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Will Jesus I-Tüpfel-Reiter?

Dr. Nikolaus KrasaGeneralvikar Dr. Nikolaus Krasa erläuterte in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 6. Sonntag im Jahreskreis (15.02.2026), worauf Jesus hinauswollte, wenn er in der Bergpredigt über die Gesetze der Thora hinausgehend sagte „Ich aber sage euch…“.


Als ich ihn Rom gelebt habe, habe ich gelernt, dass dort die Verkehrsampeln unterschiedliche Bedeutung haben, je nach Tageszeit (das ist, gestehe ich, 30 Jahre her, hat sich vermutlich auch ein Stückchen geändert). Also tagsüber war eine rote Ampel eine rote Ampel. Klar, dass man da mit dem Auto stehen blieb. (Etwas weiter im Süden war das dann schon wieder ein bisschen anders: in Neapel hat eine rote Ampel nicht unbedingt stehen bleiben geheißen).In Rom jedenfalls war das in der Nacht dann anders, also, in der richtigen Nacht, wo dann doch die meisten geschlafen haben, so ab etwa 2 Uhr in der Früh. Da waren roten Ampeln mehr so Hinweisgeber: Achtung, wenn bei der Kreuzung ein Auto kommt, dann lass ihm die Vorfahrt, aber sonst fahr… Fußgängerampeln waren sowieso nur Hinweisgeber: Achtung, Kreuzung mit viel Verkehr, aber nicht unbedingt: warten, bis es grün wird…

Wie ist das mit Jesus? Im ersten Blick sagt er im heutigen Evangelium. Egal wie sinnvoll es ist, bleib stehen, wenn die Ampel rot ist, ja eigentlich, im Blick auf den Sager mit dem Jota (das ist der kleinste Buchstabe im hebräischen Alphabet), auch wenn die Ampel erst gelb blinkt, ja vielleicht sogar, wenn du weißt, jetzt dauert die Grünphase schon sehr lange: Bleib stehen. Erfülle das Gesetz zu 100, vielleicht sogar zu 110%. (Die Geschichte mit dem Jota drückt die nicht mehr ganz gebräuchliche Redewendung vom „I-Tüpfel-Reiter“ aus.) Mach‘s genauer, als gefordert ist. Das scheint ja der Duktus der sogenannten Antithesen zu sein, die wir heute im Evangelium gehört haben. „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist…“ Dann folgt ein Stück Torah, also ein Stück Gesetzestext. „Ich aber sage euch…“, dann folgt eine Auslegung Richtung Übererfüllung. Also: nicht töten (das ist Torah), nein mehr, nicht einmal zürnen; oder: nicht Ehe brechen (das ist Torah), nein (aus Männerperspektive), nicht einmal eine Frau entsprechend sehnsuchtsvoll anschauen; nicht zum Bösen verführen lassen (Torah), gleich das Auge ausreißen, das verführt; nicht Scheidebrief (Torah), gar keine Scheidung usw. (die Liste geht weiter. Wenn kommenden Sonntag nicht die Fastenzeit begänne, würden wir die Fortsetzung als Evangelium hören.).

Was ist die Intention Jesu? Das Leben der Menschen noch komplizierter machen (also zu schon bestehenden Regeln noch mehr und schwierigere dazu tun)? Uns zu Gesetzesfreaks machen (Sie kennen so Menschen, die alles 200%ig erfüllen wollen, ziemlich nervige Angelegenheit) – eben so richtige I-Tüpfel-Reiter? Was ist der Kontext? Wir sind in einem typischen jüdischen Streitgespräch. Ziel so eines Gespräches ist es, eine Schriftstelle, einen Gesetzestext besser zu verstehen. Die Methode ist ganz einfach: Spitze die Fragestellung oder die Konfliktsituation immer mehr zu mit dem Ziel, den Text, über den man diskutiert, besser zu verstehen. Und genau das ist der Punkt. Jesus möchte seine Jünger nicht zu Gesetzesfreaks machen, zu 200 Prozent Erfüllern aller biblischen und sonstigen Gesetze. Die Zuspitzung hat einen anderen, eigentlich auch für uns recht selbstverständlichen Sinn. Es geht darum, die Gesetze ihrem Sinn nach zu verstehen und zu leben. Also beim ersten etwa: Wenn es beim menschlichen Zusammenleben nur darum geht zu vermeiden, dass wir einander umbringen, ist das allein wahrscheinlich nicht der Garant für ein gutes Zusammenleben. Es wäre ja besser, wir würden grundsätzlich darauf achten, gut miteinander auszukommen, sodass die Eskalation von Ärger und Zorn, der Mord gar nicht vorkommen. Und damit ist Jesus theologisch mitten in der Diskussion seiner Zeit (die wir mitbekommen hätten, wenn wir bei der Lesung aus dem Buch Jesus Sirach auch die 10 Verse davor gehört hätten. Da ist nämlich von der Weisheit Gottes die Rede, die schon bei der Schöpfung an Gottes Seite war und die hilft, das Gesetz zu erfüllen. Mit anderen Worten: Eigentlich hat die Schöpfung von Gott her eine gute, weise Ordnung. Eine ungeschriebene Torah. Lang bevor Mose seinem Volk vom Sinai her die Torah Gottes bringt. Letztere ist nötig, um in einer durch Sünde, durch Gewalt, durch Unrecht geprägten Welt zumindest wieder an diese Ordnung zu erinnern, ihr zur Geltung zu verhelfen. Das Licht der Torah soll im Dunkel dieser Welt etwas vom Licht Gottes sichtbar machen (so etwa würde das Buch der Weisheit formulieren). Vielleicht erinnern Sie sich jetzt an das Evangelium vom vergangenen Sonntag, das unserem Text unmittelbar vorausgeht. Wo soll die Schöpfungsordnung Gottes in dieser Welt wieder aufleuchten? „Ihr seid das Licht der Welt“, hat Jesus formuliert. Ihr seid die, die Gottes Torah ihrem Sinn entsprechend leben, und, wie es quasi im Schlusssatz geheißen hat: „So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Wie hat alles angefangen?

