Völlig fertig

Ich bin völlig fertig: Wer das sagt, fühlt sich erschöpft, entkräftet. Eine lange Krankheit, ein anforderndes Schuljahr, ein gärender Konflikt, die Mühsal des Alters. Vielleicht sagt das jemand im Rückblick auf ein ganzes Leben, das nicht auf der Butterseite war.
Wer völlig fertig ist, kann der noch etwas vom Leben erwarten? Darf oder muss sogar, wer völlig fertig ist, noch etwas vom Leben erwarten? Darauf gibt der christliche Glaube eine Antwort, die zugegeben steil und herausfordernd ist: Auch wenn wir uns völlig fertig fühlen oder es sind, das Beste kommt erst noch! Es ist eine Perspektive des Glaubens. Der sagt: Wir leben in Erwartung. Wir warten nicht auf etwas, sondern auf jemand. Wir gehen auf eine Begegnung zu. Wir glauben an das zweite Kommen des Erlösers, auf die Wiederkunft Christi.
Die Herausforderung liegt darin, während eines ganzen und möglicherweise langen Lebens diese Spannung aufrechtzuerhalten. Es geht um ein Wachbleiben: Seid wie Menschen, die auf ihren Herrn warten, der von einer Hochzeit zurückkehrt, damit sie ihm sogleich öffnen, wenn er kommt und anklopft! Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! (Lk 12,36-37)
Das Beste kommt also erst noch: Wir gehen auf unsere Vollendung zu. Die Begegnung mit Christus, dem Sohn, lässt uns einmal begreifen, welches Bild Gott-Vater immer schon für uns hatte, wer wir werden und sein sollten. Die Differenz, unser Zurückbleiben, wird uns schmerzen. Aber wir hoffen, dass der Auferstandene dann das ersetzt, was uns noch fehlt. Dann sind wir voll-endet, also völlig fertig – aber im besten Sinn!


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