Groll – Predigt

Wer heutzutage Debatten verfolgt, sei es im kleinen, eher privaten Kreis oder öffentlich geführte, dem wird auffallen: Die Stimmung ist schnell gereizt. Es liegt viel Aggression in der Luft. Die Empörung nimmt rasch Fahrt auf. Eher wird die Faust gezeigt, nicht die geöffnete Hand.
Warum ist das so? Die vielen Krisen, die uns derzeit beschäftigen, erklären das nicht ganz. Irgendetwas ist da im Untergrund wirksam. Die Lesung aus dem Buch Jesus Sirach bietet uns ein Wort an: Groll. Der Weise des Alten Testaments stellt den Zorn daneben: Groll und Zorn, auch diese sind Gräuel und ein sündiger Mann hält an ihnen fest. Groll, das ist ein stiller Zorn; einer, der lang anhält; ein verborgener, angestauter Unwillen gegen jemanden oder überhaupt gegen die anderen.
Am Anfang steht eine Niederlage, ein Verlust, eine Kränkung, ein Zurückgesetztsein, das Gefühl dauernder Ohnmacht. Das kann einzelne oder ganze Nationen betreffen. Die Kränkung wird durchgekaut und wiedergekaut. Alles kann herhalten, um den Groll wieder anzufachen. Der Fehler liegt immer bei den anderen und nie bei einem selbst.
Wie entkommt man der Selbstvergiftung? Jesus Sirach empfiehlt, an den Tod zu denken: Denk an das Ende, lass ab von der Feindschaft, denk an Untergang und Tod und bleib den Geboten treu! Grolle dem Nächsten nicht, denk an den Bund des Höchsten und übersieh die Fehler! (28,6-7) Irgendwann, nach viel innerer Arbeit, muss es zu einem Drübersteigen kommen. Jesus Sirach nennt es die Fehler des Nächsten übersehen. Und: Jesus Christus hat viele Kränkungen und Demütigungen erleben müssen. Er hat sie nicht aufgerechnet, sondern getragen und weggetragen. Jetzt können auch wir den Groll aus dem Weg räumen, erneut Ja zum Leben sagen und vergeben.

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