Dr. Hans PockEinen Tag nach der Weihe des neuen Erzbischofs von Wien Josef Grünwidl und am Sonntag des Wortes Gottes (25.01.2026) stellte Dr. Johann Pock in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark die Frage, wie alles angefangen hat, und zeigte auf, wie die Tätigkeit Jesu begonnen hat und was daraus für uns folgt.


Wie hat alles angefangen? Das ist eine Frage, die man sich im Laufe des Lebens im Rückblick wohl so manchmal stellt. Wie hat alles angefangen, mit der Beziehung, mit meinem Beruf? Wie hat es angefangen mit einer Krankheit? Oder auch mit dem Glauben.

Oder im Umfeld der Bischofsweihe von Erzbischof Josef Grünwidl: Wie viele da gefragt haben, wie bei ihm alles angefangen hat – mit dem Glauben, mit seiner Liebe zur Musik, mit der Theologie und dem Priestersein.

Und auch die junge Kirche fragte sich: Wie hat alles angefangen?

Gerade die Bibel berichtet uns von den Anfängen: Vom Anfang der Welt in der Schöpfungserzählung; vom Anfang der Verheißungen; vom Anfang des berufenen Volkes. Und dann auch vom Anfang des christlichen Glaubens. Die ganze Bibel ist ein Glaubenszeugnis über Jahrhunderte hinweg.

Zu Weihnachten haben wir mehrfach gehört: „Am Anfang war das Wort“ – So beginnt das Johannesevangelium. Es ist eher griechisch-philosophisch ausgerichtet. Aber gerade auch der Sonntag des Wortes Gottes verweist auf die Bedeutung dieses Wortes.

Das Leitevangelium in diesem Jahr ist das Evangelium nach Matthäus. Es begleitet uns durch das ganze Kirchenjahr. Wie schildert er diese Anfänge?

1) Der Evangelist Matthäus erzählt von einem relativ unspektakulären Beginn: Jesus zieht sich nach seiner Taufe am Jordan zurück. Und er beginnt seine öffentliche Tätigkeit nicht im Zentrum des religiösen, gesellschaftlichen und politischen Lebens, also in Jerusalem, sondern in einer von vielen verachteten Gegend in Galiläa, in seiner Heimat. Er beginnt bei einem Volk, von dem schon Jesaja gesagt hat: Es ist ein Volk, das im Dunkel sitzt, in einem Land, das nicht nur von den Menschen, sondern auch vom Herrn verachtet ist.

Den Menschen, die im Land der Finsternis wohnen, will Jesus Licht aufstrahlen lassen; er will das drückende Joch und den Stock des Treibers zerbrechen. Er will das verachtete Land zu Ehren bringen. Die ersten, an die Jesus sich wendet, sind also nicht die Reichen, die Angesehenen, die Mächtigen, sondern die Verlassenen, die Verachteten, jene, die im Dunkel sitzen. Sein erstes Zeichen ist es, dass er sich auf die Seite der Armen stellt.

Also der erste Akzent am Anfang: Er geht an die Ränder; er geht zu den Armen; er verlegt das Zentrum seines Wirkens an die Peripherie.

2) Und was ist der erste Inhalt seiner Reden, seine ersten überlieferten Worte? Er verkündet: „Das Reich Gottes ist nahe“. Und er ruft zur Umkehr: „Bekehrt euch“.

Jesus will Menschen Hoffnung geben. Sie soll die Menschen, die im Dunkel sitzen, zur Umkehr befähigen. Sie soll helfen, sie von Verzweiflung zu befreien und ermutigen, Fehlhaltungen – Sünden – aufzugeben. Den Menschen Hoffnung geben und durch die Hoffnung Umkehr zu ermöglichen, ist ein zweites Prinzip christlichen Lebens und Wirkens.

Daher die Botschaft: Das, worauf ihr wartet, beginnt. Ihr stöhnt unter dem Joch des römischen Reiches. Ihr fühlt euch unterdrückt und unfrei. Doch Erlösung ist nahe: Der Messias; der Befreier.

