Pfarrer Martin schreibend

Im Jahr 2019 habe ich erste Notizen niedergeschrieben und sie „Gedanken eines Stadtpfarrers“ genannt. Die Anliegen habe ich in Form von Briefen fortgesetzt. In Zeiten von WhatsApp, Instagram etc. mag es altmodisch sein, noch Briefe, ausgedruckte und mit der Post verschickte Briefe, zu schreiben, aber ich glaube an die Wirkung des Papiers, das vor mir liegt und für das ich mir Zeit nehmen muss.

Worum geht es? Um Sorgen, die ich als Pfarrer halt so habe. Da ist vor allem der junge Mensch. Meine Überzeugung ist, dass seine Zukunft, sein Mitwirken an der Gesellschaft, seine Liebe und Partnerschaft erfüllter, aufregender und heilsamer ist, wenn er es schafft, aus dem christlichen Glauben zu leben.

Darum höre ich nicht auf, solche Briefe zu schreiben. Wie ein Vater oder eine Mutter, die schon lästig auf die Kinder einreden.

→ Hier können Sie meine ersten Briefe als Heft herunterladen und lesen. Es liegt in gedruckter Form auch in unseren drei Kirchen auf.

Das Sakrament der heiligen Messe

Beim letzten Abendmahl hat Jesus sein Leben hingegeben, geopfert. Mit den Worten: „Nehmt, das ist mein Leib … Nehmt, das ist mein Blut …“, hat er etwas Neues geschaffen, das bis heute das Zentrum aller Christen ist: die Feier der Hl. Messe, der Empfang der Hl. Kommunion. Wir essen nicht nur ein Stück Brot, sondern nehmen Jesus selbst auf – in Form des Brotes und Weines.

Gott selber handelt in Jesus. Darum ist uns der Empfang der Kommunion, die Aufnahme Jesu sehr, sehr heilig. In der katholischen Kirche nennen wir es das „Allerheiligste“. Nur vor der Hl. Kommunion, vor Gott in Jesus machen wir die Kniebeuge.

Wenn wir in eine katholische Kirche kommen, sehen wir ein rotes Licht, das „ewige Licht“, das neben dem Ort steht, wo die Hl. Kommunion aufbewahrt wird, dem „Tabernakel“. Katholiken machen eine Kniebeuge in diese Richtung. Wir zeigen unseren Respekt vor Gott, der in Form der Hl. Kommunion ständig („ewiges Licht“) unter uns ist.

Hl. Messe wird auch Eucharistie

Die Hl. Messe, in der die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu Christi geschieht, nennen wir auch „Eucharistie“. Ein griechisches Wort, das „Danksagung“ bedeutet. Wir danken Gott und empfangen die Gaben, damit unser Leben heilsam und heil werden kann. Das 2. Vatikanische Konzil (Tagung aller katholischen Bischöfe weltweit, 1962-65) sagt, dass die Feier der Eucharistie „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ ist. Durch die Eucharistie gestärkt gehen die Menschen ihren Lebensweg weiter.

Kommunion bedeutet Vereinigung, tiefste Begegnung mit Jesus Christus. Diese Vereinigung beschreibt der Apostel Paulus: „Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.“ (1. Brief an die Korinther 10,16-17). Zwischen Eucharistie und Kirche besteht also eine untrennbare Verbindung.

Der Apostel Paulus verwendet auch den Ausdruck „Leib Christi“, sowohl für die Eucharistie als auch für die Kirche. Wer diese innere Beziehung mit Jesus Christus spürt und aus ihr lebt, sucht in der Messe die Anwesenheit Jesu Christi; das – immer – unvollkommene Tun der Priester, sowie aller Frauen und Männer, die in der Kirche Dienst tun, tritt dabei in den Hintergrund.

Wer kann die Hl. Kommunion empfangen?

