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Noch Fragen?

Dr. Christoph BenkeWie steht es um die Fragen, die wir stellen.  Dürfen wir sie stellen oder sind sie unerwünscht? Darauf ging Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 15. Sonntag im Jahreskreis (13.07.2025) – ausgehend von einer Frage eines Gesetzeslehrers an Jesus – ein.


Sie nehmen an einer Fortbildung teil. Die Beendigung eines Kapitels lässt den Referenten fragen: Haben Sie noch Fragen? oder noch knapper: Noch Fragen? Je nach Tonlage kann das ernst gemeint sein. Oder ein ziemlich deutlicher Hinweis, dass weitere Fragen unerwünscht sind.

Aus der Sicht des Evangeliums sind Fragen erwünscht. Sie spielen im Evangelium eine bedeutende Rolle. Es gibt Fragen, die Jesus an seine Jünger stellt. Umgekehrt wird auch Jesus gefragt. So im Evangelium dieses Sonntags: Und siehe, ein Gesetzeslehrer stand auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? (Lk 10,25) Es ist also die Frage nach dem ewigen Leben. Wie geht das, bei Gott einmal ankommen und endgültige Heimat finden? Wie und wo ist das zu finden, was ‚die Welt im Innersten zusammenhält‘, die Rechtfertigung, das Glück, der Sinn, die Tiefe, die Fülle, das Leben schlechthin? Wo und wie bekomme ich endgültig zu hören: ‚Es ist gut!‘? Wo und wer ist Gott und wie ist er zu finden?

Nehmen wir von dieser Stelle zwei Anregungen mit. Die eine: Ist diese Frage in uns noch lebendig? Treibt sie uns an? Es gibt ja auch eine unfruchtbare Selbstzufriedenheit oder einen Panzer, den man sich zugelegt hat. Wo keine Frage ist, ist auch keine Antwort des Heiligen Geistes.

Die zweite Anregung: Die Antwort Jesu ist schlicht und eindeutig – Gottesliebe und Nächstenliebe. Bereits die Frage des Gesetzeslehrers geht davon aus, dass es um ein Tun geht. Jedenfalls hat die Antwort auf die Frage aller Fragen mit Liebe zu tun. Die Antwort ist handfest-konkret.

Noch Fragen? – Ja, hoffentlich!

Hiobsbotschaften und der Trost Gottes

Dr. Christoph BenkeVielfältige Hiobsbotschaften quälen uns, quälten aber auch schon die Menschen in der Bibel. Woher kommt uns Trost in dieser Situation? Darüber predigte Dr. Christoph Benke am 14. Sonntag im Jahreskreis (06.07.2025) in Schönbrunn-Vorpark.


Die jüngere Vergangenheit fordert uns extrem heraus. Die Liste ist lang: Pandemie, Energiekrise, das Klima und das kippende ökologische Gleichgewicht, der Ukrainekrieg, der Überfall auf Israel, Gaza, Krieg Israel-Iran: eine Hiobsbotschaft nach der anderen, schwer erträgliche Bilder. Dazu kommen noch die persönlichen oder familiären Hiobsbotschaften. Die Zuversicht ins Leben nicht verlieren – aber wie? Gibt es irgendwo Trost? Wer tröstet – im Angesicht des Schreckens?

Der Prophet Jesaja spricht in einer für das Gottesvolk Israel schwierigen Zeit. Eindringlich erinnert er an die Verheißungen seines Gottes, die da lauten: Es gibt Hoffnung und es gibt Trost. Gegen allen Augenschein kommt es darauf an, unbedingt daran festzuhalten: Der Trost Gottes kommt, er kommt wie ein rauschender Bach (V 12). Wie einen Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch (V 13).

Paulus erinnert uns: Der Trost Gottes ist leibhaft erschienen – Jesus Christus ist der Trost Gottes. Und hier kommt das Kreuz ins Spiel. Das Kreuz ist der Weg, wie dieser Trost Gottes zu uns kommt. Das ist für uns schwer verständlich: gänzlich unharmonisch. Es geht gegen unser natürliches Empfinden. Über das Kreuz kommt der Trost Gottes, die neue Schöpfung, das Reich Gottes.

So sind wir herausgefordert, je neu an die Ansage Jesu zu glauben: Das Reich Gottes ist nahe. Darin besteht der Trost Gottes, gerade in schwierigen Zeiten. Unsere Sendung besteht darin, daraus zu leben und Menschen in unserem Umfeld zu trösten und zu stärken.

