Valentinstag: Dank und Segen
Pfarrer Martin hat im Jahr 2022 einen Brief an Ehepaare verfasst, der noch immer seine Gültigkeit hat:
Warum hält das Glück in manchen Beziehungen nicht an? Was kann man dagegen tun? Welche Hilfe bietet der Glaube?
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Pfarrer Martin hat im Jahr 2022 einen Brief an Ehepaare verfasst, der noch immer seine Gültigkeit hat:
Warum hält das Glück in manchen Beziehungen nicht an? Was kann man dagegen tun? Welche Hilfe bietet der Glaube?
Auf den ersten Blick ist es vielleicht eine Versuchung: den Ernst des Lebens zu vergessen und einfach in Spaß und Ausgelassenheit einzutauchen. Vielleicht fällt manchen warnend die Feldrede im Lukasevangelium ein: „Wehe euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet klagen und weinen.“ (Lk 6,25b).
Und tatsächlich – es gibt schädliches Lachen: Das andere auslacht, ihrer Würde beraubt, bloßstellt.
Und gleichzeitig gibt es erlöstes und erlösendes Lachen, das aus einer tiefen Freude kommt, die in uns klingt, weil wir zu „Shalom“ (mehr als Frieden – zu Einklang mit Gott und uns selbst) berufen sind. (vgl. Kol 3,15) Und zum Einklang mit uns selbst kann auch das Ausleben von Seiten in uns gehören, die wir sonst gekonnt im Zaum halten – eben das Schlüpfen in Kostüme und närrisches Treiben. Nicht immer und überall – aber eben wo es befreiend und nicht zerstörend ist.
So sehr, dass Paulus im Galaterbrief unter den 12 Früchten des Heiligen Geistes die Freude nennt. Und Don Bosco formuliert es noch spitzer, vielleicht aus der Erfahrung, wie er mitgeholfen hat, das Leben etlicher verwahrloster Burschen ins Gute zu wenden: „Der Teufel hat Angst vor fröhlichen Menschen.“ Lachen relativiert Macht. Don Bosco war überzeugt: Lachen, das aus Glauben und Liebe entsteht, relativiert sogar die Macht des Dunklen.
So kann Kostüm, Fasching, Humor ein wirklich christliches Projekt werden. Ein heute fast vergessenes Zeichen dafür ist für mich auch, dass sich der berühmte Zirkus Roncalli seinen Namen zu Ehren des Papstes Johannes XXIII gegeben hat, nach seinem bürgerlichen Namen.
Aber natürlich: Es ist wohl nicht jedem gegeben, seinen Glauben genau so zu leben, und auch das ist OK. Nicht umsonst heißt es: „Lacht mit den Lachenden und weint mit den Weinenden“ (Röm 12,15). Auch in diesen Wochen gibt es offenkundig beides. Manche von uns werden hier, manche dort mehr mitgehen können – und hoffentlich hier wie dort ein Stück zum Erheben von Herzen beitragen.
Wie wichtig Humor – und auch eine gute Portion Selbstironie – auch im geistlichen Leben sein kann, zeigt für mich das Gebet einer alternden Nonne, das manchmal Teresa von Avila zugeschrieben wird. Es war Kardinal König so wichtig, dass er es handschriftlich (!) in sein Brevier eingelegt und in seinen späten Jahren täglich gebetet hat:
Herr du weißt besser als ich selbst, dass ich älter werde und eines Tages alt bin. Bewahre mich vor der unheilvollen Angewohnheit, zu meinen, ich müsse zu allem etwas sagen und das bei jeder Gelegenheit. Befreie mich von dem Verlangen, jedermanns Angelegenheit in Ordnung bringen zu wollen.
Mache mich bedachtsam und nicht schwermütig, hilfsbereit, jedoch nicht herrschsüchtig. Angesichts meines unermesslichen Vorrates an Lebenserfahrung erscheint es bedauerlich, nicht alles zu nützen, aber du weißt, Herr, dass ich ein paar Freunde haben möchte am Ende. Bewahre mich davor, endlose Einzelheiten aufzuzählen; verleihe mir Flügel zur Hauptsache zu kommen.