Es ist also klar, warum die Hl. Kommunion so heilig ist; darum braucht es eine gute Überlegung wie und wann und warum wir zur Hl. Kommunion gehen. Folgende Voraussetzungen sind wesentlich:

Glaube

Der Glaube an sich ist die erste Voraussetzung, an den Sakramenten überhaupt teilzuhaben. Im Bezug auf die Eucharistie muss insbesondere der Glaube an die wirkliche Gegenwart Christi in den Gaben von Brot und Wein vorhanden sein: Durch das Wort des geweihten Priesters „vollzieht sich die Wandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi“. Der Glaube an diese Wahrheit ist Voraussetzung für den Empfang der Eucharistie.

Gewissen

Viele Menschen haben große Sehnsucht nach Heilung. Gerade wenn manches im Leben zerbrochen, kompliziert und schwierig geworden ist. Es kann passieren, dass Christen sich vom Glauben entfernt haben, oder nichts damit mehr anzufangen wussten. Darum braucht es langsame Schritte in den Glauben hinein, und zu den Sakramenten hin. Der Empfang der Hl. Kommunion ist etwas Besonderes. Jede christliche Person muss sich im eigenen Gewissen fragen, ob sie schon für die Aufnahme bereit ist. Nach langer Abwesenheit in der Kirche wird die Beichte für den Kommunionempfang notwendig sein. Im Zweifelsfalle wäre es gut, einen Priester um Rat zu fragen.

Schon der Hl. Apostel Paulus weist in strenger Weise darauf hin: „Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken“. 1 Korintherbrief 11,27

Wie empfangen wir die Hl. Kommunion?

Die Sehnsucht soll ermutigen, der hohe Anspruch vorsichtig machen. Manche Christen sind auch verunsichert, weil sie schon lange nicht mehr am Gottesdienst teilgenommen und die Hl. Kommunion empfangen haben. Da kann das Gespräch mit jemandem aus der Gemeinde oder mit dem Priester helfen. Jede geistliche Frage hilft weiter und baut die Gemeinde selber auf.

Die Stille danach

Manchen fällt die Stille nach der Kommunionausteilung auf. Wir versuchen sie zumindest. Dass Gott unendlich fern und doch nahe ist, dafür will ich danken. Ich will mich fragen, was der HERR mit mir vorhat. Wozu will er mich einsetzen?

Pfarrer Martin Rupprecht

In der Krise bewährt sich das Eingeübte

Persönliches

Meine Eltern waren Bauern; Ganz typische – klischeehaft: Wir waren nicht gewohnt, über Gefühle zu reden. Manches wurde nur karg ausgedrückt. Über Manches wurde gar nicht gesprochen. Was zu arbeiten war, wurde einfach getan. Die Frage, ob etwas schwer ist oder gefällt, hat sich nicht gestellt. Das ist einfach so. Basta. Amen.

So war es mit der Arbeit im Stall, auf dem Feld, mit der Disziplin am Mittagstisch, mit der Schule und auch mit dem Glauben. Am Sonntag gehen wir in die Kirche, zum Mittagessen beten wir, in der Fastenzeit gehen wir zum Kreuzweg, im Mai zur Maiandacht.

Am Abend hat uns die Oma das Gebet vorgesprochen:

„Müde bin ich geh‘ zur Ruh‘; schließe meine Äuglein zu.
Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein.
Hab‘ ich Unrecht heut getan, lieber Gott, sieh‘ es nicht an.“

und

Jesu Kindlein komm zu mir, mach ein frommes Kind aus mir.
Mein Herz ist klein, kann niemand hinein als du, mein liebes Jesulein.

Es war nicht schlecht, es tun zu müssen

Wenn ich heute zurückschaue, dann bin ich meiner Familie unendlich dankbar über diese Vorgabe und Einübung. Das hat meinem Leben eine Struktur gegeben. Beim Mittagstisch kann ich gar nicht anders, als das Kreuzzeichen zu machen: „O Gott, von dem wir alles haben, wir preisen dich für deine Gaben. Du speisest uns, weil du uns liebst, o segne auch, was du uns gibst.“

Am Abend erinnere ich mich automatisch an die Eltern und an deren Müdigkeit, die aber nie das Gebet vergessen ließ. Als Student habe ich meinem Kindheitsgebet noch ein paar andere dazu gefügt: „Nimm nichts in die Nacht, das den Schlaf es dir raube, nur das Gebet und dann glaube, dass Gott über dir wacht. Lass alles, was nicht gelang, Gott kann das Dunkel bewegen und heilen mit seinem Segen. Schlafe und sei nicht bang.“ So kann ich besser in die Nacht gehen. Ich weiß, dass dieses Vertrauen ganz tief unterbewusst, weiterwirkt.

