Nach dem Weihnachtsfest, das uns an die Menschwerdung Gottes erinnert und uns auffordert, wie er als Mensch zu leben, bringt uns der Jänner drei weitere wichtige Impulse.
Am 17. Jänner wird auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich der Tag des Judentums begangen. Das Matthäusevangelium, das wir 2026 an den Sonntagen hören, weist uns am Anfang auf den „Ursprung Jesu Christi“ hin; Jesus wird als Nachkomme Abrahams und Sohn Davids bezeichnet; das bedeutet auch für uns: Der Ursprung des Christentums liegt im Judentum; Antijudaismus greift also auch die Wurzel unseres Glaubens an.
Vom 18. – 25. Jänner wird auch in Österreich die internationale „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ begangen. Während dieser Ökumene-Woche kommen Christen aus unterschiedlichen Konfessionen zusammen, um gemeinsam für die Einheit der Christenheit zu beten. Sowohl Papst Leo XIV. als auch Patriarch Bartholomäus I. haben rund um Weihnachten auf die Bedeutung der Einheit der Christen hingewiesen. Das Motto dieser Woche lautet in diesem Jahr: „Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung in eurer Berufung“ (Eph 4,4).
Und schließlich steht am Ende dieser Woche am 25. Jänner der Sonntag des Wortes Gottes. Zu dessen Einführung 2019 hat Papst Franziskus geschrieben: „Dieser Sonntag des Wortes Gottes fällt so ganz passend in den Zeitabschnitt des Jahres, in dem wir unsere Beziehungen zu den Juden zu festigen und für die Einheit der Christen zu beten eingeladen sind. Es handelt sich dabei nicht um ein bloß zeitliches Zusammentreffen. Die Feier des Sonntags des Wortes Gottes ist von ökumenischer Bedeutung, denn die Heilige Schrift zeigt denen, die auf sie hören, den Weg, der beschritten werden muss, um zu einer authentischen und soliden Einheit zu gelangen.“
Nehmen wir diese Impulse, die uns auf die vielen Bücher der Bibel, in der wir das Wort Gottes im Wort von Menschen lesen und hören gerade in einer Zeit ernst, in der christliche Symbole und Zitate aus der Heiligen Schrift als Waffen gegen andere verwendet werden.
Papst Leo XIV. hat dazu in seinem ersten Lehrschreiben „Dilexi te“ (Deutsch: Ich habe dich geliebt) geschrieben: „Die Tatsache, dass praktizierte Nächstenliebe verachtet oder lächerlich gemacht wird, als handle es sich um die Fixierung einiger weniger und nicht um den glühenden Kern der kirchlichen Sendung, bringt mich zu der Überzeugung, dass wir das Evangelium immer wieder neu lesen müssen, um nicht Gefahr zu laufen, dass eine weltliche Gesinnung an seine Stelle tritt“. Der Journalist Otto Friedrich hat dazu betont: „Man muss die Botschaft Jesu immer aufs Neue meditieren und daraus ins Tun für andere Menschen und ins Handeln um der Menschen willen kommen“.
Setzen wir das in die Tat um, wozu uns Frère Roger Schutz, Gründer der Ökumenischen Gemeinschaft von Taizé, aufgerufen hat: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast, und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.“
Wenn wir sagen ‚Das ist mein letztes Wort!‘ meint das etwas ganz anderes, als wenn Gott nach dem Wort des Anfangs auch sein letztes Wort spricht. Darüber predigte Dr. Christoph Benke zu Weihnachten (25.12.2025) in Schönbrunn-Vorpark.
Das ist mein letztes Wort: Wenn das kommt, hat ein Gespräch eine bestimmte Richtung genommen. Es ist an einem Punkt, an dem es kaum noch weiter geht. Mit Das ist mein letztes Wort steht etwas Endgültiges, Unumstößliches im Raum (eine Aussage, ein Entschluss), jedenfalls etwas mit großer Bedeutung. Das letzte Wort ist ein Schlussstrich.
Das Evangelium des Weihnachtstages bietet einen Kontrast. Es spricht nicht vom Letzten, sondern vom Anfang. Es geht ebenfalls um ein Wort. Aber dieses Wort ist der Anfang schlechthin: Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.
Im Anfang war das Wort. Das erinnert daran, wie die Heilige Schrift anfängt: „Und Gott sprach“ – so heißt es immer wieder im Buch Genesis. Alles hat mit einem Wort Gottes begonnen. Gott wollte sich öffnen, aus sich herausgehen, er tat es mit einem kreativen Wort. Seither war dieses Wort in der Welt, sozusagen in und mit der Schöpfung immer da. War das Schöpfungswort Gottes „letztes Wort“?