Versiegle meine Lippen, was meine Schmerzen und Leiden anbelangt. Sie nehmen zu, und die Lust daran, sie aufzuzählen, wird wohltuender mit den Jahren. Um soviel Gnade zu bitten, dass ich an den Erzählungen über die Schmerzen anderer Gefallen finden könnte, wage ich nicht. Hilf mir jedoch, sie in Geduld zu ertragen. Ich wage es nicht, ein besseres Gedächtnis zu erbitten, wohl aber zunehmende Bescheidenheit und abnehmende Selbstsicherheit, wenn meine Erinnerung mit den Erinnerungen anderer in Widerspruch zu stehen scheint.
Führe mich zu der großartigen Erkenntnis, dass ich mich gelegentlich auch irren könnte. Trage Sorge dafür, dass ich einigermaßen liebenswürdig bin; ich möchte keine Heilige sein – mit manchen von ihnen ist es so schwer zu leben –, aber eine sauertöpfische, alte Person ist eines der hervorragenden Werke des Teufels. Schenke mir die Fähigkeit, Gutes zu entdecken an Orten, an denen ich es nicht erwarte und Begabungen in Menschen, denen ich sie nicht zutraue. Und gib mir, oh Herr, die Gnade es ihnen auch zu sagen. Amen.
Die Bedeutung von „Darstellung des Herrn“ und „Blasiussegen“
Am 2. Februar feiern wir ein besonderes Fest, weil es ein besonderer Tag ist: 40 Tage nach Weihnachten. Im Lukasevangelium heißt es: „Als die Zeit der Reinigung vorüber war, wie sie Mose im Gesetz nach der Geburt eines Kindes vorschreibt, brachten Joseph und Maria das Kind nach Jerusalem, um es Gott zu weihen.“ (Lk 2,22).
40 Tage. Nicht nur eine symbolisch wichtige, fast magische Zahl (steht für ganz sein, ganz werden, das ganze Leben), sondern eine lebensweltlich genauso wichtige. Auch aus ganz anderen Zusammenhängen wissen wir, dass nach 6–8 Wochen nicht nur im Hirn, sondern auch im Bauchgefühl klar wird, dass ein Zustand kein Ausnahmezustand war, sondern so bleibt (aus der Trauerarbeit, nach dem Einzug in neue Wohnung, etc.).
Mehr als einfach eine besondere Beziehung von Jesus zu Gott: dass in Jesus wirklich das Licht Gottes leuchtet, und zwar für die ganze Welt (vgl. Lk 2, 31-32). Dass in ihm Gott ganz da ist und uns rettet – nichts anderes heißt sein Name (Jeho-schua à Jesus). Simeon und Hanna, zwei prophetisch begabte Menschen, die fest mit Gott verbunden sind, offen genug und geduldig genug für diese tiefe Begegnung, erkennen das. Und Hanna erzählt allen davon, die sich auch nach Erlösung gesehnt haben.
Um dieses bleibende Licht an diesem Tag besonders zu feiern, weihen wir am 2. Februar jene Kerzen, die das Jahr über im Gottesdienst verwendet werden. Nach einer feierlichen Weihe am Anfang der Messe bringen wir sie nach vorne. In vielen Kirchen ist es üblich, dass die Gläubigen symbolisch diese Kerzen spenden – oft werden sie zentral von der Pfarre eingekauft, aber mit einer Spende stellen die Mitfeiernden die Mittel dafür bereit und „übergeben“ sie ihrer Kirche. Dort leuchten sie für alle, die sich nach Erlösung sehnen und zeigen: Hier findet ihr das Licht eures Lebens, Jesus.