Sich einverleiben

Dr. Christoph BenkeWas der Unterschied davon ist, wenn sich Putin die Krim einverleibt, wir Nahrung zu uns nehmen und wenn wir uns Jesus in der Kommunion einverleiben und was daraus folgt, darüber predigte Dr. Christoph Benke zu Fronleichnam (19. Juni 2025) in Schönbrunn-Vorpark.


Sich Einverleiben: Putin hat sich die Krim einverleibt und will das auch mit anderen Gebieten der Ukraine machen. Trump will sich Grönland einverleiben. Dieses Einverleiben hat einen aggressiven Unterton von ‚sich etwas unter den Nagel reißen‘.

Einverleibung geschieht aber ganz alltäglich, mehrmals: Wir essen, nehmen Nahrung zu uns. Da passiert Einverleibung, ganz wörtlich: Nahrung geht in uns ein, wird umgewandelt, Magen und Verdauungstrakt holen die Nährstoffe heraus, die der Organismus braucht.

Wir feiern das Fronleichnamsfest. Wie in jeder heiligen Messe steht da ein besonderes Essen und Trinken im Mittelpunkt. Essen, also etwas Alltägliches, wird da zu etwas Besonderem: Wir sind eingeladen, uns Jesus einzuverleiben. Wir dürfen eine innige Verbindung mit der Person eingehen, die von sich sagt: Das ist mein Leib; Das ist mein Blut. Jesus sagt von diesem Brot und von diesem Wein: Das bin ich – für euch. Unter den Gestalten von Brot und Wein schenkt uns Jesus sich selbst: seine erlösende Liebe, seine Hingabe bis zum Tod, sein unzerstörbares österliches, verherrlichtes Leben.

Das Besondere am Einverleiben des Brotes, das Jesus ist, besteht darin: Es will alle erreichen. Und alle aßen und wurden satt, heißt es im Evangelium. Und weiter: Dieses kleine Stückchen Brot, dieser kleine Schluck Wein ist gar nicht so leicht verdaulich, wie zu vermuten ist. Bedenken wir: Wir verleiben uns die Hingabe Jesu ein! Das verpflichtet uns zu einem Leben für andere. Tut dies zu meinem Gedächtnis, heißt also: Die Liebe, die Christus uns erwiesen hat, haben wir der Welt weiterzugeben.

Wo wir bereit sind, Brot für andere zu sein, verehren wir die heilige Eucharistie.

Jesu Menschenkenntnis

Dr. Christoph BenkeMit der Frage, woher Jesus seine Menschenkenntnis hat und wie sich diese entwickelt hat, beschäftigte sich Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 4. Sonntag der Osterzeit (11.05.2025).


Manchmal sagen wir von jemandem: ‚Er hat eine gute Menschenkenntnis.‘ Das ist jemand, der ohne Vorurteil einen anderen Menschen gut einschätzen kann, obwohl man einander vielleicht noch nicht lange kennt. Menschenkenntnis kommt aus einer gewissen Lebenserfahrung. Auch Empathie und Intuition wird dabei sein.

Woher hat Jesus, der Auferstandene, seine Menschenkenntnis? Es heißt ja: Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. (V 27)

Jesus lebte von Beginn an unter Menschen. Währenddessen hat er mit Menschen Erfahrungen gemacht. Schon damals hieß es: Er wusste, was im Menschen ist (Joh 2,25). Gleich zu Beginn erfuhr er Ablehnung. Später da und dort Zuspruch. Dieser Zuspruch vonseiten vieler führte Jesus in den Konflikt mit den Verantwortlichen. Der Konflikt endete tödlich. Und dies, also sein Leiden und sein Sterben, ist wichtig für seine Menschenkenntnis. Jetzt, aus der Sicht von Ostern, also nach seinem Hinübergang zum Vater, hat sich seine Menschenkenntnis noch einmal vertieft. Denn der, der sagt Meine Schafe hören auf meine Stimme, ist selbst gezeichnet – ein verwundetes Lamm. Der Auferstandene trägt die Wundmale. Das Leid machte Jesus nicht bitter – im Gegenteil, noch empathischer mit allen, die so wie er verwundet wurden und verwundet sind, wodurch auch immer. Wohl deshalb heißt es in der Lesung: Das Lamm in der Mitte vor dem Thron wird die Bedrängten weiden und zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens strömt, und Gott wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. (Offb 7,17)

Ich glaube – was heißt das?

Dr. Christoph BenkeMit dem, was es heißt, zu sagen ‚Ich glaube‘, hat sich Dr. Christoph Benke in seiner Predigt am 5. Fastensonntag (06. April 2025) in Schönbrunn-Vorpark auseinandergesetzt.