Nein, das war noch nicht Gottes letztes Wort. Gottes letztes Wort, das ist sein Zur-Welt-Kommen, sein Eingehen in die Materie, seine Fleischwerdung: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (Joh 1,14)
Das ist Gottes letztes Wort. Das ist nicht mehr zu toppen. Mehr und Anderes und Neues ist nicht zu erwarten. Deshalb müssen wir uns an den Sohn halten. Er hat Kunde gebracht. Wir dürfen vom Sohn, vom Kind, aus seiner Fülle empfangen und wir benötigen unser ganzes Leben, um ein wenig davon zu begreifen.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/12/XMAS-Buchstaben-aus-Holz.jpg10681600Dr. Christoph Benkehttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngDr. Christoph Benke2025-12-26 12:00:352026-03-09 14:57:46Das erste und das letzte Wort
Über den vielfältigen Lärm der Welt, in den das Wort Gottes als Kind kommt, predigte Dr. Christoph Benke in der Heiligen Nacht in Schönbrunn-Vorpark.
Diese Nacht gilt als eine besondere Nacht, sogar als Heilige Nacht. Wir gehen auf die Mitternacht zu. Nachher werden wir Stille Nacht singen. Aber still ist es jetzt nicht und wird es nachher auch nicht sein. Unablässig fließt der Straßenverkehr, laut und aufdringlich. Man kann ihm nicht entkommen.
Der Geräuschpegel kommt nicht nur von der Straße. Die Welt als ganze macht Lärm. „Lärm der Welt“ meint nicht nur eine Anzahl von Dezibel. Der „Lärm der Welt“ besteht aus Dauerthemen: eine neue weltpolitische Lage, die ökologische Krise, Ukraine und Gaza, Terror, das Erstarken antidemokratischer Kräfte, das wirtschaftliche Tief, vier Wochen Nebel. Das macht Ein-Druck. Das wirkt wie eine andauernde Beschallung. Kaum auszuhalten, höchstens, indem man noch mehr Lärm macht gegen die nagende Angst.
Gibt es irgendwo dazwischen noch Ruhe und Frieden? Gibt es noch Hoffnung für die Welt? Was können wir dem Lärm der Welt entgegenhalten, damit er uns nicht hinunterzieht?
Wir feiern die Geburt eines Kindes. Gott kommt in die Welt, zu uns. An diesem göttlichen Kind können wir etwas ablesen. Das Kind ist ein, nein: Es ist das Wort Gottes. Es lautet: ‚Ich halte trotzdem zu dieser Welt‘. Das Christuskind ist das Dennoch Gottes.
Gott kommt als Kind, hinein in den Lärm der Welt. Der Lärm der Welt macht Ein-Druck. Das Kind ist klein und schwach. Ob es gegen den Lärm der Welt ankommt? Ob uns dieses Kind beeindruckt? Das liegt jetzt auch an uns, ist auch unsere Verantwortung.
Das Christus-Kind sucht – wie jedes Kind – Gehör. Denn es will uns sagen: Es gibt Hoffnung. Gott lässt seine Schöpfung nicht allein. Gott wird Mensch. Er teilt unser Leben, von Anfang bis zum Ende – und darüber hinaus.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/12/Gehoerschutz.jpg10671600Dr. Christoph Benkehttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngDr. Christoph Benke2025-12-25 09:37:122026-03-09 14:54:47Der Lärm der Welt und das Wort Gottes – Predigt
War Jesus am Kreuz in guter oder schlechter Gesellschaft? Und was folgt daraus für uns? Darüber predigte Dr. Christoph Benke am Christkönigssonntag (23.11.2025) in Schönbrunn-Vorpark.
Mit wem man durchs Leben geht, kann man sich nicht immer aussuchen. In die Herkunftsfamilie wird man hineingeboren, ungefragt. Am Arbeitsplatz, im Büro gibt es Leute neben mir und vor mir. Aber da und dort kann ich steuern, mit welchen Leuten ich mich umgebe – ob ich mich sozusagen in guter oder schlechter Gesellschaft befinde.
Wir feiern heute das Christkönigsfest. Wir hörten einen kleinen Ausschnitt aus der Passion Jesu: Christus, der König und zwei Verbrecher neben ihm. Christus, der König, befindet sich in schlechter Gesellschaft, die zwei Verbrecher in guter Gesellschaft. Die zwei Verbrecher hängen am Kreuz mit Christus. Aus dieser Gemeinschaft können sie sich nicht mehr herausstehlen. Nägel halten alle fest.
Auf vielen Darstellungen der Kreuzigung Christi fehlen die beiden Verbrecher. Das ist schade. Sie waren nämlich die erste christliche Gemeinde. Die beiden Verbrecher bildeten die erste sichere, unauflösliche christliche Gemeinde. Christliche Gemeinde ist überall, wo Menschen versammelt sind, die Jesus nahe sind; so nahe, dass sie seine Verheißung hören können: dass dieser Jesus alles, was er ist, für sie ist; dass er alles, was er tut, für sie tut, so, dass sie von dieser Verbindung leben dürfen. Die erste christliche Gemeinde waren diese zwei Verbrecher.