Und deshalb: Ihr müsst euch ändern! Wenn Gott nahe ist, dann muss das Auswirkungen haben. Wenn Mächtige kommen, bereitet man den ganzen Ort; man schmückt alles; man will möglichst gut dastehen. Wenn Gott aber kommt, dann geht es um das Innere: Bereit euer Inneres; bekehrt euch.

Jesus verkündet das nahe Gottesreich – und die notwendige Umkehr.

3) Und nun drittens die Frage: Was tut Jesus?

Er redet nicht nur von Gottes Reich. Sondern er verkündet das Wort Gottes in einer Weise, die aufhorchen lässt: Er heilt Kranke, er bricht die Macht des Bösen, er vergibt Sünden. Diese Zeichen helfen den Menschen, an seine Botschaft zu glauben. Sein Wort, seine Handlungen stimmen überein. Er redet von der Befreiung durch Gott – und er befreit Menschen von dem, was sie belastet.

Zu diesen Handlungen Jesu gehört aber auch: Jesus sucht sich Mitarbeiter. Das heutige Evangelium berichtet, wie Jesus Menschen aus ihrer bisherigen Lebensweise herausruft, sie einlädt mit ihm zu gehen und zu wirken. „Kommt her und folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen“. Sie sollen „Menschen fischen“. Das heißt: Sie sollen Menschen für das Reich Gottes gewinnen, indem sie an der Sendung Jesu Anteil haben.

Jesus sucht Mitarbeiter bewusst nicht aus der religiösen oder politischen Elite aus. Es sind einfache Fischer, Bauern, Handwerker… Und er führt sie ein in das, was ihm wichtig ist – indem sie ihn begleiten, ihm nachfolgen. Indem sie ihm zuhören und darauf achten, was er tut.

Dass er hier nur Männer aussucht, ist sicherlich der damaligen Zeit geschuldet, in der es nicht üblich war, dass Frauen herumzogen. Zugleich aber waren wichtige Frauen unter seinen Jüngerinnen dabei und haben zur Weitergabe des Wortes Gottes wesentlich beigetragen.

Letztlich sollen je nach ihrer Sendung alle Christinnen und Christen Mitarbeitende Jesu sein – und sie bedürfen dafür einer lebenslangen Schule. Sie sollen mit ihm gehen. Nur so werden sie fähig, das zu tun, was er ihnen aufträgt: Mithelfen, dass Menschen, die im Dunkel sitzen, ein Licht aufstrahlt.

Zusammenfassend gibt es also drei Akzente bei Matthäus: Jesus ist auf der Seite der Verstoßenen; er verkündet den Anbruch des Reiches Gottes; und er redet nicht nur, sondern befreit Menschen und holt sich dazu Mitarbeiter.

Nochmals die Frage vom Beginn: Wie hat alles angefangen?

Der Blick auf den Anfang ist wie ein Blick auf einen Kompass: Er ermöglicht uns, wieder die richtige Richtung einzuschlagen; den richtigen Weg zu finden – und das ist ein gemeinsamer Weg der Menschen mit Jesus. Er ist ein Weg der Verheißung, und nicht der Sicherheiten. Ein Wagnis; ein Gang an die Ränder. Aber zugleich doch auch mit einer Gewissheit: Wer Jesus folgt, dem wird es nicht langweilig; da verändert sich etwas. Es ist nicht immer leicht; es ist anspruchsvoll – aber er hat etwas zu bieten: Nämlich ein Leben, das lebenswert ist.

 

Das erste und das letzte Wort

Dr. Christoph BenkeWenn wir sagen ‚Das ist mein letztes Wort!‘ meint das etwas ganz anderes, als wenn Gott nach dem Wort des Anfangs auch sein letztes Wort spricht. Darüber predigte Dr. Christoph Benke zu Weihnachten (25.12.2025) in Schönbrunn-Vorpark.


Das ist mein letztes Wort: Wenn das kommt, hat ein Gespräch eine bestimmte Richtung genommen. Es ist an einem Punkt, an dem es kaum noch weiter geht. Mit Das ist mein letztes Wort steht etwas Endgültiges, Unumstößliches im Raum (eine Aussage, ein Entschluss), jedenfalls etwas mit großer Bedeutung. Das letzte Wort ist ein Schlussstrich.

Das Evangelium des Weihnachtstages bietet einen Kontrast. Es spricht nicht vom Letzten, sondern vom Anfang. Es geht ebenfalls um ein Wort. Aber dieses Wort ist der Anfang schlechthin: Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott.

Im Anfang war das Wort. Das erinnert daran, wie die Heilige Schrift anfängt: „Und Gott sprach“ – so heißt es immer wieder im Buch Genesis. Alles hat mit einem Wort Gottes begonnen. Gott wollte sich öffnen, aus sich herausgehen, er tat es mit einem kreativen Wort. Seither war dieses Wort in der Welt, sozusagen in und mit der Schöpfung immer da. War das Schöpfungswort Gottes „letztes Wort“?

