntnis beten – die Sätze sind ja nicht falsch. Und an sich ist es ja auch etwas Großartiges, dass man in Konzilien zusammenkommt und wichtige Fragen gemeinsam durchdenkt und gemeinsam zu lösen versucht. Aber wir wissen auch, dass wir dabei nicht stehen bleiben dürfen, sondern einen Weg des Lernens gehen, der uns weiter führt. Es bedeutet auch, dass man lernen muss, was man festlegen kann und was dagegen bleibend ein Fragen und Suchen bleiben muss. Nicht alles kann man in unumstößliche Sätze gießen.
Aber was macht den Christen dann aus, was ist das Einende? Jesus ist der Mittelpunkt. Jesus ist der Weg zum Vater – aber wer durch diese Türe geht, die Jesus ist, wird immer tiefer die Herrlichkeit schauen, von der er in seinem Gebet gesprochen hat. Jeder wird diese Herrlichkeit anders wahrnehmen, jeder wird sie in einzigartiger Weise erleben (ich denke da z.B. an die Erfahrung im Rahmen des Medizinstudiums, bei der meine Kollegin und ich feststellen mussten, dass wir Farben in unterschiedlicher Intensität wahrgenommen haben). Darum ist es ja auch so genial, dass wir vier verschiedene Evangelien haben, die wir nicht auf einen Nenner bringen können. So halten uns die ersten Zeugen offen für weiteres Fragen und Suchen. Das ist der Weg, die Herrlichkeit Gottes zu schauen. Und diese Herrlichkeit dürfen die Christen dann einander bezeugen, in der Freude über die Fülle und Unterschiedlichkeit der Erfahrungen. Ob diese Erfahrungen authentische Gotteserfahrungen sind, kann man daran erkennen, wie sehr jemand in der Liebe wächst, bis zur Gleichgestaltung, mit der Jesus seine Jünger geliebt hat. Und diese Erfahrung kann man nicht einfach weitergeben. Man kann sie bezeugen und bei anderen die Sehnsucht erwecken, selber in die Freundschaft mit Jesus einzutreten und durch ihn in das Haus des Vaters geführt zu werden.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/06/Greifende-Haende.png11481632P. Clemens Pilar COphttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngP. Clemens Pilar COp2025-06-02 11:32:122025-09-16 13:53:00ALLEIN DIE LIEBE EINT