Die zwei Übeltäter, die jetzt als Gekreuzigte bei ihm waren, hatten wohl zuvor kaum von Jesus gehört, geschweige denn, dass sie gläubige, bekehrte Leute waren. Im Gegenteil! Dafür aber konnten sie ihn jetzt nicht allein lassen, konnten nicht schlafen und auch nicht fliehen. Er und sie, sie und er waren verbunden – in Ewigkeit.
Christus starb nicht für eine gute, sondern für eine böse Welt; nicht für die Frommen, sondern für die Gottlosen. Wir müssen jetzt nicht erst Verbrecher werden. Aber wir sollten wissen: Menschen, die sich im Grunde für gut und in Ordnung halten, haben in dieser Szene keinen Platz – es sei denn im Gegenüber, inmitten der distanzierten Menge.
Wer ist Jesus, diesem ganz anderen König des Universums, wirklich nahe? Auf der Suche nach einer Antwort ist mit Überraschungen zu rechnen.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/11/3-Kreuze.jpg9041600Dr. Christoph Benkehttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngDr. Christoph Benke2025-11-25 12:40:302026-01-19 08:07:56In guter oder schlechter Gesellschaft? – Predigt
Was sagen uns Texte über Untergangsszenarien und Warnungen vor falschen Propheten als Lesungen an den letzten Sonntagen des Kirchenjahres? Und wie hängen sie mit der Hoffnung, die uns zugesagt wird, zusammen? Darüber predigte Dr. Johann Pock am 33. Sonntag im Jahreskreis (16.11.2025 )in Schönbrunn-Vorpark.
Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Da kommt man in den Gottesdienst und möchte sich aufbauen lassen; möchte hören, dass alles gut ist – und dann hören wir im Evangelium am Ende des Kirchenjahres so schwermütige Texte; die Rede ist von Zeichen des Untergangs; wir werden dazu ermahnt, wachsam zu sein.
Und stimmt das nicht mit unserer Wahrnehmung unserer Zeit überein? In der ganzen Welt sehen wir Zeichen der Angst: Kriege in vielen Ländern; die Sorge um die Zerstörung der Schöpfung; die drohende Klimakatastrophe, eine versinkende Stadt Venedig – auf der Klaviatur der Ängste der Menschen kann man heute leicht spielen und sogar Wahlen gewinnen.
Was kann und will uns in dieser Situation ein solches Evangelium sagen? Drei Punkte: Die Ankündigung des Endes / die Mahnung, sich nicht irreführen zu lassen / und das Wort von der Hoffnung.
1) Die Ankündigung
„Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden.“
Als der Evangelist das niederschreibt, ist der Tempel in Jerusalem bereits zerstört, Jesus ist 40 Jahre zuvor gestorben; wir schreiben das Jahr 70 n.Chr. Für die Jünger Jesu, für die junge Christenheit hat sich damit Jesu Ankündigung bereits erfüllt. Es ist für sie ein Zeichen, dass Jesu Worte wahr waren: Die Welt, wie sie sie bis dahin kannten, gibt es nicht mehr.
Wir dürfen also solche Texte nicht als Ankündigung für heute lesen, als ob bald alles untergehen würde.
Die Jünger der ersten Jahrhunderte erlebten viel Verfolgung wegen ihres Glaubens. Ihnen gelten diese Worte: Lasst euch nicht ängstigen.
Auch wenn ihr verfolgt werdet: Das Wort Jesu gilt. Wie seine Weissagung über die Zerstörung des Tempels wahr ist – so ist auch seine Auferstehung wahr.
Keinesfalls sind die Hinweise auf die Erdbeben und Katastrophen ein Hinweis auf mögliche Strafen Gottes, wie es auch ab und zu verkündet wird. Für die Christen war es anders: Damit wird gesagt – all das, was Jesus gesagt hat, stimmt. Also auch, dass er der Sohn Gottes ist. Und es stimmt, dass damit der Tod nicht mehr das letzte Wort hat.
2) „Lasst euch nicht irreführen“
Dieses Wort ist wohl eines der wichtigsten im heutigen Evangelium: Die Mahnung, auf die rechten Zeichen zu achten. Die Mahnung, nicht falschen Propheten nachzulaufen.
So leicht geschieht dies heute: Wie der Rattenfänger von Hameln spielen heute so manche Personen die Flöte des Populismus. Sie sagen das, was die Leute hören wollen. Sie machen sich anscheinend zum Sprachrohr für die sogenannten „Wutbürger“.
Und auch die neuen Medien sind voll von falschen Botschaften.
Woran aber erkennt man die richtigen Propheten? Das hat Jesus seinen Jüngern mehrfach gesagt: Das Reich Gottes bricht dort an, wo Blinde sehen, Lahme gehen. Dort, wo anderen geholfen wird.
Und die richtigen Propheten sind jene, die selbst am meisten erleiden; die bereit sind, sich wirklich mit den anderen zu solidarisieren. Die nicht nur große Worte machen, sondern sich auf Augenhöhe mit den Leidenden begeben.