Ein weiterer Brauch mischt sich eigentlich vom Folgetag herein. Am 3. Februar ist der Gedenktag des Heiligen Bischofs Blasius. Eine Legende besagt, dass er einem Jungen eine Fischgräte aus dem Rachen gezogen hat und ihn so vor dem Ersticken gerettet hat. Davor hat er zu Jesus gebetet, es möglich zu machen, dass ihm das gelingt. So ist er zum Schutzpatron „gegen Halskrankheiten und andere Krankheiten“ geworden. Von daher gibt es am Schluss der Messen am 2. Februar den Brauch, mit zwei überkreuzten Kerzen einen Einzelsegen zu spenden, den „Blasiussegen“. Wir bitten Jesus auf die Fürsprache des Hl. Blasius uns von allem zu befreien, was uns zum Hals heraushängt, und was uns im Hals stecken bleibt, und uns „Gesundheit, Heilung und Heil“ zu schenken. Wie passend am Tag, an dem wir feiern, dass Jesus – wirklich auf Dauer – unser Retter und unser Licht geworden ist.
Weil in diesem Fest dicht konzentriert so vieles drinnen steckt, hat es auch im Lauf der Zeit und in unterschiedlichen Regionen verschiedene Namen bekommen, die auch verschiedene Aspekte betonen.
Heute heißt es offiziell „Darstellung des Herrn“. Dies, um zu betonen, es geht um Jesus, und dass in ihm Gott so sehr da war und ist, dass wir sagen, er war nicht nur ganz Mensch, sondern auch ganz Gott.
Unsere Großeltern kennen es noch als „Lichtmess“ – eben wegen der Kerzenweihe, die uns zeigt, dass wir in Jesus das „Licht, das die Völker erleuchtet“ finden können. Bis 1970 (und im Volksmund manchmal heute noch) wir es „Mariä Lichtmess“ genannt, um zu betonen, dass durch Maria dieses Licht in die Welt und in den Tempel gekommen ist. (Bringen es auch heute oft einfache „Menschen aus dem Volk“/ Frauen/ junge Menschen in die Welt, und wo haben wir offene Augen dafür?)
In der Ostkirche heißt es oft „Begegnung des Herrn“, und auch diesen Namen finde ich schön. Er zeigt uns, dass auch wir – wie Simeon, Hanna und andere Menschen von Anfang an – Jesus begegnen können. Wir können das Licht Gottes für uns und für die ganze Welt in ihm finden. Und das kann uns zu tiefem inneren Frieden führen, wie Simeon – oder dazu, es begeistert allen suchenden und wartenden Menschen weiterzuschenken, wie Hanna. Im Idealfall unser ganzes Leben.

In seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark griff der Wiener Pastoraltheologe, Univ. Prof. Dr. Johann Pock das Motto der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen „Glaubst du das?“ auf. Er ging dabei auf die Bedeutung des Konzils von Nicäa vor 1700 Jahren ein, das verbindlich für alle Christen festhielt, dass Jesus Sohn Gottes ist. Daran schloss er die Frage, was das für uns heute bedeutet, und stellte auch einen Zusammenhang mit dem Dankgottesdienst für Kardinal Schönborn am Vortag her.
„Glaubst du das?“ So lautet die drängende Frage dieser Woche der Einheit – gewählt als Motto von der diesjährigen Vorbereitungsgruppe dieser Gebetswoche. „Glaubst du das?“ – als bedrängende Frage an mich persönlich – aber auch an uns als Glaubensgemeinschaft.
Aber woran glauben wir als Christen eigentlich? Viele Menschen sagen von sich, dass sie schon gläubig sind – aber die sich halt aussuchen, woran sie glauben.
300 Jahre lang war das Christentum nicht offiziell anerkannt, teilweise verfolgt. Mit Kaiser Konstantin wurde es öffentlich. Und es wurde auch sichtbar, dass sich in den 300 Jahren seit Jesu Tod und Auferstehung unterschiedliche Glaubensrichtungen entwickelt hatten, nicht zuletzt zwischen Ost und West, zwischen der römischen, lateinischen Tradition und der östlichen, griechischen Tradition.
Eine zentrale Frage war schon damals: Ist Jesus einfach ein sittliches Vorbild, ein Lehrer der Humanität, eine Figur der Vergangenheit – oder begegnet uns in seiner Person auch heute Gott? Was können wir von diesem „Jesus“ überhaupt glauben?