Nein, das war noch nicht Gottes letztes Wort. Gottes letztes Wort, das ist sein Zur-Welt-Kommen, sein Eingehen in die Materie, seine Fleischwerdung: Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. (Joh 1,14)

Das ist Gottes letztes Wort. Das ist nicht mehr zu toppen. Mehr und Anderes und Neues ist nicht zu erwarten. Deshalb müssen wir uns an den Sohn halten. Er hat Kunde gebracht. Wir dürfen vom Sohn, vom Kind, aus seiner Fülle empfangen und wir benötigen unser ganzes Leben, um ein wenig davon zu begreifen.

Der Lärm der Welt und das Wort Gottes – Predigt

Dr. Christoph BenkeÜber den vielfältigen Lärm der Welt, in den das Wort Gottes als Kind kommt, predigte Dr. Christoph Benke in der Heiligen Nacht in Schönbrunn-Vorpark.


Diese Nacht gilt als eine besondere Nacht, sogar als Heilige Nacht. Wir gehen auf die Mitternacht zu. Nachher werden wir Stille Nacht singen. Aber still ist es jetzt nicht und wird es nachher auch nicht sein. Unablässig fließt der Straßenverkehr, laut und aufdringlich. Man kann ihm nicht entkommen.

Der Geräuschpegel kommt nicht nur von der Straße. Die Welt als ganze macht Lärm. „Lärm der Welt“ meint nicht nur eine Anzahl von Dezibel. Der „Lärm der Welt“ besteht aus Dauerthemen: eine neue weltpolitische Lage, die ökologische Krise, Ukraine und Gaza, Terror, das Erstarken antidemokratischer Kräfte, das wirtschaftliche Tief, vier Wochen Nebel. Das macht Ein-Druck. Das wirkt wie eine andauernde Beschallung. Kaum auszuhalten, höchstens, indem man noch mehr Lärm macht gegen die nagende Angst.

Gibt es irgendwo dazwischen noch Ruhe und Frieden? Gibt es noch Hoffnung für die Welt? Was können wir dem Lärm der Welt entgegenhalten, damit er uns nicht hinunterzieht?

Wir feiern die Geburt eines Kindes. Gott kommt in die Welt, zu uns. An diesem göttlichen Kind können wir etwas ablesen. Das Kind ist ein, nein: Es ist das Wort Gottes. Es lautet: ‚Ich halte trotzdem zu dieser Welt‘. Das Christuskind ist das Dennoch Gottes.

Gott kommt als Kind, hinein in den Lärm der Welt. Der Lärm der Welt macht Ein-Druck. Das Kind ist klein und schwach. Ob es gegen den Lärm der Welt ankommt? Ob uns dieses Kind beeindruckt? Das liegt jetzt auch an uns, ist auch unsere Verantwortung.

Das Christus-Kind sucht – wie jedes Kind – Gehör. Denn es will uns sagen: Es gibt Hoffnung. Gott lässt seine Schöpfung nicht allein. Gott wird Mensch. Er teilt unser Leben, von Anfang bis zum Ende – und darüber hinaus.

Untergangsszenarien und Hoffnung? – Predigt

Dr. Hans PockWas sagen uns Texte über Untergangsszenarien und Warnungen vor falschen Propheten als Lesungen an den letzten Sonntagen des Kirchenjahres? Und wie hängen sie mit der Hoffnung, die uns zugesagt wird, zusammen? Darüber predigte Dr. Johann Pock am 33. Sonntag im Jahreskreis (16.11.2025 )in Schönbrunn-Vorpark.


Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Da kommt man in den Gottesdienst und möchte sich aufbauen lassen; möchte hören, dass alles gut ist – und dann hören wir im Evangelium am Ende des Kirchenjahres so schwermütige Texte; die Rede ist von Zeichen des Untergangs; wir werden dazu ermahnt, wachsam zu sein.

Und stimmt das nicht mit unserer Wahrnehmung unserer Zeit überein? In der ganzen Welt sehen wir Zeichen der Angst: Kriege in vielen Ländern; die Sorge um die Zerstörung der Schöpfung; die drohende Klimakatastrophe, eine versinkende Stadt Venedig – auf der Klaviatur der Ängste der Menschen kann man heute leicht spielen und sogar Wahlen gewinnen.

Was kann und will uns in dieser Situation ein solches Evangelium sagen? Drei Punkte: Die Ankündigung des Endes / die Mahnung, sich nicht irreführen zu lassen / und das Wort von der Hoffnung.

1) Die Ankündigung

„Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden.“

Als der Evangelist das niederschreibt, ist der Tempel in Jerusalem bereits zerstört, Jesus ist 40 Jahre zuvor gestorben; wir schreiben das Jahr 70 n.Chr. Für die Jünger Jesu, für die junge Christenheit hat sich damit Jesu Ankündigung bereits erfüllt. Es ist für sie ein Zeichen, dass Jesu Worte wahr waren: Die Welt, wie sie sie bis dahin kannten, gibt es nicht mehr.

Wir dürfen also solche Texte nicht als Ankündigung für heute lesen, als ob bald alles untergehen würde.