Wir werden nachher das sog. „Große Glaubensbekenntnis“ beten. Darum lade ich Sie heute ein, über das Wort Glaube und über das Glauben nachzudenken. Die Frage, wer Jesus ist, beschäftigte die Christen der ersten Jahrhunderte. Man verständigte sich vor 1700 Jahren auf diesen Text. Aber es geht im Folgenden weniger um das, was alles in diesem langen und dichten Text steht (wir nennen das Glaubensinhalt), sondern um das Glauben an sich. Was bedeutet es, wenn jemand sagt Ich glaube?

Zum Menschsein gehört die Fähigkeit, jemandem zu vertrauen. Öffentliches Leben funktioniert nicht ohne Vertrauen: Ich gebe mich in die Hand des Busfahrers, einer Pflegekraft, des Kfz-Mechanikers und vertraue, dass die ihre Sache gut machen. Darüber hinaus gibt es in unserem Leben gelegentlich Wendepunkte: Momente, in denen ich gefragt bin, über mich hinauszuwachsen, mein Ego zu überschreiten, etwa in der Liebe oder im Vertrauen auf Werte, in Entscheidungen. Wo ich das wage und vertraue – also glaube –, wachse ich zu einer reifen Persönlichkeit.

Da geht es also noch nicht um Religion oder Kirche. Aber hier bin ich sehr grundsätzlich gefragt: Vertrauen zu wagen (z.B. auf einen Menschen) und sich auf ein großes Ziel hinzubewegen.

Ein nächster Schritt wäre, zu sagen „Ich glaube an Gott“. Das meint: ‚Ich habe eine religiöse Weltanschauung, in der Gott eine Rolle spielt; ich bekenne mich zu einer bestimmten Glaubensüberzeugung, zu einer Welt- und Lebensdeutung.‘

Vorhin sagten wir, dass Glauben viel mit Vertrauen zu tun hat. Wer vertraut, bringt sich ins Spiel. Das kann mehr oder weniger der Fall sein. Doch sagt jemand „Ich glaube an dich, Gott“, kommt eine innere Bewegung dazu: Hier geht es um Vertrauen von Person zu Person, als personaler Akt. Es macht einen großen Unterschied, ob ich das an dich, Gott wirklich meine, also mit diesen Worten wirklich innerlich mitgehe. Der Unterschied ist das Du, also Gott als „Person“. Die jüdisch-christliche Glaubenstradition hält daran fest: Die große göttliche Macht, die „die Welt im Innersten zusammenhält“, ist keine unpersönliche Kraft, keine bloße alles umfassende Energie – ist ein „personaler“ Gott: ein Gott, der von sich ich, zu uns ihr und zu mir du sagen kann.

Wo es um Liebe und Vertrauen geht, ist immer noch Steigerung oder Vertiefung möglich. Deshalb zielt die Dynamik des Glaubens auf „Ich glaube dir, Gott“. Unser Herz und unser Verstand fragen dann: ‚Was glaube ich dir, Gott?‘ – „Du bist mein geliebter Sohn / Du bist meine geliebte Tochter“ (Mk 1,11). Wir sind gerufen, es ihm zu glauben.

Lebendiger Glaubensvollzug würde also bedeuten: sich vergegenwärtigen, dass Gott Wirklichkeit ist; zu sagen und es zu meinen: ‚Gott, Du bist da, Du kennst mich, bist ständig anwesend‘. Sich dies immer wieder bewusstmachen und damit wie mit einer guten Gewohnheit leben – das ist glauben.

 

Das Wort bringt die Gedanken des Herzens zum Vorschein

Dr. Christoph BenkeIn seiner Predigt am 8. Sonntag im Jahreskreis (02.03.2025) ging Dr. Christoph Benke in der Gemeinde Schönbrunn-Vorpark darauf ein, wie und was wir kommunizieren, was wir zu anderen sagen. Wie gehen wir mit unseren Emotionen um? Herz und Mund gehören zusammen – bei uns Menschen, aber auch bei Gott.


Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir müssen miteinander sprechen und uns mitteilen. Manche gehen zu einem Stammtisch, um Karten zu spielen oder nur für das gesellige Zusammensein. Gelegentlich kommt es dabei zu Diskussionen. Man sagt, was einem gegen den Strich geht. Ein Wort gibt das andere, es wird hitzig, schnell stehen vereinfachende Urteile im Raum. Und dann?