Die wahren Propheten sehe ich heute vor allem in den Menschen, die Flüchtlingsarbeit machen; die Pflegerinnen und Pfleger sind; die in der Caritas oder im Hospiz ehrenamtlich mitarbeiten.
Heute müsste man sagen: Lasst euch nicht irreführen von Demagogen und Populisten. Schaut nicht nur auf Worte, sondern auf ihre Taten. Eine helfende Hand ist immer richtig; ein Mensch, der sich um andere kümmert; der Kranke pflegt, der Einsame besucht – der ist für mich einer der wahren Propheten.
3) Die Hoffnung
Der Schluss des Evangeliums verheißt:
„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“ Darum geht es hier: Bei allem, was es vielleicht an Bedrängnissen gibt – das Ziel ist das Leben. Bei aller Krankheit, bei allem Leiden – es geht ums Leben. Und im Johannesevangelium heißt es dann: Dieses Leben ist ein Leben in Fülle.
Und damit schließt das Evangelium an die prophetischen Verheißungen an.
Der Prophet Maleachi spricht von der „Sonne der Gerechtigkeit“: „Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung.“
Das meint die grundsätzliche Hoffnung auf Gerechtigkeit in Zeiten der Unterdrückung. Christlich gedeutet ist es aber Jesus selbst, der diese Sonne der Gerechtigkeit ist.
Wir stehen am Schluss des Kirchenjahres – nächste Woche ist Christkönig und dann Advent. In der dunkelsten Zeit des Jahres wollen uns diese Texte aufmerksam machen: Lasst euch nicht ängstigen! Achtet darauf, dass ihr nicht jenen falschen Propheten auf den Leim geht, die mit großen Worten auf ihr eigenes Heil schauen.
Vor allem aber: Glaubt an diesen Jesus, der die Sonne der Gerechtigkeit ist. Gestaltet euer Leben nach seinem Beispiel – und ihr werdet das Leben gewinnen; „Die Flügel Gottes bringen Heilung.“
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/11/Zerstoerung-der-Welt.jpg9001600Johann Pockhttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngJohann Pock2025-11-18 12:23:452026-01-19 08:36:53Untergangsszenarien und Hoffnung? – Predigt
„Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg. Führ uns zur Krippe hin …“ heißt es in einem bekannten Weihnachtslied. Im Advent machen wir uns auf den Weg hin auf Weihnachten. Wir gehen auf Weihnachten zu, auf die Krippe, in der uns das neu geborene Gotteskind erwartet.
Auf diesem Weg gibt es Wegweiser, die uns in die Irre führen und Sterne, die uns den Weg zur Krippe weisen. Wir dürfen achtsam sein, was uns in diesen Wochen der Vorbereitung näher zum göttlichen Grund, zum göttlichen Kind hin- und was und von ihm wegführt. Ich habe ein paar Irrlichter und Sterne für Euch gesammelt.
Nicht bei der Krippe ankommen werden wir, wenn wir diesen Irrlichtern folgen:
⚡ Du sollst im Advent mehr konsumieren und trotzdem zu Weihnachten noch schlanker, schöner und perfekt gestylt unterm Baum stehen.
⚡ Du sollst mehr Aktivitäten einplanen, denn im Advent gibt es so viele Angebote, die man nur jetzt erleben kann und sonst versäumen würde.
⚡ Du sollst mehr in den Sozialen Medien unterwegs sein, um zu sehen, wie andere ihren Advent und die Weihnachtsvorbereitungen gestalten und dich mit ihnen zu vergleichen.
⚡ Du sollst mehr Punsch und Glühwein trinken, das wärmt und bringt dich in die ersehnte Weihnachtsstimmung.
⚡ Du sollst mehr Geschenke kaufen, damit die Menschen um dich herum auch sicher wissen, dass du sie gern hast.
⚡ Du sollst Konflikte unterdrücken und keinesfalls Streit zulassen, wenn dich etwas stört, damit der Weihnachtsfriede einkehrt, der den Rest des Jahres nicht möglich war.
Welcher Stern führt mich zur Krippe, zum göttlichen Kind, zur bedingungslosen Liebe? Was brauche ich im Advent, um bei Jesus anzukommen? Vielleicht sind das hilfreiche Sterne für Dich:
⭐ Gute Gespräche: Mit wem und worüber würde ich mich gerne austauschen, um Weihnachten auf die Spur zu kommen?
⭐ Gute Bücher/Lesen in der Bibel, den liturgischen Texten des Advents
⭐ Zeit zum Nachdenken/Beten/Meditieren: Für wen kann ich im Advent ein Stern sein – ein Wegweiser hin zur Krippe, zu Jesus?
