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Starke Ansage

Immer wieder werden in verschiedenen Zusammenhängen starke Ansagen gemacht. Auch Jesus hat gleich bei seinem ersten Auftreten eine starke Ansage gemacht. Das war der Ausgangspunkt der Gedanken von Dr. Christoph Benke in seiner Predigt am 1. Fastensonntag (18.02.2024) in der Gemeinde in Schönbrunn-Vorpark.Dr. Christoph Benke


Lohnverhandlungen finden meist im Herbst statt. Sie laufen nach einem Muster ab. Am Beginn steht eine starke Ansage, etwa „Metaller fordern 10 Prozent“. Ebenso ist der Wahlkampf eine Zeit der starken Ansagen. Die starke Ansage braucht Öffentlichkeit. Jemand stellt sich vor die Kameras, vor die Mikrofone und macht ein Versprechen, setzt eine Behauptung. Offen ist zunächst, ob das nur taktisches Manöver, eine vollmundige, aber hohle Behauptung ist oder ob Substanz dahintersteckt.

Starke Ansage – so könnte man auch das erste öffentliche Auftreten Jesu nennen: Jesus ging nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium! Da stellt sich einer hin und sagt: ‚Jetzt ist der entscheidende Moment! Gott steht vor der Tür. Er will euch herausführen aus der Misere. Bitte, glaubt an ihn – und glaubt an mich.‘ Woher hat er das? Die hohle Behauptung eines Irrsinnigen – oder Evangelium, also frohe, letztgültige Botschaft?

Etwas spricht dafür, dass an Jesus und seiner Botschaft etwas dran sein muss: Jesus war zuvor 1. in der Wüste, und 2., dort wurde er versucht. Das war eine Art ‚Nagelprobe‘, eine gründliche Erprobung, 40 Jahre. Jesus ist durch Lebenserfahrung ausgewiesen: Taufe, Versuchung und Erprobung, dann die Ansage.

Wenn wir Jesus nachfolgen, wird es uns nicht anders gehen. Wir sind mit Versuchungen konfrontiert: Situationen, die wir uns nicht ausgesucht haben, die uns das Leben zumutet, die uns an die Grenze bringen. Sie versetzen uns in eine Art „Wüste“.

In der Wüste zählt das Elementare. Das Unwichtige fällt weg. Sich immer wieder Durchringen zum Vertrauen, zum Glauben, dass Gott uns nichts zumutet, was über unsere Kräfte geht – darauf kommt es dann an. Möge es uns dann die Erfahrung gegeben sein, dass uns Engel dienen (Mk 1,13) und wir getragen sind. Das würde uns zur starken Ansage ermächtigen: ‚Gott ist treu‘.

Wärmestube in Schönbrunn-Vorpark, 18.02.2024

Dank der Gastfreundschaft unserer Gemeinde in Form von Kaffee zubereiten, Suppe kochen, Kuchen backen, Essensausgabe, Geschirr reinigen und nicht zuletzt durch zum Teil langes und geduldiges Zuhören bei manchem Besucher/bei mancher Besucherin konnte die Wärmestube am 18. 2. 2024 wieder zur allgemeinen Zufriedenheit über die Bühne gehen. Die Fotos sollen dazu einen Eindruck geben.

Für die letzte Wärmestube in dieser Wintersaison, am Sonntag, 10. März 2024, ersuchen wir wieder um Süßigkeiten, vor allem in kleineren Einheiten sowie um Obst, wenn möglich am oder knapp vor dem 10. März. Für den Sonntag-Nachmittag wäre auch der eine oder andere Mitarbeiter bzw. Mitarbeiterin eine Entlastung für das dann schon etwas müde gewordene Stammteam vom Vormittag.

Georg Fuchs

Stimmungsvolle Aschenkreuzfeier für Kinder und Jugendliche, 14.02.2024

Am Aschermittwoch gab es in unserer Gemeinde gleich 2 Aschenkreuzfeiern speziell für Kinder: Am Vormittag war ich im Kindergarten, um den Kindern die Asche aufzulegen und mit ihnen über die Bedeutung der Fastenzeit als Vorbereitung auf Ostern zu sprechen.