Die Gewohnheit hilft

Heutzutage haben viele Menschen scheinbar eine Allergie auf alles, was man tun muss. Bei vielen Taufgesprächen höre ich mir an: „Ich gehe nicht so oft in die Kirche, weil ich früher immer mit den Eltern gehen musste.“ Ja, Leute, was für eine Ausrede – denke ich mir dann. Du musstest dir doch auch die Zähne putzen. Bist du denn nicht froh darüber, dass dich da die Eltern oft ermahnt hatten und machst du das nicht heute noch weiter, obwohl du in der Kindheit so oft musstest?

Ist es nicht das Spezielle am Christ sein, dass wir den Sonntag heiligen, dass wir eine Gemeinschaft bilden, dass wir nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch das der Gemeinschaft achten!?

Die Gewohnheit hilft, unabhängig von Zeit und Lust, etwas zu tun, was gut und heilsam ist. Lasse ich mich von meiner momentanen Stimmung leiten, dann habe ich einen Großteil meines Lebens verloren. Nicht immer kann ich zu jeder Zeit alles durchdacht machen.

In der Krise bewährt sich das Eingeübte

Die Corona-Zeit, der sogenannte Lockdown, das Ausgangsverbot, ist eine enorme Einschränkung. Manche halten das nicht aus und sterben daran. Wie kann man dagegen wirken? Eine Möglichkeit ist die Einübung einer Tagesstruktur. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Ein aktives Glaubensleben hilft, nicht allein zu sein. Sind nicht die Engel und die Heiligen da? Führen Sie nicht hin zum Hirten?! Wenn ich am Morgen das innere Gespräch beginne, dann habe ich am Abend viel zu erzählen; und es ist nicht so schlecht, wenn mir tagsüber hie und da ein Stoßgebet entweicht.

Die Verfassung lesen

Für den Christen, die Christin, ist die Bibel die Verfassung. Es lohnt sich darin zu lesen und auf diesen Brief des Heilands zu antworten. 1000 Jahre Erfahrung von Menschen mit allen Krisen und schönen Zeiten sind aufgeschrieben. Es wäre dumm, diesen Schatz nicht mitzunehmen. Im Psalm 42 heißt es: „Wie der Hirsch dürstet nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele Gott nach dir!“

Das Wasser an der Tür

Katholische Christ/innen suchen beim Betreten einer Kirche zuallererst nach dem Weihwasser. Das Kreuzzeichen, damit erinnert: „Ich bin getauft“. Unsere Eltern haben sehr darauf geschaut, dass wir Kinder uns vor dem Verlassen des Hauses mit Weihwasser bekreuzigt haben. Selbst als ich schon berufstätig war, hat mein Vater beim Abschied (manchmal saß ich bereits im Auto) noch gefragt: „Hast Weihwasser g‘nommen?“. Die Oma hat wohl einmal im Monat eine Flasche in die Kirche mitgenommen: „Zum Weihwasser holen“. Was für ein schöner Brauch. Auch heute hängt neben meiner Wohnungstür ein kleines Weihwasserschüsselchen.

