Wie hat alles angefangen? – Predigt
Einen Tag nach der Weihe des neuen Erzbischofs von Wien Josef Grünwidl und am Sonntag des Wortes Gottes (25.01.2026) stellte Dr. Johann Pock in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark die Frage, wie alles angefangen hat, und zeigte auf, wie die Tätigkeit Jesu begonnen hat und was daraus für uns folgt.
Wie hat alles angefangen? Das ist eine Frage, die man sich im Laufe des Lebens im Rückblick wohl so manchmal stellt. Wie hat alles angefangen, mit der Beziehung, mit meinem Beruf? Wie hat es angefangen mit einer Krankheit? Oder auch mit dem Glauben.
Oder im Umfeld der Bischofsweihe von Erzbischof Josef Grünwidl: Wie viele da gefragt haben, wie bei ihm alles angefangen hat – mit dem Glauben, mit seiner Liebe zur Musik, mit der Theologie und dem Priestersein.
Und auch die junge Kirche fragte sich: Wie hat alles angefangen?
Gerade die Bibel berichtet uns von den Anfängen: Vom Anfang der Welt in der Schöpfungserzählung; vom Anfang der Verheißungen; vom Anfang des berufenen Volkes. Und dann auch vom Anfang des christlichen Glaubens. Die ganze Bibel ist ein Glaubenszeugnis über Jahrhunderte hinweg.
Zu Weihnachten haben wir mehrfach gehört: „Am Anfang war das Wort“ – So beginnt das Johannesevangelium. Es ist eher griechisch-philosophisch ausgerichtet. Aber gerade auch der Sonntag des Wortes Gottes verweist auf die Bedeutung dieses Wortes.
Das Leitevangelium in diesem Jahr ist das Evangelium nach Matthäus. Es begleitet uns durch das ganze Kirchenjahr. Wie schildert er diese Anfänge?
1) Der Evangelist Matthäus erzählt von einem relativ unspektakulären Beginn: Jesus zieht sich nach seiner Taufe am Jordan zurück. Und er beginnt seine öffentliche Tätigkeit nicht im Zentrum des religiösen, gesellschaftlichen und politischen Lebens, also in Jerusalem, sondern in einer von vielen verachteten Gegend in Galiläa, in seiner Heimat. Er beginnt bei einem Volk, von dem schon Jesaja gesagt hat: Es ist ein Volk, das im Dunkel sitzt, in einem Land, das nicht nur von den Menschen, sondern auch vom Herrn verachtet ist.
Den Menschen, die im Land der Finsternis wohnen, will Jesus Licht aufstrahlen lassen; er will das drückende Joch und den Stock des Treibers zerbrechen. Er will das verachtete Land zu Ehren bringen. Die ersten, an die Jesus sich wendet, sind also nicht die Reichen, die Angesehenen, die Mächtigen, sondern die Verlassenen, die Verachteten, jene, die im Dunkel sitzen. Sein erstes Zeichen ist es, dass er sich auf die Seite der Armen stellt.
Also der erste Akzent am Anfang: Er geht an die Ränder; er geht zu den Armen; er verlegt das Zentrum seines Wirkens an die Peripherie.
2) Und was ist der erste Inhalt seiner Reden, seine ersten überlieferten Worte? Er verkündet: „Das Reich Gottes ist nahe“. Und er ruft zur Umkehr: „Bekehrt euch“.
Jesus will Menschen Hoffnung geben. Sie soll die Menschen, die im Dunkel sitzen, zur Umkehr befähigen. Sie soll helfen, sie von Verzweiflung zu befreien und ermutigen, Fehlhaltungen – Sünden – aufzugeben. Den Menschen Hoffnung geben und durch die Hoffnung Umkehr zu ermöglichen, ist ein zweites Prinzip christlichen Lebens und Wirkens.
Daher die Botschaft: Das, worauf ihr wartet, beginnt. Ihr stöhnt unter dem Joch des römischen Reiches. Ihr fühlt euch unterdrückt und unfrei. Doch Erlösung ist nahe: Der Messias; der Befreier.