Am Nachmittag haben wir im Hof der Kirche die Palmkätzchen vom Vorjahr verbrannt. Das war für die Kinder besonders spannend, als ein großes Feuer im Pfarrhof loderte. Durch das Verbrennen durften wir sehen, dass Altes vergeht und Neues entsteht. Da Asche ein Dünger ist, haben wir sie unter Erde gemischt und Weizenkörner angebaut. Dabei dachten wir an Menschen, denen es gerade nicht gut geht und die sich vielleicht wie ein Weizenkorn in der dunklen Erde fühlen. Hoffentlich können sie wie der Weizen das Dunkel durchbrechen und mit Gottes Hilfe einen Neubeginn erfahren. Im Bewusstsein, dass Asche nicht nur Pflanzen wachsen lässt, sondern auch für uns Menschen ein wichtiges Zeichen ist, haben wir das Aschenkreuz empfangen mit der Aufforderung „Lass Gutes in dir wachsen!“.

Mit Gottes Hilfe wird diese Fastenzeit für uns alle fruchtbar werden und wir können dann ein fröhliches Osterfest feiern! 

Fastentuch – Der Regenbogen hat seine Farbe verloren

In unserer Kirche hängen schon seit vielen Jahren Fastentücher, die der Schwechater Künstler Max Rauch gestaltet hat. Dieses Jahr eines aus dem Jahr 2003.

Der Regenbogen hat seine Farbe verloren …

Der Bogen ist Zeichen des Bundes (Gen 9,12-17) – eines immerwährenden Bundes der Liebe Gottes. Doch die Realität zeigt: Er scheint, seine kräftigen Farben verloren zu haben.

Der Bund scheint durch die rollenden Panzer, die Kette fesselnder Ungerechtigkeit, durch den gellenden Schrei der unter die Räder Gekommenen zerrissen. Das Friedenslicht von Bethlehem ist längst erloschen. Gott hat seinen Bund nicht gelöst, aber er scheint angesichts von Krieg, Tod und Leid so kraftlos…

Ich soll auch mitschuldig sein an dem ganzen Dilemma?

Gut, so einiges kann ich mir vorstellen, in kleinen Schritten zu ändern, aber wie soll ich einen Krieg verhindern, der schleichenden Zerstörung unserer Umwelt Einhalt gebieten, wie soll ich dem Regenbogen die Farbe wiedergeben? So Vieles scheint unrettbar gefangen in zerstörerische Strukturen.

Und trotz allem: Der Bogen des unwiderruflichen Bundes Gottes bleibt da. Doch wie ist der Halt des Kreuzes Christi erfahrbar, von dem Friedenstauben und das Licht des Lebens ausgehen?

Versuche nachzudenken über die Bewahrung der Schöpfung, über Strukturen der Kirche, über den frieden, über das sterbende Weizenkorn, denn im Kleinen kannst Du vielleicht Großes bewirken. Und in Ostern dürfen wir dann feiern, dass ER in diese zerstörerische Realität ganz einsteigt, selbst am Kreuz  zerstört wird, aber gerade darin das erlösende Leben Gottes, die Auferstehung das letzte Wort haben…

In diesem Sinn: Eine farbenfrohe Fastenzeit.

 

Abgesondert

Dr. Christoph BenkeIn der Corona-Pandemie waren viele von uns auf Zeit abgesondert; im Buch Leviticus hören wir, dass Aussätzige abgesondert wurden. Jesus ist damit anders umgegangen. Das zeigte Dr. Christoph Benke in seiner Predigt am 6. Sonntag im Jahreskreis (11.02.2024) in der Gemeinde in Schönbrunn-Vorpark auf. Was heißt das für uns?


Die Corona-Pandemie steckt allen noch in den Knochen. Erhielten auch Sie einmal einen „Absonderungsbescheid“? Mussten auch Sie, von der Gesundheitsbehörde beauftragt, in Quarantäne gehen? Absonderung meinte, sich fernzuhalten, um Mitmenschen nicht zu gefährden – eine vorbeugende Maßnahme, Selbst- und Fremdschutz.

Dahin geht auch die Vorgabe im Buch Leviticus. Dem Aussätzigen wird befohlen: Er soll abgesondert wohnen, außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten (Lev 13,46). Im Alten Bund hatte der Aussatz zur Folge, dass Betroffene nicht am Gottesdienst teilnehmen durften. Sie waren also von jeglicher Gemeinschaft ausgeschlossen. Das tat wohl mindestens so weh, wie die Krankheit.

Der Abgrenzung nahe ist die Ausgrenzung. Wer ausgrenzt, will nicht, dass die anderen zu seiner Gruppe dazugehören, vielleicht, weil sie anders sind als man selbst. Oder man fühlt sich dann in der Gruppe besonders stark – und vergisst, wie schnell sich das Blatt wenden kann: Im Nu stehst Du auf der anderen, dann falschen Seite und wirst selbst ausgegrenzt oder fühlst Dich so.