Der Kaiser und nicht der Papst, also der Bischof von Rom, hat damals das erste Konzil einberufen – und es war im Jahr 325 eine relativ kleine Versammlung von Bischöfen vor allem aus dem Osten des Reiches in dem kleinen Nizäa, in der heutigen Türkei.
Und die Antwort des Konzils lautet: Jesus ist Sohn Gottes. Und dieser Sohn ist „wahrer Gott vom wahren Gott“, „gezeugt, nicht geschaffen“, „eines Wesens mit dem Vater“. So lautet es seither in unserem Glaubensbekenntnis, das alle christlichen Konfessionen eint.
Diese Wendungen klingen heute vielleicht eigenartig. Aber sie verteidigen die Gottheit Jesu Christi gegen jede Relativierung. Der Sohn ist dem Vater nicht untergeordnet, sondern beide sind gleichermaßen Gott.
Damit ist Gott aber kein unberührbares Prinzip irgendwo in den Sphären, irgendein philosophischer Begriff – sondern er ist in sich Beziehung, lebendig. Die biblische Aussage „Gott ist Liebe“ (1 Joh 4,8.16) hat so eine begriffliche Fassung gefunden. Und sie hat in Jesus ein Gesicht, „Hand und Fuß“, Fleisch bekommen, wie wir jährlich zu Weihnachten bekennen.
Das Bekenntnis von Nizäa verbindet Katholiken, Orthodoxe und Protestanten, es ist ökumenisch von höchster Bedeutung.
Und das passt dann auch zum Evangelium dieses Sonntags: Nämlich dem Bericht vom ersten Wunder Jesu, das er gewirkt hat.
„Die Hochzeit von Kana“ – sicher eines der bekanntesten Evangelien und eingegangen in die Populärkultur und in viele Witze und Kabaretts. „Wasser in Wein“ zu verwandeln gilt häufig so als typisch christliche Handlung – nicht zuletzt wegen der Verwendung von Wasser und Wein bei der Messe.
In diesem Evangelium geht es natürlich weniger um die Wunderkraft Jesu, als vielmehr um ein Zeichen, wer dieser Jesus ist. Und es geht dabei um das Glauben-können: Was traue ich diesem Jesus zu? Wofür halte ich ihn?
Es geht in unserem Glauben nicht darum, ob ich an solche Wunder glaube; wohl aber, ob ich glaube, dass dieser Jesus mehr ist als ein weiser Mann; mehr, als ein guter Lehrer oder ein Humanist. Mehr als ein Zauberer.
Es geht um den Glauben daran: Da ist einer, der nicht nur von Gott spricht, sondern der eins ist mit diesem Gott, ja der selber Gott ist. „Wer mich sieht, sieht den Vater“ heißt es an anderer Stelle.
Interessant ist für mich im Evangelium dann, dass dieses Glaubenkönnen sich in einem Tun ausdrücken soll: Maria sagt zu den Jüngern: „Was er euch sagt, das tut!“
Für mich ist das eine tolle Stelle: Immer wieder gibt es vielleicht im Leben Momente, wo der Glaube an Gott infrage gestellt ist. Wo man nicht so einfach sagen kann: Ja, ich glaube. Dort, wo wir liebe Menschen verloren haben; dort, wo es Krankheit und Leid gibt; dort, wo Menschen in aussichtslosen Situationen sind, in Kriegen. Wie kann man da an einen liebenden Gott glauben?
Einen Weg zeigt Maria: „Was er euch sagt, das tut!“ – Trotz einer Glaubenskrise nach dem Wort Jesu handeln.
Unser Erzbischof hat es gestern in der Abschiedsmesse im Stephansdom in freien Worten am Schluss seiner Predigt so benannt: Bei der Frage – ja, wo bist du Gott in allem Leid? – zu sagen: Er ist in unserem „Wohl-Wollen“ – also dort, wo wir es gut mit anderen meinen; wo wir Gutes tun; wo wir auf die Nächstenliebe schauen.