Die Jünger der ersten Jahrhunderte erlebten viel Verfolgung wegen ihres Glaubens. Ihnen gelten diese Worte: Lasst euch nicht ängstigen.

Auch wenn ihr verfolgt werdet: Das Wort Jesu gilt. Wie seine Weissagung über die Zerstörung des Tempels wahr ist – so ist auch seine Auferstehung wahr.

Keinesfalls sind die Hinweise auf die Erdbeben und Katastrophen ein Hinweis auf mögliche Strafen Gottes, wie es auch ab und zu verkündet wird. Für die Christen war es anders: Damit wird gesagt – all das, was Jesus gesagt hat, stimmt. Also auch, dass er der Sohn Gottes ist. Und es stimmt, dass damit der Tod nicht mehr das letzte Wort hat.

2) „Lasst euch nicht irreführen“

Dieses Wort ist wohl eines der wichtigsten im heutigen Evangelium: Die Mahnung, auf die rechten Zeichen zu achten. Die Mahnung, nicht falschen Propheten nachzulaufen.

So leicht geschieht dies heute: Wie der Rattenfänger von Hameln spielen heute so manche Personen die Flöte des Populismus. Sie sagen das, was die Leute hören wollen. Sie machen sich anscheinend zum Sprachrohr für die sogenannten „Wutbürger“.

Und auch die neuen Medien sind voll von falschen Botschaften.

Woran aber erkennt man die richtigen Propheten? Das hat Jesus seinen Jüngern mehrfach gesagt: Das Reich Gottes bricht dort an, wo Blinde sehen, Lahme gehen. Dort, wo anderen geholfen wird.

Und die richtigen Propheten sind jene, die selbst am meisten erleiden; die bereit sind, sich wirklich mit den anderen zu solidarisieren. Die nicht nur große Worte machen, sondern sich auf Augenhöhe mit den Leidenden begeben.

Die wahren Propheten sehe ich heute vor allem in den Menschen, die Flüchtlingsarbeit machen; die Pflegerinnen und Pfleger sind; die in der Caritas oder im Hospiz ehrenamtlich mitarbeiten.

Heute müsste man sagen: Lasst euch nicht irreführen von Demagogen und Populisten. Schaut nicht nur auf Worte, sondern auf ihre Taten. Eine helfende Hand ist immer richtig; ein Mensch, der sich um andere kümmert; der Kranke pflegt, der Einsame besucht – der ist für mich einer der wahren Propheten.

3) Die Hoffnung

Der Schluss des Evangeliums verheißt:

„Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“ Darum geht es hier: Bei allem, was es vielleicht an Bedrängnissen gibt – das Ziel ist das Leben. Bei aller Krankheit, bei allem Leiden – es geht ums Leben. Und im Johannesevangelium heißt es dann: Dieses Leben ist ein Leben in Fülle.

Und damit schließt das Evangelium an die prophetischen Verheißungen an.

Der Prophet Maleachi spricht von der „Sonne der Gerechtigkeit“: „Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen, und ihre Flügel bringen Heilung.“

Das meint die grundsätzliche Hoffnung auf Gerechtigkeit in Zeiten der Unterdrückung. Christlich gedeutet ist es aber Jesus selbst, der diese Sonne der Gerechtigkeit ist.

Wir stehen am Schluss des Kirchenjahres – nächste Woche ist Christkönig und dann Advent. In der dunkelsten Zeit des Jahres wollen uns diese Texte aufmerksam machen: Lasst euch nicht ängstigen! Achtet darauf, dass ihr nicht jenen falschen Propheten auf den Leim geht, die mit großen Worten auf ihr eigenes Heil schauen.

Vor allem aber: Glaubt an diesen Jesus, der die Sonne der Gerechtigkeit ist. Gestaltet euer Leben nach seinem Beispiel – und ihr werdet das Leben gewinnen; „Die Flügel Gottes bringen Heilung.“

mission statement – Predigt

Dr. Christoph BenkeJedes Unternehmen hat ein Leitbild. Die Seligpreisungen könnten ein Leitbild für uns Christen sein. In ihnen wird die meist geltende Ordnung auf den Kopf gestellt. Was die Brille der Seligpreisungen für uns bedeutet, legte Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am Fest Allerheiligen dar.


Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, muss heutzutage ein mission statement aufweisen. Das mission statement ist ein Leitbild. Es erklärt kurz und prägnant den Zweck, die Ziele und die Grundsätze eines Unternehmens. Dort können alle nachlesen, welche Grundsätze die Planungen und Handlungen leiten – zur Orientierung für Mitarbeiter nach innen, zur Transparenz nach außen.

Viele Firmen oder NGOs wie das Rote Kreuz haben ein mission statement. Auch die Erzdiözese Wien hat ein Leitbild. Derzeit wird es überarbeitet. Es wird dann mission statement heißen. Ich habe dazu einen inhaltlichen Vorschlag: die Seligpreisungen der Bergpredigt. Sie sollten ganz am Anfang des Neuentwurfs stehen. Die Seligpreisungen sind der Kern der Verkündigung Jesu. Die Seligpreisungen sind so etwas wie das Evangelium im Evangelium.