Das Evangelium bietet einen Kontrast, nämlich Berührung: Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will – werde rein! (Mk 1,41) Jesus entfernt sich nicht, sondern nähert sich an. Nicht im medizinischen, sondern im übertragenen Sinn gemeint: Das Heilmittel gegen Ausgrenzung ist Berührung, also Begegnung. Sie weitet die Wahrnehmung und öffnet das Herz.

Anders gesagt: Andere aus nichtigen Gründen auszugrenzen, macht unrein vor Gott, der Gemeinschaft mit Gott unwürdig. Wer sich dagegen von Jesus und seinem Wort berühren lässt, findet Sicherheit und Stand – und hat es dann weniger notwendig, jemanden wie einen Aussätzigen zu behandeln.

Überfordert – und dann?

Dr. Christoph BenkeWenn man engagiert ist, sieht man immer mehr, was noch zu tun wäre. Wie hat Ijob darauf reagiert und wie Jesus? Was können wir daraus lernen? Damit setzte sich Dr. Christoph Benke in seiner Predigt am 5. Sonntag im Jahreskreis (04.02.2024) in der Gemeinde in Schönbrunn-Vorpark auseinander.


Nehmen wir den Idealfall: Jemand geht mit Interesse an eine Aufgabe heran. Die Person taucht engagiert in ein Arbeitsgebiet ein, bringt sich ein. Sie hat die seltene Fähigkeit, den Überblick zu bewahren. Ihre Umsicht wächst. Sie sieht immer mehr, was noch zu tun wäre, was unerledigt ist. ‚Da fehlt’s und da fehlt’s noch mehr‘ etc. – mit Auswirkung auf das Lebensgefühl.

Ähnlich geht es vielen, die sich für Mitmenschen, für die Minderung von Leid einsetzen: Sie sehen all das Leid und fühlen sich überfordert. Oft bleiben sie unbedankt und kommen sich vor wie ein Tagelöhner, der auf seinen Lohn wartet (Ijob 1,2). Die Klage Ijobs hat andere Ursache, passt aber auch hier: Monde voll Enttäuschung, Nächte voller Mühsal (V 3), so fasst er zusammen. Irgendwann ist man völlig vereinnahmt und dann erschöpft.

Hier wäre der Blick auf Jesus wichtig. Er steht vor einer ähnlichen Situation: Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus (Mk 1,32). Jesus heilt – viele, aber nicht alle. Er zieht sich zurück zum Gebet. Auch dort sucht man ihn. Und Jesus antwortet: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort verkünde; denn dazu bin ich gekommen (V 38). Jesus setzt Zeichen für das Reich Gottes. Er erfüllt nicht alle Erwartungen. Damit erinnert er uns: Gott ist letztverantwortlich, nicht der Mensch. Wer sich für alles und das Ganze verantwortlich weiß, überschätzt sich. Das hat etwas mit Hochmut zu tun.

Unser Tagesgebet bleibt am Boden: Gott, unser Vater, wir sind dein Eigentum und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade. Stimmen wir in dieses Gebet ein. Das wäre realistisch und gläubig zugleich.

Geburtstagsmesse, 28. Jänner 2024

Am letzten Sonntag eines Monats werden die „Geburtstagskinder“ eingeladen, eine Kerze zu entzünden. Die Kerzen brennen dann während des Gottesdienstes in einer Schale vor dem Altar. Am Ende, der Hl. Messe wird ein persönlicher Einzelsegen gespendet.

Nachfolgen

Diakon Arthur bei der VorstellungAm 3. Sonntag im Jahreskreis hat Diakon Arthur Schwaiger den Aufruf Jesu zur Nachfolge am Beginn des Markusevangeliums ins Zentrum seiner Überlegungen in der Predigt in der Gemeinde Schönbrunn-Vorpark gestellt.


Um 70 n. Chr. – zur Zeit der beginnenden Christenverfolgung – wird das älteste Evangelium geschrieben, das uns in diesem Kirchenjahr begleiten wird. Der Verfasser, Markus, kommt gleich im ersten Kapitel zur Sache: Nach der Festnahme des Täufers legt er Jesus die Worte in den Mund, dass die Zeit erfüllt ist, dass Gottes Reich nahe ist, und das muss Umkehr als Konsequenz haben. Dann folgt gleich die Berufung der ersten Jünger. Dem Verfasser muss 40 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung erzählt worden sein, welche Faszination von diesem Jesus ausgegangen ist, dass Menschen Unsicherheit und Hauslosigkeit den Sicherheiten vorziehen. „Kommt her, mir nach!“

Was bedeutet dieser Ruf in die Nachfolge für uns als Gemeinde? Anhand von zwei Beispielen sei dies verdeutlicht.

