Vom Dunkel zum Licht – Predigt

Dr. Nikolaus KrasaIn der Auferstehungsfeier am Morgen des Ostersonntags (5.00 Uhr-05.04.2026) griff Generalvikar Dr. Nikolaus Krasa in Schonbrunn-Vorpark die Dramaturgie dieser Feier auf: Vom Dunkel zum Licht, brachte das in Verbindung mit Texten, die wir in der Fastenzeit gehört haben, und öffnete die Perspektive auf die Osterzeit und unser Leben als Erlöste, Geliebte.


Was strahlen wir wider? Wie schaut uns die Welt an, und was leuchtet aus unserem Blick zurück? Das war die Frage, die uns in Variationen seit Aschermittwoch durch diese Zeit bis heute begleitet hat. Vielleicht sogar mehr als eine rein intellektuelle Frage. Vielleicht so etwas wie eine Erfahrung. Denn, was ich anschaue oder wie mich jemand anschaut, das macht etwas mit mir, verändert mich

Wie schauen Sie mich, wie schauen Sie einander in dieser Nacht an? Rekapitulieren wir kurz den Beginn dieser Feier. Denn, was da vor etwas mehr als einer Stunde geschehen ist, spricht wieder diese Erfahrung des Anschauens und Angeschaut-Werdens an. Wie war es am Beginn in der Kirche? Finster, man hat kaum etwas gesehen, vielleicht schemenhaft die Köpfe, und dass da jemand neben mir steht. Wir konnten einander eigentlich nicht anschauen. Erinnern Sie sich noch an den ersten Sonntag der Fastenzeit? An die Grunderfahrung, die die Geschichte von Adam und Eva anklingen lassen will. Sünde macht blind. Nachdem die beiden vom Baum gegessen hatten, können sie einander nicht mehr anschauen, sie müssen sich bekleiden, können sie Gott nicht mehr sehen, ja laufen sogar vor ihm davon und drücken das auch verbal aus: Auf die Frage Gottes, was passiert ist, sagt Adam: „Die Frau, die du mir gegeben hast, sie hat mir zu essen gegeben.“ Also ganz einfach auf Wienerisch: „I woas net.“Schuld sind die anderen, die Frau und letztlich du, Gott (denn für die Frau bist ja da zuständig).“ Sünde macht blind: füreinander, für uns selbst, für Gott. Oder macht zumindest das Schauen anstrengend. Im Blick auf die erste Lesung, die wir in dieser Nacht gehört haben: Das Erste, was Gott tut, was Beginn seiner Schöpfung ist, das Licht, das er erschaffen hat, geht jetzt wieder aus. Oder in verbalen Kategorien, das ist ja der 6fach wiederholte Refrain: Es ist nicht mehr gut, schon gar nicht mehr sehr gut (die Konsequenz für Gott ist die Flutgeschichte) …

Dieses Dunkel gibt es in unserer Welt, in unserem Leben; das ein Stück in uns zu entdecken, ist Sinn der Österlichen Bußzeit (deshalb stand auch das Evangelium von der Versuchung Jesu am Beginn dieser Zeit). Und das uns nochmals ins Bewusstsein zu rufen, ist Sinn des Beginns der Osternacht. Deshalb feiern wir in der Nacht (vielerorts auch durch die Nacht), bleiben wach oder stehen früher auf, merken, dass wir müde sind. In gewisser Weise haben Adam und Eva das Licht wieder abgedreht (oder zumindest heruntergedimmt), das Gott am ersten Schöpfungstag aufgedreht hat. 

Was ist dann in dieser Nacht geschehen? Wir haben uns von der Osterkerze, vom auferstandenen Christus, das Licht geholt, unsere Kerzen entzündet. Und damit wurde es nicht nur in der Kirche ein Stück heller, auf einmal waren auch unsere Gesichter wieder erkennbar. Unsere Gesichter haben nicht aus sich selbst heraus geleuchtet (wir beherrschen das Phänomen der Bioluminiszenz nicht, sind keine großen Glühwürmchen), sie wurden vom Osterlicht erhellt. Wir strahlen, um Paulus zu zitieren, (Sie erinnern sich vielleicht noch an den Aschermittwoch) mit enthülltem Antlitz die Herrlichkeit Christi wider.Wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.“ heißt es in 2 Kor 3,18. Mit enthülltem Antlitz: Wir brauchen keine Maske, kein Makeup; so, wie wir sind, strahlen wir die Herrlichkeit der Auferstehung, das Licht der Auferstehung wider, mehr noch, kein oberflächliches Geschehen, sondern etwas, das uns innerlich verwandelt: Wir werden in sein Bild verwandelt. Werden das, was Gott von der Schöpfung an mit uns vorhatte: Bild und Gleichnis Gottes, wie es in Genesis 1 heißt. Das Licht geht wieder an, es ist wieder sehr gut. 

Wie das geht? Erinnern wir uns an den Beginn unserer Osterfeier am Gründonnerstag: Christus begibt sich bei der Fußwaschung auf Augenhöhe mit seinen Jüngern. Gott auf Augenhöhe mit uns Menschen heißt, er teilt das, was am menschlichsten beim Menschsein ist, er teilt den Tod mit uns und er lässt uns an dieser seiner Erfahrung teilhaben. Wir können mit ihm sterben, um mit ihm in einem neuen Leben zu wandeln (so hat es Paulus in der heutigen Epistel formuliert). Das geschieht, geschah in unserer Taufe. Das geht nicht von heute auf morgen. Das ist ein langer Weg, wir feiern Ostern nicht nur 40 Tage, sondern, länger als die Fastenzeit, 50 Tage, wir feiern danach Ostern weiter jeden Sonntag, wir feiern Ostern unser ganzes Leben. Sein liebevoller Blick auf uns, seine liebevolle Berührung durch die Sakramente haben die Kraft, genau das zu tun: uns in sein Bild zu verwandeln.