Ein Wort schafft Atmosphäre. Das Wort hat Kraft, kann eine Situation im Nu verändern, ja gänzlich umdrehen. Weil da so ist, gibt der Weise des Alten Testaments einen Rat: Im Sieb bleibt, wenn man es schüttelt, der Abfall zurück; so entdeckt man den Unrat eines Menschen in seinem Denken. (Sir 27,4) Das meint wohl: ‚Lass dich in deinem Reden nicht gänzlich von der unmittelbaren Emotion leiten. Schüttle zuerst das Sieb, prüfe, was du laut sagen willst – und den Unrat, das, was jetzt nicht passt oder gar böse ist, halte zurück. Denn das Wort bringt die Gedanken des Herzens zum Vorschein.‘ (V 7)

Manchmal brauchen wir jemanden, bei dem wir unseren Frust abladen können. Dieser Mensch kennt uns und kann unsere Worte einordnen. Davon zu unterscheiden ist die Kritiksucht: also die Sucht, ständig alles bewerten und beurteilen – und wohl allzu oft ver-urteilen zu müssen. Woher kommt das? Um selber besser dazustehen und sich überlegen zu fühlen? Aus einer tiefer liegenden Unzufriedenheit oder Leere? Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? (Lk 6,41) – so kommentiert Jesus diese Kritiksucht.

Wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund (V 45). Herz und Mund: Die beiden gehören zusammen. Ganz eng ist das bei Gott: Gott spricht zur Welt. Sein Wort ist Jesus Christus. Er möge uns ein reines Herz schenken. Dann wird gut, was wir denken und sprechen.

Gott will dich brauchen

Dr. Christoph BenkeAusgehend von der Berufung des Jesaja (Jes 6,1-8) stellte Dr. Christoph Benke in seiner Predigt in Schönbrunn-Vorpark am 5. Sonntag im Jahreskreis (09.02.2025) die Frage, wer und wo Gott ist. Wie reagiert der Mensch, wenn er von und mit Gott konfrontiert wird?


Wer ist Gott? Wo ist Gott? Wo und wie zeigt sich dieses Geheimnis, das wir in unserer religiösen Sprache Gott nennen? Auch Sie, liebe Glaubende, sind fasziniert von dieser Frage! Warum sonst wären Sie hier? Alle erhoffen wir erhoffen uns einen Hinweis, „wo Gott wohnt“.

Manchen ist ein besonderes Erlebnis gegeben – wie Jesaja. Er sieht den Herrn, die Erde ist von der Herrlichkeit des Herrn erfüllt, umgeben von Engeln, die Türzapfen erbeben, Rauch erfüllt den Raum. Jedenfalls bricht etwas ganz Anderes, nicht Alltägliches herein. Es überfordert den Menschen gänzlich. Dazu notiert die Bibel oft zwei Reaktionen vonseiten des Menschen. Die erste: Weh mir! Bricht Gott in das Leben eines Menschen ein, überfordert dies immer seine Kapazität.

Die zweite Reaktion: Weh mir! Denn ein Mann unreiner Lippen bin ich. Der Mensch hat dann das Gefühl: ‚Das passt nicht zusammen. Gott ist Licht, Gott ist gut. Aber in mir ist auch Dunkelheit und Verschlagenheit (Unreinheit); nein, ganz böse bin ich nicht, aber auch nicht einfach gut.‘ Wo man dem Licht und der Liebe begegnet, einem durch und durch gütigen Menschen, dort kann einem das zum Spiegel werden.

Aber das macht nichts. Wer Gottes Berührung zulässt, den reinigt Gott. Denn um seine Herrlichkeit auszubreiten, will Gott den Menschen brauchen: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich sagte: Hier bin ich, sende mich!

Es muss keineswegs so spektakulär zugehen wie bei Jesaja. Immer meint Gott den Menschen ganz persönlich und innig. Entscheidend ist, sich Gott zur Verfügung zu stellen und zu fragen: ‚Lieber Gott, offensichtlich willst du mich brauchen. Was kann ich für Dich tun?‘

Weihnachten ist nicht Retrospektive, sondern Perspektive

Dr. Christoph BenkeÜber die Sehnsucht nach einem Weihnachten, wie es früher war, bzw. Weihnachten wie immer predigte Dr. Christoph Benke beim Hochfest der Geburt des Herrn am Christtag (25.12.) in Schönbrunn-Vorpark.


Unlängst ist mir während des Autofahrens ein Lied von Wolfgang Ambros begegnet. Es trägt den Titel Weihnachten wie immer …. Dort heißt es: I will doss echte Kerzen brennen, / doss echte Lieder gsungen werdn,/ wir Liebe geben, sovül ma kennen,/ und über Bethlehem an Stern./ I will mei Weihnachten wie immer, / wie’s immer wor – soll′s immer sein,/ i will den Glanz i will den Schimmer.