Die Seligpreisungen drehen die Ordnung um. Das, was in den Augen vieler ganz unten ist, kommt hinauf; das, was nichts gilt, erhält ewige Anerkennung: Selig die Armen, selig die Barmherzigen. Die, die in den Augen der Welt blöd sind, weil sie nicht drein hauen, sondern sanftmütig sind – sie haben erkannt, worauf es ankommt. Diejenigen, die nicht auf Berechnung setzen und ohne Hintergedanken sind, die also ein reines Herz haben, sie werden Gott schauen.

Wir merken: Durch die Brille der Seligpreisungen der Welt und den Menschen zu begegnen, ist ein statement. Das ist mehr als ein Leitbild, das ist ein gänzlich anderes Weltbild. Das erfordert eine Entscheidung. Wir feiern heute die vielen, die sich vom Geist der Seligpreisungen leiten ließen. Der Geist Jesu stärke und ermutige uns zu, jeden Tag.

Glauben lernen – hartnäckig bleiben und tätig werden – Predigt

Dr. Hans PockMit den Fragen, wie das mit dem Beten so ist, wie wir einander dabei stützen können und woran wir erkennen, dass es auch in Zukunft noch Glauben geben wird, beschäftigte sich Univ. Prof. Dr. Johann Pock in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 29. Sonntag im Jahreskreis (19.10.2025).


In dieser Feier gibt uns die Heilige Schrift einige Ratschläge für das Leben und das Gelingen eines christlichen Lebens – und vor allem zur Weitergabe des Glaubens.

1) Da ist zunächst die zweite Lesung: Ein Brief, den der Apostel Paulus an seinen Schüler Timotheus geschickt hat.

„Du weißt, von wem du es gelernt hast; du kennst von Kindheit an die heiligen Schriften“:  Paulus nennt die Bedeutung, den Glauben möglichst früh weiterzugeben, von Kindheit an. Dabei geht es aber nicht primär darum, selber möglichst fromm zu sein oder in den Himmel zu kommen.

Sondern es heißt weiter: Die Schrift ist nützlich zur Belehrung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit … „damit der Mensch Gottes gerüstet ist, ausgerüstet zu jedem guten Werk.“

Gläubig sein heißt hier: zum guten Werk gerüstet sein. Den Glauben erhalten wir also nicht nur für uns selbst, sondern füreinander. Und Glauben ist nicht das Fürwahrhalten von Wahrheiten – sondern das Tätigwerden im Guten.

2) Die Witwe im Evangelium bietet einen zweiten Zugang zum Glauben.

„Mein Gott, ist die lästig! So was von unverschämt!“ So könnte der Richter im Evangelium gedacht haben. Die Witwe gibt keine Ruhe und lässt sich nicht abwimmeln.

Dieses Gleichnis von dem ungerechten Richter und der nervigen Witwe ist ein eigenartiges Gleichnis. Die Einleitung zu dieser Geschichte lautet ja: Jesus erzählt ein Gleichnis, um zu sagen, dass die Leute allezeit beten sollen.

Damit ist zumindest das Ziel klar: Es geht darum, nicht nachzugeben beim Gebet, auch wenn es ausweglos erscheint. Dass Jesus im Gleichnis gewissermaßen Gott mit dem ungerechten, grantigen Richter vergleicht – das können wir wohl seinem Humor zuschreiben.

 

Unser Beten in Gottes Ohr

Wenn wir uns näher auf das Evangelium einlassen, können wir vielleicht fragen: Wie mag es wohl Gott damit ergehen, wenn er Tag und Nacht die Notschreie unzähliger Menschen hört? Laut Jesus sind sie ihm nicht gleichgültig. Ist er ohnmächtig? Müsste es ihm nicht ein Leichtes sein, Gerechtigkeit zu schaffen?

Was Gott vom Richter im Gleichnis unterscheidet: Er liebt die Menschen und möchte, dass es ihnen gut geht.

Was kann da unser Beten dazu beitragen, dass die Welt besser wird? E

Mit dem Gebet können wir Not, Hilfeschreie, Wünsche und Anliegen ins eigene Bewusstsein und in das anderer Menschen bringen. Dass Gott erst durch unser Beten auf die Notlagen aufmerksam würde, ist wohl zu naiv gedacht – er weiß schon, was wir nötig haben. D.h. nicht Gott hat das Gebet notwendig – sondern wir selbst!

Wir solidarisieren uns mit anderen, wenn wir den Schrei nach Recht und Gerechtigkeit der Menschen vor Gott bringen.

Aber hilft Beten überhaupt? Ist das nicht eine naive und überholte Haltung?

Ich bin fest überzeugt, dass Beten hilft. Jedoch wirkt es nicht wie ein Brief an das Christkind. Zumeist ist wenig bewusst, dass es viele Formen des Betens gibt. Auf unterschiedlichen Wegen kann zur Sprache gebracht werden, was nottut: Rosenkranz, Anbetung, Morgen- und Abendgebete.

