Der Blick auf das Kreuz und der Blick Jesu vom Kreuz – Predigt

Was sehen wir gleich/was schaut uns an? Bleiben wir bei der Frage, die uns seit Aschermittwoch begleitet. Sie bekommt heute am Karfreitag eine besondere Note durch einen Ritus, den es nur am Karfreitag gibt; Sie wissen vermutlich schon, worauf ich anspiele. Ich meine die Kreuzverehrung. Wir werden in Kürze in der Mitte vorgehen, vor dem Kreuz niederknien, Blumen neben das Kreuz legen, gemeinsam davor singen, dass wir das Kreuz anbeten wollen.
Also: Wenn wir da vor dem Kreuz knien: Was schaut uns da an, was schauen wir an?
Zunächst einmal blickt uns ein Kreuz an, also etwas, das das Leben durchkreuzt, schwer macht, herausfordernd macht, niederdrückt, in letzter Konsequenz tötet. Vielleicht könnte man auch sagen, Lebensqualität nimmt, eigene und die der anderen. Im Blick und im Nachklingen-Lassen dessen, was gerade in der Johannespassion zu hören war: Im Kreuz schaue ich auf den letzten Weg Jesu, den Verrat an ihm, seine Verurteilung, die Qual, die ihm durch seine Peiniger zugefügt wird, seinen Tod. Im Kreuz erkenne ich damit aber gespiegelt mein eigenes Kreuz. Im Kreuz leuchtet das Versagen der Jünger auf, von denen außer einem keiner am Kreuz steht. Nochmals: Was mein Leben schwer macht, leiden lässt, an der Entfaltung hindert, meine Krankheit, meinen Tod. Im Kreuz schaut mich mein Leben an, und Kreuzverehrung heißt da zunächst ganz realistisch: Ich akzeptiere, dass dieser Weg so ist, wie er ist,
Ich schaue aber nicht nur ein leeres Kreuz an, vom Kreuz her blickt mich der an, der dort hängt. Und wenn ich wieder nachklingen lasse, was wir im Johannesevangelium gehört haben, dann war das letzte deutende Wort dessen, der da am Kreuz stirbt: „Es ist vollbracht“. Und vielleicht klingen dann noch ein paar andere Worte aus dem Johannesevangelium an oder nach, in denen Jesus genau davon spricht: Dass die Herrlichkeit Gottes am Kreuz offenbar wird. „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist durch ihn verherrlicht.“ lässt Johannes Jesus unmittelbar nach dem Verrat des Judas sprechen. Und wer das Johannesevangelium kennt, weiß, was der vierte Evangelist mit „verherrlichen“ meint. Den Tod Jesu am Kreuz, als den Moment, in dem die Herrlichkeit Gottes, seine Macht, seine Liebe, seine Größe, sein Gewicht sichtbar, spürbar wird. Für Johannes ist klar: Im Sterben Jesu wird Gottes Herrlichkeit sichtbar.
Im Blick auf den Weg durch diese heiligen vierzig Tage auf Ostern hin: Erinnern wir uns, was der zweite Fastensonntag in der Geschichte der Verklärung angedeutet hat. Die Welt, die durch die Sünde dunkel geworden ist, intransparent auf Gott hin, beginnt zu leuchten, wird durchscheinend, auf jenen Gott hin, der sie gut geschaffen hat, sogar sehr gut, um die Schlussstrophe des Schöpfungsliedes anklingen zu lassen.
Und beides gehört zusammen. Das Dunkel und das Licht des Kreuzes, das Kreuz als Zeichen des Todes und das Kreuz als Ort des Lebens, …

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