⭐ Zeit für Gemeinschaft: Singen beim Adventkranz/im Chor/gemeinsame Gottesdienste, z.B. Roratemessen
⭐ Verzicht auf unnützen Ballast (siehe die Irrlichter)
⭐ Medienfreie Zeit einplanen
⭐ In die Natur gehen; auch in der Kargheit dieser Jahreszeit Schönes erkennen.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/11/Sternenhimmel.jpg9001600Petra Wasserbauerhttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngPetra Wasserbauer2025-11-18 00:01:402025-11-18 21:14:10Der Stern als Wegweiser zur Krippe
Jedes Unternehmen hat ein Leitbild. Die Seligpreisungen könnten ein Leitbild für uns Christen sein. In ihnen wird die meist geltende Ordnung auf den Kopf gestellt. Was die Brille der Seligpreisungen für uns bedeutet, legte Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am Fest Allerheiligen dar.
Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, muss heutzutage ein mission statement aufweisen. Das mission statement ist ein Leitbild. Es erklärt kurz und prägnant den Zweck, die Ziele und die Grundsätze eines Unternehmens. Dort können alle nachlesen, welche Grundsätze die Planungen und Handlungen leiten – zur Orientierung für Mitarbeiter nach innen, zur Transparenz nach außen.
Viele Firmen oder NGOs wie das Rote Kreuz haben ein mission statement. Auch die Erzdiözese Wien hat ein Leitbild. Derzeit wird es überarbeitet. Es wird dann mission statement heißen. Ich habe dazu einen inhaltlichen Vorschlag: die Seligpreisungen der Bergpredigt. Sie sollten ganz am Anfang des Neuentwurfs stehen. Die Seligpreisungen sind der Kern der Verkündigung Jesu. Die Seligpreisungen sind so etwas wie das Evangelium im Evangelium.
Die Seligpreisungen drehen die Ordnung um. Das, was in den Augen vieler ganz unten ist, kommt hinauf; das, was nichts gilt, erhält ewige Anerkennung: Selig die Armen, selig die Barmherzigen. Die, die in den Augen der Welt blöd sind, weil sie nicht drein hauen, sondern sanftmütig sind – sie haben erkannt, worauf es ankommt. Diejenigen, die nicht auf Berechnung setzen und ohne Hintergedanken sind, die also ein reines Herz haben, sie werden Gott schauen.
Wir merken: Durch die Brille der Seligpreisungen der Welt und den Menschen zu begegnen, ist ein statement. Das ist mehr als ein Leitbild, das ist ein gänzlich anderes Weltbild. Das erfordert eine Entscheidung. Wir feiern heute die vielen, die sich vom Geist der Seligpreisungen leiten ließen. Der Geist Jesu stärke und ermutige uns zu, jeden Tag.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/11/Kompass-in-der-Hand.jpg10711600Dr. Christoph Benkehttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngDr. Christoph Benke2025-11-03 22:59:392026-01-19 08:29:59mission statement – Predigt
Der Gründer der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell of Gilwell, schrieb einen letzten Brief an seine Scouts. Man könnte zu Allerheiligen sagen: Willst Du heilig werden, dann beherzige, was in diesem Brief steht. Diesen möchte ich Ihnen als geistlichen Impuls dieser Feiertage ans Herz legen. Der Brief ist zugleich eine gute Vorbereitung auf Allerseelen: nämlich die innere Vorbereitung auf das eigene Sterben.
Liebe Pfadfinder!
In dem Theaterstück „Peter Pan“, das Ihr vielleicht kennt, ist der Piratenhäuptling stets dabei, seine Totenrede abzufassen, aus Furcht, er könne, wenn seine Todesstunde käme, dazu keine Zeit mehr finden. Mir geht es ganz ähnlich. Ich liege zwar noch nicht im Sterben, aber der Tag ist nicht mehr fern. Darum möchte ich noch ein Abschiedswort an Euch richten. Denkt daran, dass es meine letzte Botschaft an Euch ist, und beherzt sie wohl.
Mein Leben war glücklich, und ich möchte nur wünschen, dass jeder von Euch ebenso glücklich lebt.
Ich glaube, Gott hat uns in diese Welt gestellt, um darin glücklich zu sein und uns des Lebens zu freuen. Das Glück ist nicht die Folge von Reichtum oder Erfolg im Beruf und noch weniger von Nachsicht gegen sich selbst. Ein wichtiger Schritt zum Glück besteht darin, dass Ihr Euch nützlich erweist und des Lebens froh werdet, wenn Ihr einmal Männer sein werdet.
Das Studium der Natur wird Euch all die Schönheiten und Wunder zeigen, mit denen Gott die Welt ausgestattet hat. Euch zur Freude. Seid zufrieden mit dem, was Euch gegeben ist, und macht davon den bestmöglichen Gebrauch. Trachtet danach, jeder Sache eine gute Seite abzugewinnen.
Das eigentliche Glück aber findet Ihr darin, dass Ihr andere glücklich macht. Versucht, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als Ihr sie vorgefunden habt.