Oder auch das Pilgern; das Wallfahren – wo man auf dem Weg nicht nur mit den Blasen an den Füßen beschäftigt ist, sondern wohl auch Zeit hat, über den eigenen Glauben nachzudenken.

Allezeit beten und darin nicht nachlassen

An wen ist der leidenschaftliche Apell Jesu „allezeit zu beten und darin nicht nachzulassen“, denn eigentlich gerichtet? Zunächst an die Jünger. Vermutlich erlagen diese ähnlich wie viele Menschen der Versuchung, sich als schweigende Mehrheit zurückzuziehen, zu resignieren und ohnmächtig abzuwarten. Was kann meine Stimme schon ausrichten?

Schweigende Mehrheiten werden gerne von Menschen, die deren Stimmlosigkeit ausnützen, missbraucht. Es ist not-wendig, dass wir unsere Stimme erheben und kundtun, was unserer Meinung nach Not wenden kann.

Es ist notwendig, auch aufzustehen gegen Ungerechtigkeit: Sei es Ungerechtigkeit gegen Menschengruppen, gegen Minderheiten; oder auch Ungerechtigkeit gegen die Schöpfung.

Von Mose wird erzählt, dass er müde wurde und nicht mehr die Kraft hatte, die Hände im Gebet erhoben zu halten. 2 Männer stützten seine Arme, der eine rechts, der andere links – und damit konnten sie gegen die Feinde bestehen.

Ob nicht auch unsere Caritasleute und die vielen anderen, die sich für die Rechte der Schwachen einsetzen, mehr Unterstützung bräuchten; nicht nur mit Geld, sondern auch durch gutes Reden?

3.) Das Evangelium schließt mit einem nachdenklichen Wort: Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, noch Glauben auf der Erde finden?

Damit ist eine Brücke zur Lesung geschlagen: Glaube entsteht nicht automatisch. Er entwickelt sich. Er braucht auch Übung – mit regelmäßigem Beten; mit regelmäßigem Gottesdienst …

Ist das nicht auch die Frage so mancher Eltern und Großeltern mit ihren Kindern und Enkeln? Sie erziehen sie im Glauben; sie versuchen, etwas mitzugeben – aber wird es in 10, 20, 50 … Jahren noch Glauben geben?

Und ich muss sagen: Ich bin da optimistisch! Es geht ja nicht um das Glaubenswissen, um das Aufsagen können von Geboten – sondern um den Glauben, der sich in den guten Werken ausdrückt.

„Bleibe bei dem, was du gelernt und wovon du dich überzeugt hast. Du weißt, von wem du es gelernt hast.“ – Dieser Rat von Paulus ist für mich sehr eindrücklich:

  • Zum einen: Mich immer wieder daran zu erinnern, woher mein Glaube kommt; wie er gewachsen ist.
  • Aber auch: Wovon habe ich mich in meinem Leben selbst überzeugt? Welcher Teil des Glaubens ist von einem kindlichen Glauben zu einem erwachsenen Glauben geworden? Er darf sich also auch verändern.
  • Und dann das Wort: „Du weißt, von wem du es erlernt hast“. Also die Wertschätzung gegenüber jenen, die uns eingeführt haben in den Glauben; die Wertschätzung gegenüber den „Ältesten“, wie sie in der Bibel heißen.

Wenn wir mit unserem Gebet und unseren guten Werken nur ein wenig dazu beigetragen haben, dass nächste Generationen gute Menschen geworden sind, dann habe ich keine Sorge, ob Jesus dereinst noch Glauben auf der Erde finden wird.

 

Gefesselt

Dr. Christoph BenkeGefesselt können wir von einem Buch, einem Film, einem Gespräch sein. Was aber meint der Apostel Paulus, wenn er sich als gefesselt bezeichnet, und was heißt das für uns? Darüber predigte Dr. Christoph Benke am 23. Sonntag im Jahreskreis in Schönbrunn-Vorpark.


Wann hat Ihnen zuletzt ein guter Kriminalroman eine halbe Nacht gekostet? Wann zuletzt ließ ein Film, ein Gespräch, irgendein Tun die Zeit im Flug vergehen? Das sind glückliche Momente. Wir waren ganz dabei, haben alles andere und sogar uns selbst vergessen, waren gänzlich gefesselt vom Krimi, fasziniert vom Film und seiner Handlung, gefangen vom Gespräch und vom Gegenüber. – Fesseln können also auch glücklich machen – wenn wir „hin und weg“ sind und uns das Staunen packt.

Der Apostel Paulus bezeichnet sich als Gefesselten, Gefangenen (Phlm 1). Das ist kein Wunder, denn er schreibt aus dem Gefängnis. Wegen seiner religiösen Gegner ist er im Kerker. Aber der eigentliche Grund ist Jesus Christus und sein Evangelium. Paulus würde die Fesseln des Evangeliums (Phlm 13) auch dann noch tragen, wenn er frei wäre. Aus Freiheit lässt er sich an Jesus binden. Das ist sein Glück. Er ist bleibend fasziniert von Jesus Christus, denn Jesus hat ihn von der Angst um sich befreit.