Und deshalb: Ihr müsst euch ändern! Wenn Gott nahe ist, dann muss das Auswirkungen haben. Wenn Mächtige kommen, bereitet man den ganzen Ort; man schmückt alles; man will möglichst gut dastehen. Wenn Gott aber kommt, dann geht es um das Innere: Bereit euer Inneres; bekehrt euch.
Jesus verkündet das nahe Gottesreich – und die notwendige Umkehr.
3) Und nun drittens die Frage: Was tut Jesus?
Er redet nicht nur von Gottes Reich. Sondern er verkündet das Wort Gottes in einer Weise, die aufhorchen lässt: Er heilt Kranke, er bricht die Macht des Bösen, er vergibt Sünden. Diese Zeichen helfen den Menschen, an seine Botschaft zu glauben. Sein Wort, seine Handlungen stimmen überein. Er redet von der Befreiung durch Gott – und er befreit Menschen von dem, was sie belastet.
Zu diesen Handlungen Jesu gehört aber auch: Jesus sucht sich Mitarbeiter. Das heutige Evangelium berichtet, wie Jesus Menschen aus ihrer bisherigen Lebensweise herausruft, sie einlädt mit ihm zu gehen und zu wirken. „Kommt her und folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen“. Sie sollen „Menschen fischen“. Das heißt: Sie sollen Menschen für das Reich Gottes gewinnen, indem sie an der Sendung Jesu Anteil haben.
Jesus sucht Mitarbeiter bewusst nicht aus der religiösen oder politischen Elite aus. Es sind einfache Fischer, Bauern, Handwerker… Und er führt sie ein in das, was ihm wichtig ist – indem sie ihn begleiten, ihm nachfolgen. Indem sie ihm zuhören und darauf achten, was er tut.
Dass er hier nur Männer aussucht, ist sicherlich der damaligen Zeit geschuldet, in der es nicht üblich war, dass Frauen herumzogen. Zugleich aber waren wichtige Frauen unter seinen Jüngerinnen dabei und haben zur Weitergabe des Wortes Gottes wesentlich beigetragen.
Letztlich sollen je nach ihrer Sendung alle Christinnen und Christen Mitarbeitende Jesu sein – und sie bedürfen dafür einer lebenslangen Schule. Sie sollen mit ihm gehen. Nur so werden sie fähig, das zu tun, was er ihnen aufträgt: Mithelfen, dass Menschen, die im Dunkel sitzen, ein Licht aufstrahlt.
Zusammenfassend gibt es also drei Akzente bei Matthäus: Jesus ist auf der Seite der Verstoßenen; er verkündet den Anbruch des Reiches Gottes; und er redet nicht nur, sondern befreit Menschen und holt sich dazu Mitarbeiter.
Nochmals die Frage vom Beginn: Wie hat alles angefangen?
Der Blick auf den Anfang ist wie ein Blick auf einen Kompass: Er ermöglicht uns, wieder die richtige Richtung einzuschlagen; den richtigen Weg zu finden – und das ist ein gemeinsamer Weg der Menschen mit Jesus. Er ist ein Weg der Verheißung, und nicht der Sicherheiten. Ein Wagnis; ein Gang an die Ränder. Aber zugleich doch auch mit einer Gewissheit: Wer Jesus folgt, dem wird es nicht langweilig; da verändert sich etwas. Es ist nicht immer leicht; es ist anspruchsvoll – aber er hat etwas zu bieten: Nämlich ein Leben, das lebenswert ist.

In seiner Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis (18.01.2026) in Schönbrunn-Vorpark nahm Dr. Nikolaus Krasa die Gemeinde mit auf eine Reise von Boskovitz über den Jordan nach Schönbrunn-Vorpark. Er bezog sich dabei auch auf den Tag des Judentums (heuer 17.1.), der seit dem Jahr 2000 am Vortag der Gebetswoche um die Einheit der Christen (heuer 18.-25.1.) begangen wird.
Wenn wir sagen ‚Das ist mein letztes Wort!‘ meint das etwas ganz anderes, als wenn Gott nach dem Wort des Anfangs auch sein letztes Wort spricht. Darüber predigte Dr. Christoph Benke zu Weihnachten (25.12.2025) in Schönbrunn-Vorpark.