Wenn dann Euer Leben zu Ende geht, mögt Ihr ruhig sterben im Bewusstsein, Eure Zeit nicht vergeudet, sondern immer Euer Bestes getan zu haben.
Seid in diesem Sinn „allzeit bereit“, um glücklich zu leben und glücklich zu sterben. Haltet Euch immer an das Pfadfinderversprechen, auch dann, wenn Ihr keine Knaben mehr seid.
Euer Freund Baden-Powell of Gilwell
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/10/Pfadfinderknoten.jpg9001600Pfarrer Martin Rupprechthttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngPfarrer Martin Rupprecht2025-10-25 00:01:032026-01-01 17:11:48Ein hilfreicher Gedanke zu Allerheiligen und Allerseelen: der letzte Brief des Pfadfindergründers
Mit den Fragen, wie das mit dem Beten so ist, wie wir einander dabei stützen können und woran wir erkennen, dass es auch in Zukunft noch Glauben geben wird, beschäftigte sich Univ. Prof. Dr. Johann Pock in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 29. Sonntag im Jahreskreis (19.10.2025).
In dieser Feier gibt uns die Heilige Schrift einige Ratschläge für das Leben und das Gelingen eines christlichen Lebens – und vor allem zur Weitergabe des Glaubens.
1) Da ist zunächst die zweite Lesung: Ein Brief, den der Apostel Paulus an seinen Schüler Timotheus geschickt hat.
„Du weißt, von wem du es gelernt hast; du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften“: Paulus nennt die Bedeutung, den Glauben möglichst früh weiterzugeben, von Kindheit an. Dabei geht es aber nicht primär darum, selber möglichst fromm zu sein oder in den Himmel zu kommen.
Sondern es heißt weiter: Die Schrift ist nützlich zur Belehrung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit … „damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk.“
Gläubig sein heißt hier: zum guten Werk gerüstet sein. Den Glauben erhalten wir also nicht nur für uns selbst, sondern füreinander. Und Glauben ist nicht das Fürwahrhalten von Wahrheiten – sondern das Tätigwerden im Guten.
2) Die Witwe im Evangelium bietet einen zweiten Zugang zum Glauben.
„Mein Gott, ist die lästig! So was von unverschämt!“ So könnte der Richter im Evangelium gedacht haben. Die Witwe gibt keine Ruhe und lässt sich nicht abwimmeln.
Dieses Gleichnis von dem ungerechten Richter und der nervigen Witwe ist ein eigenartiges Gleichnis. Die Einleitung zu dieser Geschichte lautet ja: Jesus erzählt ein Gleichnis, um zu sagen, dass die Leute allezeit beten sollen.
Damit ist zumindest das Ziel klar: Es geht darum, nicht nachzugeben beim Gebet, auch wenn es ausweglos erscheint. Dass Jesus im Gleichnis gewissermaßen Gott mit dem ungerechten, grantigen Richter vergleicht – das können wir wohl seinem Humor zuschreiben.
Unser Beten in Gottes Ohr
Wenn wir uns näher auf das Evangelium einlassen, können wir vielleicht fragen: Wie mag es wohl Gott damit ergehen, wenn er Tag und Nacht die Notschreie unzähliger Menschen hört? Laut Jesus sind sie ihm nicht gleichgültig. Ist er ohnmächtig? Müsste es ihm nicht ein Leichtes sein, Gerechtigkeit zu schaffen?
Was Gott vom Richter im Gleichnis unterscheidet: Er liebt die Menschen und möchte, dass es ihnen gut geht.
Was kann da unser Beten dazu beitragen, dass die Welt besser wird? E
Mit dem Gebet können wir Not, Hilfeschreie, Wünsche und Anliegen ins eigene Bewusstsein und in das anderer Menschen bringen. Dass Gott erst durch unser Beten auf die Notlagen aufmerksam würde, ist wohl zu naiv gedacht – er weiß schon, was wir nötig haben. D.h. nicht Gott hat das Gebet notwendig – sondern wir selbst!
Wir solidarisieren uns mit anderen, wenn wir den Schrei nach Recht und Gerechtigkeit der Menschen vor Gott bringen.
Aber hilft Beten überhaupt? Ist das nicht eine naive und überholte Haltung?
Ich bin fest überzeugt, dass Beten hilft. Jedoch wirkt es nicht wie ein Brief an das Christkind. Zumeist ist wenig bewusst, dass es viele Formen des Betens gibt. Auf unterschiedlichen Wegen kann zur Sprache gebracht werden, was nottut: Rosenkranz, Anbetung, Morgen- und Abendgebete.
Oder auch das Pilgern; das Wallfahren – wo man auf dem Weg nicht nur mit den Blasen an den Füßen beschäftigt ist, sondern wohl auch Zeit hat, über den eigenen Glauben nachzudenken.