Nie und nimmer will er dieses Gebundensein an Christus abstreifen, auch wenn es ihn viel kostet – eben auch die Freiheit. Unermüdlich ist er unterwegs, um Menschen genau dafür zu gewinnen: ‚Habt keine Angst um euch, lasst euch faszinieren, fesseln von Jesus Christus und seiner Liebe.‘

Durch unsere Taufe sind auch wir gebunden an Jesus Christus, tragen auch wir die Fesseln des Evangeliums. Das ist Gabe und Aufgabe. Diese Gabe müssen wir beharrlich und geduldig mit Liebe und Leben füllen. Wenn wir von Jesus nicht mehr fasziniert sind, müssen wir ihn bitten, er möge uns neu faszinieren, binden und fesseln!

Inklusion

Auch wenn das Sonntagsevangelium nicht danach klingt, ist der Wille Gottes für uns Menschen sicher inklusiv. Das legte Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 21. Sonntag im Jahreskreis (24.08.2025) dar.


Es gibt Dinge, an die wir uns nicht gerne erinnern. Dazu zählen Situationen, in denen uns ausgeschlossen fühlten – von einer Gemeinschaft, einer Familie, von Kollegen. Wir gehörten nicht dazu. Man ließ uns nicht mitspielen, nicht mitentscheiden, nicht teilhaben. Noch die Erinnerung daran weckt Gefühle von Verlassenheit und Wut. Darum ist es ein Ziel moderner Gesellschaft, dass alle Menschen gleichberechtigt und ohne Diskriminierung am gemeinsamen Leben teilhaben können. Inklusion ist das Programmwort.

Das Evangelium dieses Sonntags klingt nicht inklusiv. Von Ausschluss ist sogar ausdrücklich die Rede: Es wird Heulen und Zähneknirschen sein, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. (Lk 13,28) Warum diese harschen Worte? Wem zeigt Jesus hier die rote Karte?

Jesus meint diejenigen, die seine gute Botschaft gehört haben. Jesus meint uns, die wir mit ihm schon in Berührung gekommen sind und ahnen, dass diese Begegnung entscheidend für unser Leben sein will. Aber das alles liegt schon länger zurück. Umkehr, Glaube und das treu-auf-dem-Weg-Bleiben stehen nicht mehr so vor Augen. Etwas müde und kraftlos ist man geworden. Darum mahnt der Hebräerbrief: macht die erschlafften Hände und die wankenden Knie wieder stark (Hebr 12,12) und sagt Jesus: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen. (Lk 13,24)

Der Wille Gottes ist ganz sicher inklusiv. Allen Menschen möchte er sich schenken. Aber das hängt davon ab, ob wir inklusiv werden, also Gott nicht aus unserem Leben ausschließen, sondern ihn konsequent einschließen.

Geburtstag

Dr. Christoph BenkeÜber die verschiedenen Arten von Geburtstagen, v.a. über den Tauftag als spirituellen Geburtstag und die damit zusammenhängenden Geburtswehen, predigte Dr. Christoph Benke am Fest Mariä Himmelfahrt (15.08.2025) in Schönbrunn-Vorpark.


Wann haben Sie Geburtstag? Und wie feiern Sie Ihren Geburtstag? Hier gibt es unterschiedliche ‚Kulturen‘: Die einen schlicht, die anderen ausführlich mit Familie und Freunden – besonders die „runden“.

Die christliche Überlieferung kennt drei Geburtstage: den biologischen, den spirituellen und den im Tod. Der erste und der letzte haben ein Datum. Das steht auf der Parte. Der geistliche Geburtstag wäre der Tauftag; der hat auch ein Datum. Aber die Taufe führt nicht automatisch zu einer spirituellen Geburt, in einen geistlichen Durchbruch. Der Mensch muss sich die Taufgnade als Geburt aus Gott (Joh 1,13), als Neugeburt von oben (Joh 3,3) aneignen.

Gott gefunden zu haben, ist eine spirituelle Geburt, der Durchbruch zur Gottheit. Davor – aber auch danach – gibt es immer wieder Geburtswehen, bis Christus in euch Gestalt annimmt (Gal 4,19). Das deutet die Lesung an. Sie spricht von Geburtswehen: Die Frau, die am Himmel als großes Zeichen erscheint, ist die Mutter des Messiaskindes. Sie verkörpert das Gottesvolk. Die zwölf Sterne über ihrem Haupt erinnern an die zwölf Stämme Israels. Die Geburtswehen weisen auf die leibliche Geburt des Messiaskindes hin. Darüber hinaus ist jedes Ins-Leben-Finden einem Geburtsvorgang ähnlich.

Die Gottesgeburt im Herzen ist ein innerer Reifungsprozess. Der Mensch begreift mehr und mehr: Ich bin Bild Gottes. Das Volk Gottes versteht immer mehr: Wir sind Tempel Gottes. Solches Begreifen und Gott-Raum-Geben ist mit Schmerzen verbunden, es sind Geburtswehen. Die Enge des menschlichen Herzens muss geweitet werden. Der Blick auf Maria möge uns ermutigen, neues Leben zuzulassen.