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“

Der Spruch stammt vom Modemacher Karl Lagerfeld. Da ist was Richtiges dran. Eine Begegnung mit anderen Menschen erfordert eine Vorbereitung. Das Äußere zeigt etwas von der inneren Einstellung. „Wir legen Wert darauf, dass Sie sich bei uns genauso wohlfühlen wie alle anderen. Daher bitten wir die Herren, ein Sakko zu tragen und sowohl Damen als auch Herren nicht in Jeans in den Kursen zu erscheinen.“ So steht es beim berühmten Wiener Tanzlehrer Thomas Schäfer-Elmayer auf der Webseite. Er verlangt auch zur Probe ein entsprechendes Outfit. Als Christen können wir uns selbstkritisch fragen: Haben wir nicht manchmal einen zu gedankenlosen Umgang für die Begegnung mit Gott? Die meisten meiner Generation hatten noch Großeltern, die ihnen ein Sonntagsgewand schenkten. Für diese Generation war es unmöglich, im Alltagsgewand in die Sonntagsmesse zu gehen.

Es gibt etwas Positives in all den Ordnungen, denen wir uns fügen. Sie sind nicht bloß eine Bürde. Vielfach helfen sie uns, wenn die eigene Kraft nicht mehr kreativ sein kann; wenn die Sorgen des Alltags uns müde machen; wenn das Gedächtnis nachlässt. So wie eingeübte Straßenregeln einen fließenden Verkehr ermöglichen, so hilft eine innere Ordnung der Seele bei ihrer Entwicklung.

„Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden… Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ Johannes-Evangelium 10,­ 9-10.

Pfarrer Martin Rupprecht

Selbstbesteuerung – ist es dumm, freiwillig etwas herzugeben?

Die Idee der Selbstbesteuerung hat eine lange Geschichte. Vor ca. 50 Jahren kam sie erneut auf, als in Europa der Wohlstand zunahm und zugleich sichtbar wurde, dass das Vermögen sehr ungerecht verteilt ist. Bis heute gibt es weltweit die himmelschreiende Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Mächtigen und Entrechteten.

In vielen christlichen Gemeinden ergaben sich Kontakte zu den benachteiligten Gebieten. Persönliche Kontakte und Besuche bei Hilfsprojekten haben viele Personen motiviert, sich einer Selbstbesteuerung zu verpflichten. Das bedeutet: Jede/r überweist monatlich per Dauerauftrag einen frei gewählten Betrag auf das Konto eines selbst gewählten Projekts. Niemand erfährt, wer wie viel überweist.

Wer eine Hochzeit feiert, eine Taufe, einen Geburtstag, ein Jubiläum, den Pensionsantritt: Für die Feiern gibt es eine unüberschaubare Auswahl. Es fällt schwer, sich zu begrenzen. Reflexhaft kommt der Gedanke: „Das habe ich mir verdient; ich will mir etwas Gutes tun …“ Da kann bei der Planung eine Selbstverpflichtung helfen: 1, 3 oder 5 Prozent der Ausgaben meiner Feier sollen einem Hilfsprojekt zugutekommen.

Trotzdem verstehen wir die Spenden nicht als Almosen von uns Reichen an die Armen. Die Weltwirtschaftsordnung ist nicht gerecht und darum geben wir nur etwas zurück, was wir mit jeder Tasse Kaffee, mit jeder Banane usw. im Grunde schuldig bleiben. Es ist ein Akt der Gerechtigkeit und der Solidarität.

Menschliche Reflexe – Anleitungen aus der Bibel

Diese innere Verpflichtung hilft dem Reflex des „Haben-Wollens“ zu widerstehen. Es gibt immer etwas, was ich noch gern hätte. Wer durch ein Kaufhaus geht, verliert schnell seine Selbstkontrolle. So viel Schönes gäbe es! In der Bibel heißt es dazu: „Nie wird das Auge satt vom Sehen“ (Koh 1,8).

In der Tradition der Bibel sagen wir: „Halte bei jeder Feier einen Stuhl für Elija frei.“ Elija steht für den Überraschungsgast. Für die Gastfreundschaft, für die Achtsamkeit, wenn Gott einen Engel sendet, dass ich ihn aufnehme, um meinem Leben etwas mitzuteilen. Elija steht für die Freizügigkeit, dass andere sich durch meine Möglichkeit freuen können.

Wie sieht es in der Pfarre aus?

In unserer Pfarre Hildegard Burjan gibt es zwei Selbstbesteuerungsgruppen und eine Stiftung, die zu konkreten Projekten einladen. Daneben gibt es eine Reihe von Einzelpersonen, die monatlich an die Caritas Wien spenden.