Jesus ist eins mit Gott; er ist wahrer Gott und zugleich wahrer Mensch. Durch ihn ist alles erschaffen, so heißt es im Glaubensbekenntnis – und deshalb können wir auch in den Menschen um uns herum und in der Schöpfung Gott entdecken.
Den Glauben selbst kann einem niemand abnehmen. Glaubst du das? Die Antwort darauf muss jeder und jede selbst finden: im Gebet; in der Liturgie, im Wohlwollen oder Gutes Tun.
Aber als Gemeinschaft können wir uns gegenseitig stützen, vor allem wenn der Glaube unsicher wird. Dazu feiern gemeinsam Gottesdienst. Dazu beten wir gemeinsam auch immer wieder das Glaubensbekenntnis: Um nicht zu vergessen, worauf unser Glaube aufbaut: Auf dem Bekenntnis und den Erfahrungen von Menschen über Jahrtausende hinweg, dass Gott nahe ist; dass er Beziehung und Liebe ist, Vater – Sohn und Geist. Und dass wir ihm begegnen können, auch heute noch.
Ich möchte einige Gedanken mit euch teilen, die mich in diesen Tagen beschäftigen.
Vor einiger Zeit haben wir Weihnachten gefeiert; ein Fest, das uns nicht eine Idylle zeigt (diese gab es vor 2000 Jahren und auch später nicht) und das uns nicht zur Nostalgie (Weihnachten, wie es immer bzw. früher war) verleiten will. Weihnachten ist kein Fest der Retrospektive/des Zurückschauens, sondern ein Fest der Perspektive/des Ausblicks (wie es Dr. Christoph Benke am Christtag in seiner Predigt dargestellt hat). Prof. Paul Michael Zulehner hat es in einem Gespräch mit der ‚Furche‘ in der Weihnachtsnummer 2024 so formuliert: Gerade in der angstgetriebenen Welt von heute braucht es ein Gegengewicht von Vertrauen, Hoffnung und Zuversicht. Christinnen und Christen könnten in dieser Hinsicht durchaus ‚Partisanen der Hoffnung‘ sein. Anders gesagt: Hoffnung ist ein Tu-Wort.
Wie kommen wir aus der ausschließlichen Sehnsucht nach Wohlfühlen und Rückzug bzw. aus einer Haltung der Resignation angesichts vieler Krisen unserer Tage heraus und in das Handeln für Hoffnung, Freude, Vertrauen, Zuversicht und Frieden hinein?
Die Wochen nach Weihnachten bieten uns viele Impulse und Anstöße dafür.
Eine politische Partei plakatiert derzeit in Niederösterreich mit dem Foto einer Krippe ‚Unser Fest. Unsere Werte‘. Aber: Weihnachten ist nicht ein Fest gegen andere, sondern das Fest der Leidenschaft Gottes für diese Welt, für alle Menschen dieser Welt! Halten wir uns an das, was vor unserer Kirche steht: Mach’s wie Gott, werde Mensch.
Bleiben wir offen, gehen wir auf andere zu und machen wir Angebote – als Einzelne und als Gemeinde – und vertrauen wir auf die göttliche Geistkraft, die uns zugesagt ist und uns begleitet.
‚Der Friede und die Freude der Weihnacht mögen uns bleiben als Segen im ganzen kommenden Jahr.‘ (Irischer Segenswunsch)

Unlängst ist mir während des Autofahrens ein Lied von Wolfgang Ambros begegnet. Es trägt den Titel Weihnachten wie immer …. Dort heißt es: I will doss echte Kerzen brennen, / doss echte Lieder gsungen werdn,/ wir Liebe geben, sovül ma kennen,/ und über Bethlehem an Stern./ I will mei Weihnachten wie immer, / wie’s immer wor – soll′s immer sein,/ i will den Glanz i will den Schimmer.
Mit dieser Sehnsucht nach einem Weihnachten, wie’s früher war‘ spricht ‚Wolferl‘ vielen Menschen aus der Seele. Es ist der Wunsch nach weniger Kommerz und Kitsch, nach weniger Keks und Glühwein, nach Reduktion, Innehalten und Besinnung. Weihnachten wie immer berührt etwas in unserem Innersten: die Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einem Ort, an dem Frieden und Lieben herrschen, nach einem Zustand der Geborgenheit und Harmonie. – Könnte es nicht sein, dass sich darin die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies ausspricht und, ja, die Sehnsucht nach der Gegenwart Gottes?