Allezeit beten und darin nicht nachlassen
An wen ist der leidenschaftliche Apell Jesu „allezeit zu beten und darin nicht nachzulassen“, denn eigentlich gerichtet? Zunächst an die Jünger. Vermutlich erlagen diese ähnlich wie viele Menschen der Versuchung, sich als schweigende Mehrheit zurückzuziehen, zu resignieren und ohnmächtig abzuwarten. Was kann meine Stimme schon ausrichten?
Schweigende Mehrheiten werden gerne von Menschen, die deren Stimmlosigkeit ausnützen, missbraucht. Es ist not-wendig, dass wir unsere Stimme erheben und kundtun, was unserer Meinung nach Not wenden kann.
Es ist notwendig, auch aufzustehen gegen Ungerechtigkeit: Sei es Ungerechtigkeit gegen Menschengruppen, gegen Minderheiten; oder auch Ungerechtigkeit gegen die Schöpfung.
Von Mose wird erzählt, dass er müde wurde und nicht mehr die Kraft hatte, die Hände im Gebet erhoben zu halten. 2 Männer stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links – und damit konnten sie gegen die Feinde bestehen.
Ob nicht auch unsere Caritasleute und die vielen anderen, die sich für die Rechte der Schwachen einsetzen, mehr Unterstützung bräuchten; nicht nur mit Geld, sondern auch durch gutes Reden?
3.) Das Evangelium schließt mit einem nachdenklichen Wort: Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, noch Glauben auf der Erde finden?
Damit ist eine Brücke zur Lesung geschlagen: Glaube entsteht nicht automatisch. Er entwickelt sich. Er braucht auch Übung – mit regelmäßigem Beten; mit regelmäßigem Gottesdienst …
Ist das nicht auch die Frage so mancher Eltern und Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln? Sie erziehen sie im Glauben; sie versuchen, etwas mitzugeben – aber wird es in 10, 20, 50 … Jahren noch Glauben geben?
Und ich muss sagen: Ich bin da optimistisch! Es geht ja nicht um das Glaubenswissen, um das Aufsagen können von Geboten – sondern um den Glauben, der sich in den guten Werken ausdrückt.
„Bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast.“ – Dieser Rat von Paulus ist für mich sehr eindrücklich:
Zum einen: Mich immer wieder daran zu erinnern, woher mein Glaube kommt; wie er gewachsen ist.
Aber auch: Wovon habe ich mich in meinem Leben selbst überzeugt? Welcher Teil des Glaubens ist von einem kindlichen Glauben zu einem erwachsenen Glauben geworden? Er darf sich also auch verändern.
Und dann das Wort: „Du weißt, von wem du es erlernt hast“. Also die Wertschätzung gegenüber jenen, die uns eingeführt haben in den Glauben; die Wertschätzung gegenüber den „Ältesten“, wie sie in der Bibel heißen.
Wenn wir mit unserem Gebet und unseren guten Werken nur ein wenig dazu beigetragen haben, dass nächste Generationen gute Menschen geworden sind, dann habe ich keine Sorge, ob Jesus dereinst noch Glauben auf der Erde finden wird.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/10/betende-Frau-1.jpg10671600Johann Pockhttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngJohann Pock2025-10-20 09:35:262026-01-19 08:25:07Glauben lernen – hartnäckig bleiben und tätig werden – Predigt
Zum Fest der Kreuzerhöhung (14.09.2025) predigte Univ. Prof. Dr. Johann Pock in Schönbrunn-Vorpark über die manchmal missbräuchliche Verwendung des Kreuzes, vorrangig aber über das, was es für einen Gläubigen bedeutet, zum Kreuz aufzuschauen.
Erhobenes Kreuz als symbolische Aktion
Ein erhobenes Kreuz in der Hand: Das zieht sofort den Blick auf sich. Was will ich damit? Will ich Gutes oder Schlechtes? Will ich was zeigen – oder will ich von den Menschen etwas, die darauf schauen?
– Die Hand mit dem Kreuz – sie findet sich auf ganz vielen Kanzeln in Österreich und Deutschland. Hier war sie ein Zeichen des wahren Glaubens im Kampf zwischen Katholiken und Protestanten. Es war ein Zeichen der Glaubensmacht, mit der nicht nur Gutes angerichtet worden ist.
– Die Hand mit dem Kreuz findet sich auch auf vielen Darstellungen der Mission in früherer Zeit.
– Aber das Kreuz wird positiv heute noch zu vielen Gelegenheiten erhöht; so heißt es nicht zuletzt am Grab: Das Kreuz Jesu Christi sei aufgerichtet über deinem Grab. Das Kreuz wird vorangetragen bei Prozessionen.
Das Kreuz ist somit für uns heute ein Zeichen der Rettung; ein Zeichen, dass da einer ist, der stärker ist als der Tod.
Rettung durch das Aufschauen bei Mose
Die Lesung aus dem Alten Testament erzählt etwas Ähnliches: Menschen sterben wegen einer Schlangenplage – da richtet Mose eine eiserne Schlange an einem Stab auf – und wer darauf blickt, der wird gerettet. Aber nicht der Stab oder die eiserne Schlange rettet, sondern Gott ist es, an den sie dabei denken sollen.