  1. Immer wieder nach dem Austeilen der Kommunion darf ich die Krankenkommunion herrichten. Alle, die den Kranken in unserer Gemeinde die Kommunion bringen, mit ihnen beten und sie segnen, setzen Jesu Wort von der Nachfolge Jesu in die Praxis um, denn am Umgang mit Kranken und Leidenden entscheidet sich die Existenz einer christlichen Gemeinde.
  2. Heute, am Sonntag des Wortes Gottes, werden neue Minis aufgenommen. Euch, wie auch den Altgedienten, sei Dank gesagt, dass ihr Jesus nachgeht durch eure verschiedenen Dienste am Altar!

„Kommt her, mir nach!“

Arthur Schwaiger

Hl. Messe mit Aufnahme der neuen Ministrant*innen, 21.01.2024

In einem liebevoll vorbereiteten Familiengottesdienst wurden 6 neue Ministrantinnen und Ministranten aufgenommen. Petra begrüßte die Minis, die seit ihrer Erstkommunion im vergangenen Frühjahr immer wieder Dienst am Altar machten, jetzt offiziell als neue Mitglieder unserer Minis-Gruppe.

Das Evangelium von der Berufung der ersten Jünger Jesu wurde als „Bilderbuch-Kino“ für die Kinder vorgelesen und danach auch als Lesung aus dem Evangeliar.
Flora, Mara, Joel, Ilja, Raphael und Theo bekamen danach ihr Ministranten-Kreuz und durften ihren Fingerabdruck auf dem Plakat „Hier bin ich“ platzieren. Georg sprach für jedes Kind ein Segensgebet und Marie, bzw. Erwin übergaben die gesegneten Kreuze.
Nach dem Gottesdienst konnte im Pfarrcafe weitergefeiert werden. Die Eltern der neuen Minis hatten viele Köstlichkeiten für alle vorbereitet.

Follower

Dr. Hans PockNachfolge Jesu bedeutet, auf Gott zu hören, die Übereinstimmung von Reden und Tun und dann auch davon zu erzählen. Das zeigte Univ. Prof. Dr. Johann Pock in seiner Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis in der Gemeinde Schönbrunn-Vorpark.


Tipps für die Nachfolge Jesu

Wie bekommt man möglichst viele Follower? Wenn ich heute diese Frage stelle, dann denken junge Leute wohl an TikTok, Snapchat, Instagram und ähnliches. Andere an Facebook oder Twitter. Follower zu haben; Menschen, die derselben Meinung sind; die die eigene Meinung unterstützen – das ist schon was Spannendes.

Aber auch umgekehrt ist es eine interessant Frage: Wem folge ich selbst? Auf wessen Meinung höre ich und wem vertraue ich? Das ist für mich ein Leitthema dieses heutigen Sonntags: Hören und Nachfolge.

Erster Zugang: Der junge Samuel und das rechte Hören

Es ist eine sympathische Gestalt, dieser junge Samuel: passend z.B. für eine Frühmesse oder Anbetungen. Er schläft im Tempel des Herrn, also vor dem Allerheiligsten – er ist gewissermaßen bei der Anbetung eingeschlafen … Dabei wird er gestört von Gott selbst; er aber glaubt, der alte Priester Eli hätte ihn gerufen – der aber meint wohl, Samuel hätte geträumt, und schickt ihn wieder schlafen. Schlafen in der Kirche scheint also damals ganz üblich gewesen zu sein …

Samuel macht jedoch offenbar erstmals eine direkte Gotteserfahrung: Gott ruft ihn persönlich. Aber: „Samuel kannte Gott noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden.“ Samuel ist unerfahren, er erkennt den Ruf Gottes noch nicht und muss sich erst vom Priester Eli den Rat holen, wie er reagieren soll.

Der Ruf Gottes ergeht ganz persönlich an Samuel – und er ergeht mehrmals. Gott ist hartnäckig – bis Samuel das richtige Hören lernt.

Der Hörsinn ist schon etwas Spannendes beim Menschen: Einerseits ist das Ohr niemals abgeschaltet. Auch im Schlaf hören wir noch – zum Leidwesen jener, die schnarchende Partner/innen haben …

Zugleich aber braucht es ein bewusstes Hören – gerade heute, wo wir umgeben sind von einer Vielzahl von Reizen. Lärm, leeres Gerede, oberflächliches Geschwätz, täglich und stündlich eine Fülle von Worten. Worauf soll man dabei hören?