Von diesem Gott erzählt die Heilige Schrift, dass er die Liebe ist (1 Joh 4,16). Und die Heilige Schrift erzählt noch mehr: Diese Liebe ist jetzt unter uns Menschen Fleisch geworden. Sie ist Mensch geworden und wohnt unter uns (Joh 1,14), in dieser wunderbaren und zugleich völlig verrückten und fürchterlichen Welt.
Die Welt nimmt das kaum zur Kenntnis. Und doch ist aus Sicht des Glaubens alles anders geworden. Gott hat sich seiner Welt ausgeliefert und er nimmt sich nicht mehr zurück. Seither hat unser Leben einen Goldgrund, ja: Glanz und Schimmer.
Der Wunsch nach einem Weihnachten wie immer rührt wohl auch daher, dass das Vertrauen in die Zukunft mittlerweile eine geistige und geistliche Herausforderung ist. Die Welt ist in einem schlechten Zustand. Aber Hoffnung ist keine Frage des Temperaments, so als ob sich die Optimisten damit leichter täten. Hoffnung ist eine Frage des Willens und des Glaubens. Nur auf Weihnachten wie immer zu setzen ist ein sentimentales Retro. Christentum ist aber keine Retrospektive, sondern eine Perspektive. Seit Weihnachten, der Fleischwerdung des Wortes, hat sich Gott an diese Welt gebunden. Er nimmt diese Bindung, diesen Bund nicht mehr zurück und führt die Welt und die Menschen heim zu sich. Hoffnung ist also kein Wunschdenken, sondern eine gläubige Perspektive, ist Zuversicht aus dem Glauben. Sie lebt aus dem Staunen über das göttliche Kind.
Aus dem Osten kommen Suchende, sie gehen zuerst zur Schaltzentrale der Politik, sie erfahren dort die nächsten Schritte. Dann werden sie selber überrascht von der Art und Weise des Ergebnisses ihrer Suche. Sie überlassen dem Geheimnis die Schätze ihrer Heimat, sie erhalten eine Eingebung, und sie verschwinden ohne Aufhebens.
Gekommen sind Magoi, gelehrte Sterndeuter aus Persien. Weil es im Alten Testament heißt, dass einmal Könige aus allen Völkern hin pilgern zum Messias und Gold mitbringen, darum sind aus den Magiern Könige geworden, darum sagen wir Dreikönig. Soweit die Sachverhaltsdarstellung.
Das Evangelium schildert einen Zustand der Gesellschaftsentwicklung. Immer und überall sind Menschen aufgebrochen, um zu suchen: Bessere Bedingungen, größere Sicherheit, gerechte Führungspersonen. Die Suche nach einem Messias ist in jeder Gesellschaft da.
Für uns bedeutsam ist, dass Gott tatsächlich in der Geschichte ankommt. Das ist die Glaubensfrage auch unserer Zeit. Sein Wort „hat Fleisch angenommen und unter uns gewohnt“. Das ist der Glaubensakt schlechthin.
Das Entscheidende in der Messiasfrage ist aber nicht, „dass“ er gekommen ist, sondern „wie“ er wirkt. Das ist die Methode, die für uns, die Gesellschaft und für Politik gestaltende Personen von Interesse sein muss. „Wie“ und auf welche Weise wir arbeiten, kämpfen, forschen, gestalten. Das „wie“ Gottes ist das Weihnachtsgeschehen.
Schon jetzt hat die christliche Botschaft alle „Völker“ beeinflusst. Jeder Hollywood-Film in der Weihnachtszeit präsentiert das Erbarmen, das Wärmende, das Friedliche von Weihnachten (Kevin allein in New York). Alle Menschen rund um den Globus werden davon berührt. Ganz gleich ob Christen oder nicht.