So ist es auch hier bei uns: Das Kreuz ist ein Zeichen, das uns auf Jesus verweist, auf sein Leiden und Sterben; auf sein Mitleiden mit uns. Dabei fallen mir einige wichtige Aspekte auf:
Aufschauen verändert Blick und Haltung
Da ist zunächst das Aufschauen:
Aufschauen bedeutet: Ich hebe meinen Kopf auf; ich versinke nicht in mich selbst.
den Blick von mir und meinem Leid wegwenden
Hilfe von außen, von oben erhoffen und annehmen können
zugeben, dass ich nicht alles selbst leisten oder schaffen kann
Aufschauen – das ist der Schritt weg vom Niedergeschlagen-Sein. Heute sprechen wir von der „De-Pression“: niedergedrückt, bedrückt zu sein vom Leben, von Leid, von Sorgen.
Aufschauen ist ein Schritt hinaus aus der Niedergeschlagenheit.
Wie schön ist da z.B. der Psalm 121: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen … Von wem kommt mir Hilfe? Die Hilfe kommt von meinem Herren …“
Auf das Kreuz schauen
Und an diesem Fest schauen wir auf zum Kreuz:
Das Kreuz anzusehen bedeutet: Ich erwarte Hilfe: von einem, der selber gelitten hat; nicht von einem Star, nicht von einem unberührbaren Gott, dem ich egal bin.
Kreuz sagt nicht sofortige Hilfe zu, sondern: Da ist einer, der mitleidet; einer der weiß, was Freude und Menschsein heißt – aber auch, was Leiden und Schmerzen haben bedeutet.
Dieser Jesus nimmt mir mein Kreuz nicht ab – aber er trägt an meinem Kreuz mit. Ich bin mit meinem Kreuz, mit meinem Leid nicht allein.
Der Blick aufs Kreuz verbindet mich mit den vielen Kreuzen, die es seit der Zeit Jesu gegeben hat und auch heute noch gibt: Leid und Sorgen der Menschen – die dieser Jesus alle in seinem Leid am Kreuz mitgetragen hat.
Und schließlich dürfen wir als Christen nicht vergessen: Das Kreuz ist nicht der Endpunkt. Es hatte in der frühen Christenheit eigentlich noch kaum eine Bedeutung – denn das Wichtige war die Auferstehung. Die wichtigste Botschaft lautete: Er, der tot war, lebt – und wir mit ihm.
Es ging den ersten Christen vor allem um diese neue Gemeinschaft mit diesem Jesus; um den neuen Weg eines Lebens der Liebe zu den Nächsten und zu Gott.
Erst etwas später hat man dann auch das Kreuz als Heilszeichen entdeckt: Weil es eben die Auferstehung nicht ohne den Tod gibt; weil zum menschlichen Leben dieses Hindurchgehen durch Leid und Tod dazugehört.
Kreuzerhöhung – ein Fest für heute?
Und schließlich finde ich dieses Fest als ein spannendes Fest in der heutigen Zeit: Das Fest Kreuzerhöhung stellt das Scheitern in den Mittelpunkt; die Schmach eines Verurteilten und Ausgestoßenen.
Was ist das für ein Zeichen, dass wir einen am Kreuz Verurteilten als unseren Gott verehren – und gleichzeitig in einer Zeit leben, wo Menschen abgeschoben werden; wo nur zählt, was perfekt ist …
Das Kreuz ist zuallererst ein Zeichen des Scheiterns; ein Zeichen der Niederlage aller allzu menschlichen Machtphantasien. Wir dürfen dieses Kreuz nicht vorschnell verharmlosen – es ist und bleibt ein Skandalon, ein Ärgernis; es bleibt das letzte Wort Jesu am Kreuz: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen.“
Erst durch die Auferstehung wird es zum Zeichen, dass es eine höhere Macht gibt als die menschliche; dass der Tod nicht das letzte Wort hat
Schluss
Aufschauen zum Kreuz – das befreit aus Niedergeschlagenheit.
Aufschauen zum Kreuz – das kann befreien von Hoffnungslosigkeit.
Dies geschieht nicht automatisch wie durch Magie oder Zauber; sondern es gehört auch der Glaube an Gott dazu: der Glaube, dass er mich heilen will; dass er mich erlöst hat.
Ohne diesen Glauben ist das Kreuz nur ein Zeichen eines grausamen Todes – oder ein schönes Schmuckstück an der Wand.
Mit diesem Glauben aber wird es zum Zeichen des Lebens, das stärker ist als der Tod.
https://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2025/09/Kreuz.jpg10671600Johann Pockhttps://www.pfarreburjan.at/wp-content/uploads/2022/12/logo-medium.pngJohann Pock2025-09-16 09:20:352025-11-05 12:29:28Aufschauen zum Kreuz – Predigt