Gottes Wort kommt zumeist nicht laut, sondern leise; es braucht Aufmerksamkeit, um gehört zu werden.

Das Ruhig-Werden ist daher eine zentrale Haltung für das Gebet: Ruhig-Werden, Ausschalten äußerer Reize – um auf die Stimme im Inneren zu hören; um Gottes Stimme nicht zu überhören.

Der Glaube wird bewirkt durch das Hören des Gotteswortes, sagt der Theologe Paul Tillich. Gott spricht uns an. Er spricht uns an in der Heiligen Schrift, er spricht uns an durch Menschen, er spricht uns an in Ereignissen unseres Lebens.

In einem schönen Lied heißt es: Schweigen möcht ich, Herr, und auf dich warten. Schweigen möcht ich, Herr. Schweigen möchte ich, dass ich deine Stimme unter vielen Stimmen hör.

Zweiter Zugang: Die Nachfolge bei Jesus

Das heutige Evangelium bringt uns eine ganze Pädagogik der Berufung. Im Zentrum steht diesmal nicht die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer, sondern die Reaktion der Jünger. Die beiden Jünger des Johannes hören, wie dieser Jesus als „Lamm Gottes“ bezeichnet.

Damit ist an den Propheten Jesaja 53 angespielt: Da ist vom Gottesknecht die Rede, vom „Lamm, das man zum Schlachten führt.“ Dieses Lamm, der verkannte Gottesknecht, „hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen“ (Jes 53,4).

Durch den Hinweis auf das Lamm erkennen die beiden ersten Jünger, dass Jesus mehr ist als ein Prophet – und sie werden neugierig und folgen ihm. Die Reaktion Jesu ist darauf interessant: Er konfrontiert sie zunächst. Was wollt ihr überhaupt? Warum lauft ihr mir nach? Jesus will keine blinden Follower; Personen, die ohne zu denken ihm einfach nachrennen.

Aber auch die Reaktion der beiden Jünger ist interessant. Sie fragen: „Wo wohnst du?“ Übersetzt vielleicht: Wo bist du beheimatet? Was macht dich aus? woraus lebst du?

Sie fragen nicht, was seine Botschaft ist oder was er vorhat – sondern sie möchten sehen, wer er ist. „Authentizität“ heißt das heute so schön. Und Jesus nimmt sie zu sich mit – und sie bleiben bei ihm. Wort und Tat, Person und Botschaft gehören zusammen.

Und dann kommt etwas, was für heutige Berufung so wichtig ist: Die Jünger selbst werden zu Berufenden. Sie gehen hinaus und begeistern andere für diesen Jesus – zunächst in ihrem unmittelbaren Umfeld. Andreas überzeugt seinen Bruder Simon – und dann folgt eine wunderbare Szene:

„Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas, Petrus heißen.“

Jesus blickte ihn an – und damit ist alles gesagt: Er schaut in sein Herz; er durch-schaut ihn – und er erkennt, dass er sich auf diesen Mann verlassen kann. Er macht ihn zum Felsen, zum Halt seiner Bewegung.

Mögliche Konsequenzen Sonntagsevangelium

Es braucht heute wieder eine Schule des Hörens auf die leisen Worte Gottes: Rede Herr, dein Diener hört.

Es braucht ein Schauen und Sich-anschauen-Lassen: Gott blickt mich an, wie er Petrus angeblickt hat. Er schaut auf mein Herz und er durchschaut mich mit meinen Stärken und Schwächen. Und gerade auch mit den Schwächen nimmt Jesus seine Jünger an – und nimmt er uns an.

An uns, an mir liegt es, die Ohren des Herzens zu öffnen, um diese Stimme Gottes in meinem Leben zu hören, um seinen Blick zu spüren und dann auch die entsprechenden Schritte zu setzen.

An mir liegt es auch, ob ich mich begeistern lasse – und selbst andere dadurch begeistern kann für die Botschaft Jesu.

Andrea Schwarz hat in einem schönen Text diese Haltungen der Nachfolge verdichtet. Sie nennt ihn „Berufung“:

Berufung

Plötzlich
ein Wort, eine Geste, ein Bild, ein Lied

Trifft, berührt, geht nach, lässt nicht mehr los, umfängt

fordert heraus, wird unbequem, birgt Verheißung, ist Zumutung
macht Lust, ist Angst

Frage, Verlockung, Unsicherheit, Verwirrung, und doch
Gewissheit

ich
bin
gemeint

(Andrea Schwarz)

Johann Pock