Die Sternsingerinnen und Sternsinger: 85.000 sind in diesen Tagen unterwegs. Was für eine österreichische Leistung! Kinder, die drei Tage bei Sturm und Wind lieber hinausgehen und treppauf und treppab müde werden, als zuhause auf dem Handy zu spielen. Was macht das mit ihnen? Ob sie nun schön singen oder nicht, ist gar nicht wichtig. Der Wille, etwas zu tun für Andere, sich zu überwinden, Gemeinschaft zu erleben, die gute Organisation dahinter, das alles ist ein Gut, das Menschen prägt. Das ist die Umsetzung dessen, was uns das kirchliche Hochfest heute vermittelt.
Wenn wir fragen, wie Gott bei den Menschen ankommen will, dann brauchen wir nur auf diese Kinder zeigen und antworten: so!
Groß war die Aufregung, als in einer Seitenkapelle des Linzer Doms heuer eine Darstellung der gebärenden Maria zu sehen war. Eine sendungsbewusste Person sah sich sogar dazu gerufen, der Frauen-Figur den Kopf abzuschlagen.
Nicht erst heute, sondern schon immer gibt es „Christ*innen“, die die Menschwerdung Gottes in ihrem vollen Umfang nicht ertragen können. „Ja, Jesus war echter Mensch, aber seine Geburt war trotzdem anders als die Geburt anderer Menschen! Er kam auf unerklärliche Weise aus dem Schoß Mariens, nicht wie wir gebären“, sagte mir kürzlich eine Frau. Andere erklären, dass Jesus zwar wahrer Mensch gewesen sei, aber immer schon alles gewusst habe und nichts lernen musste. (Dagegen spricht die Bibel selbst: „Jesus wuchs heran, und seine Weisheit nahm zu…“, Lk 2,52.)
Wieso tun wir uns so schwer mit diesem Geheimnis unseres Glaubens, dass Jesus nicht nur wahrer Gott, sondern auch wahrer Mensch ist? Ein Mensch mit Haut und Haar, aus Fleisch und Blut, der von der Geburt bis zu seinem qualvollen Tod gelebt, gefeiert und gelitten hat, wie es Menschen tun … wie es Menschen tun, die ihr Menschsein ganz bejahen.
Allzu oft schwingen wir uns auf und meinen, wir hätten alles in der Hand, getrieben von Fantasien eigener Unfehlbarkeit und Unverwundbarkeit. Der wahre Mensch Jesus jedoch begab sich in eine totale Abhängigkeit von seinem Vater („Nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen!“ Lk 22,42). So konnte er in einem vertrauenden Frieden leben.
Auf dem Weg menschlichen Reifens geht es darum, immer mehr zu werden, was wir sind: Mensch! Das ist im christlichen Verständnis bereits ein zutiefst „geistlicher“ Weg, weil es der Weg Gottes in der Menschwerdung ist. Die Welt und ich selbst sind mir geschenkt, von Gott geschaffen und geliebt.
Das Modell des reifen Menschen ist Jesus Christus. In ihm zeigt sich, was der Mensch in seiner schönsten Verwirklichung ist. Von ihm her und im Glauben an ihn ist echtes Menschsein zu verstehen. Dazu gehört, dass wir unseren Leib ehren, dass wir ihm genügend Schlaf, Bewegung, gesunde Nahrung zukommen lassen. Dass wir unsere Gefühle und Bedürfnisse wahrnehmen und angemessen mit ihnen umgehen lernen, anstatt sie zu verdrängen. Von Jesus dürfen wir lernen, wie wir uns selbst lieben können und ebenso unsere Mitmenschen. Er ist DER Beziehungsmensch schlechthin. Er lehrt uns Entscheidungen zu treffen und mit allen Konsequenzen dahinter zu stehen, auch wenn es äußerlich ein Scheitern bedeutet. Der Mensch Jesus geht in die dunkelste Nacht und vertraut sich in der größten Not dem Vater an. So wird ihm Auferweckung, Neubeginn und eine große Freiheit geschenkt.