Eine-Welt-Gruppe Neufünfhaus: Seit 1987 unterstützt die Gruppe Projekte, die Frauen in Indien in ihrem Selbstbewusstsein stärken und ihnen eine Ausbildung ermöglichen (in Zusammenarbeit mit dem Entwicklungshilfeclub).
Kontakt: Christine Hareter-Langer
Konto: Selbstbesteuerungsgruppe, IBAN: AT13 1100 0094 8313 3600, BIC: BKAUATWW

Selbstbesteuerungsgruppe Schönbrunn-Vorpark: Diese entscheidet jährlich die Vergabe an verschiedene Projekte. Im Jahr 2022 hat die Gruppe beispielsweise 3.800 Euro an Projekte in Indien, Brasilien, Tansania und ukrainische Geflüchtete ausbezahlt.
Kontakt: über die Kanzlei 
Konto: r.k. Pfarre Hildegard Burjan Selbstbesteuerungsgruppe, IBAN: AT58 2011 1000 0422 3470

Stiftung „Jugend fördern-Grenzen überspringen“: Schwerpunkte sind Schulausbildung in Pakistan, Äthiopien und Tansania, sowie Einzelstipendien in anderen Ländern. Ebenso wird die freiwillige Mitarbeit bzw. das Volontariat in diesen Ländern gefördert.
Kontakt: Martin Rupprecht, 0699 1 882 22 41, www.stiftungjugendfoerdern.de
Konto: LIGA Bank Regensburg, IBAN: DE43750903000001342800, BIC: GENODEF1M05 
Die Überprüfung der Spenden erfolgt jährlich durch die Regierung der Oberpfalz, Regensburg.

Fasten – worauf wir verzichten müssen

Menschen, die hungern mussten, (z .B. unsere Eltern in der Nachkriegszeit), wollen nie mehr freiwillig diesen Zustand erleben. Das ist verständlich. Trotzdem hat sich das Fasten in jeder Religion als Teil der Glaubenspraxis über Jahrhunderte erhalten. Der freiwillige Verzicht ist ein Zeichen der Liebe zum Schöpfer. Fasten bewirkt mehreres:

  • Ein freiwilliges Hungern und Dürsten, um sich der Hungernden in anderen Teilen der Welt bewusst zu machen und mit Rücksicht auf diese den eigenen Lebensstil zu korrigieren;
  • Ein Verzichten, um die Abhängigkeit zu spüren und zu danken für jeden Schluck Wasser
  • Seinen Körper umzustellen und Süchte loszuwerden: Fleisch, Alkohol, Handy, Internetnutzung, Auto, …

Wir wissen, dass wir zu viel Fleisch verschlingen. Wir haben ein Konsumverhalten, das tötet. Jede Schnitzelbestellung fördert die Massentierhaltung, die Treibhausgasse, die perverse Strategie von „billig und viel ist gut“. Wir wissen es und fühlen uns im Alltagsgetriebe machtlos. Das ist aber nicht so. Manchmal brauchen wir einen Ruck, einen Schock, eine Katastrophe, damit wir aus Fehlentwicklungen aufwachen.

In der katholischen Tradition wurde montags, mittwochs und freitags auf Fleisch verzichtet. Ich möchte diese Tradition in Erinnerung rufen und zur Umkehr ermutigen. Durch die Individualisierung haben wir im Westen auch eine gemeinsame Fastenkultur zerstört. Ob es gut und machbar ist, wieder zu einem gemeinsamen Minimum zu kommen, weiß ich nicht. Aber ich wage den Versuch aufzurufen, dass wir wieder freitags auf Fleisch und Wurst verzichten und ebenso in der Advent- und Fastenzeit.

Dem will ich aber hinzufügen, dass das Fasten wie das Gebet eine zutiefst intime Angelegenheit der Glaubenspraxis ist. Von daher soll sich nie jemand rechtfertigen müssen, weil er/sie etwas macht oder nicht macht.

Pfarrer Martin Rupprecht