Was das mit Weihnachten zu tun hat? Weihnachten ist die Einladung an uns, wie Gott Mensch zu werden – immer mehr zu dem Menschen zu werden, als den Gott uns erdacht hat. Das wird nicht in einer Nacht geschehen, auch wenn es die Heilige Nacht ist. Aber diese Heilige Nacht kann der Beginn von einem wahrhalft menschlichen Weg in deinem, in meinem Leben sein.
Ich sage dir
Es gibt keine göttliche Amnestie,
die Dir das Werden erspart.
Du möchtest sein:
Du wirst nur in Gott sein.
Er wird Dich in seine Scheune einbringen,
nachdem Du langsam durch Deine Handlungen geworden und geknetet sein wirst.
Denn der Mensch braucht lang zum Geborenwerden.
Antoine de Saint-Exupéry
Als Kind stand das Fest Allerheiligen bei mir hoch im Kurs, denn in unserer Familie ist es Brauch, dass der Taufpate das Patenkind besucht und ein „Allerheiligenspitzel“ bringt. Das ist ein spezieller Hefezopf, der einfach „lecker“ schmeckt. Unter dem Hefezopf lag dann immer ein 20-DM-Schein.
Als ich 11 Jahre alt war, hat mir mein Firmpate ein Büchlein über den Hl. Don Bosco geschenkt. Das habe ich verschlungen. Bis heute ist dieser Heilige mein Vorbild. Und damit bin ich beim Stichwort des Festtages Allerheiligen. Vorbilder helfen. Sie spornen die Phantasie an, sie mobilisieren die Kräfte in einem, sie geben eine Hoffnung, dass es sich lohnt, für das Gute zu arbeiten.
Das ist das Fest Allerheiligen. Die Erinnerung an die vielen heiligmäßigen Menschen, die unbekannt blieben. Über diese Vorbilder können wir uns am Festtag Geschichten erzählen!
Die Eltern geben dem Kind den Vornamen und sind dafür verantwortlich. Das Kind muss mit diesem Namen sein ganzes Leben lang leben.
Eine Entscheidungshilfe bei der Namenssuche kann ein anderer Mensch oder auch ein Heiliger sein, der für Sie eine besondere Bedeutung hat. Oder man setzt eine Familientradition fort. Der Name steht stellvertretend für das, was Eltern ihrem Kind wünschen.
Man kann auch einem Kind mehrere Namen geben. Bei der Taufe besteht die Möglichkeit, einen zusätzlichen Taufnamen zu vergeben. Dieser hat offiziell keine Bedeutung, da er nicht in der Geburtsurkunde, sondern nur im Taufschein aufscheint.
Es ist eine alte christliche Tradition, dem Kind als Taufname den Namen eines oder einer offiziellen Heiligen zu geben. Die Verehrung von tugendhaften Menschen als nachahmenswerte Vorbilder gab es schon in der jungen Kirche der ersten Jahrhunderte. Märtyrer und Glaubenszeugen wurden bereits in frühchristlicher Zeit als Patrone für Kirchen benannt. Man verehrte sie als Vorbilder im Glauben sowie als Fürsprecher bei Gott.
In der Absicht, auch den Menschen unter den Schutz und die Fürsprache eines Heiligen zu stellen, wurde es zur Zeit der Kirchenväter im 3./4. Jahrhundert Sitte, Kindern Namen von Heiligen zu geben. Ab dem späten Mittelalter verstärkte sich die Tradition, den Namenstag als besonderen Tag des Schutzpatrons feierlich zu begehen.
In katholischen Ländern ist es auch Brauch, den Namen des Taufpaten bzw. der Taufpatin als zweiten Taufnamen zu wählen. Damit soll die geistliche Verbindung vom Paten zum Täufling noch deutlicher werden. Die Aufgabe wird in der Frage sichtbar, die am Anfang der Tauffeier gestellt wird: „Lieber Pate, die Eltern haben Sie gebeten, das Patenamt zu übernehmen. Auf ihre Weise sollen Sie mithelfen, dass aus diesem Kind ein guter Christ wird. Sind Sie dazu bereit?“
Pfarrer Martin Rupprecht