Mit dieser Sehnsucht nach einem Weihnachten, wie’s früher war‘ spricht ‚Wolferl‘ vielen Menschen aus der Seele. Es ist der Wunsch nach weniger Kommerz und Kitsch, nach weniger Keks und Glühwein, nach Reduktion, Innehalten und Besinnung. Weihnachten wie immer berührt etwas in unserem Innersten: die Sehnsucht nach einer heilen Welt, nach einem Ort, an dem Frieden und Lieben herrschen, nach einem Zustand der Geborgenheit und Harmonie. – Könnte es nicht sein, dass sich darin die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies ausspricht und, ja, die Sehnsucht nach der Gegenwart Gottes?

Von diesem Gott erzählt die Heilige Schrift, dass er die Liebe ist (1 Joh 4,16). Und die Heilige Schrift erzählt noch mehr: Diese Liebe ist jetzt unter uns Menschen Fleisch geworden. Sie ist Mensch geworden und wohnt unter uns (Joh 1,14), in dieser wunderbaren und zugleich völlig verrückten und fürchterlichen Welt.

Die Welt nimmt das kaum zur Kenntnis. Und doch ist aus Sicht des Glaubens alles anders geworden. Gott hat sich seiner Welt ausgeliefert und er nimmt sich nicht mehr zurück. Seither hat unser Leben einen Goldgrund, ja: Glanz und Schimmer.

Der Wunsch nach einem Weihnachten wie immer rührt wohl auch daher, dass das Vertrauen in die Zukunft mittlerweile eine geistige und geistliche Herausforderung ist. Die Welt ist in einem schlechten Zustand. Aber Hoffnung ist keine Frage des Temperaments, so als ob sich die Optimisten damit leichter täten. Hoffnung ist eine Frage des Willens und des Glaubens. Nur auf Weihnachten wie immer zu setzen ist ein sentimentales Retro. Christentum ist aber keine Retrospektive, sondern eine Perspektive. Seit Weihnachten, der Fleischwerdung des Wortes, hat sich Gott an diese Welt gebunden. Er nimmt diese Bindung, diesen Bund nicht mehr zurück und führt die Welt und die Menschen heim zu sich. Hoffnung ist also kein Wunschdenken, sondern eine gläubige Perspektive, ist Zuversicht aus dem Glauben. Sie lebt aus dem Staunen über das göttliche Kind.

Ein wehrloses Kind

Dr. Christoph BenkeÜber den Gegensatz von Gewalt und Hass auf der einen und Gewaltlosigkeit und Feindesliebe auf der anderen Seite predigte Dr. Christoph Benke in der Heiligen Nacht in Schönbrunn-Vorpark.


Was ist derzeit das Problem Nr. 1? Was ist der schlimmste der vielen Brennpunkte in der Welt und womöglich auch im eigenen Leben? Im Blick auf das vergangene Jahr legt sich die Antwort nahe: Hass und Gewalt. Krieg im Nahen Osten, in der Ukraine; Gewalt zwischen den Geschlechtern und Generationen, Gewalt gegen Kinder und gegen Alte, Vergewaltigung der Mutter Erde, der Tiere, der Kreatur. Feindbilder sind ganz schnell bei der Hand. Im Nu wird abgestempelt und fertiggemacht. Und dazu eine große, merkwürdige Unzufriedenheit, in einem Land, das funktioniert und zu den reichsten Ländern der Erde zählt.

Gewalt ist seit Kain und Abel das Schattenthema im Fortschritt. Manches wird besser. Verbessert werden aber auch Foltermethoden, Aufrüstung und Kriegführung. Es leitet uns die Angst, zu kurz zu kommen: Von dort kommt das egoistische Verhalten. Die Angst, zu kurz zu kommen, schlägt fast automatisch um in Futterneid, Rivalität, Krieg und Ausbeutung.

Wie aus diesem Dilemma herauskommen? Nach christlicher Überzeugung gibt es nur einen Weg: gewalt- und selbstlos mit anderen vorangehen, mit anderen und für andere. Dieser Weg hat keine Alternative. Er wird an Jesus sichtbar, und zwar schon von Beginn seines Lebens an: Er heißt Fürst des Friedens. Wenn er kommt, wird abgerüstet: Jeder Stiefel, der dröhnend daherstampft, jeder Mantel, im Blut gewälzt, wird verbrannt, wird ein Fraß des Feuers (Jes 9,4-5). Was ist gewaltloser, was ist wehrloser als ein kleines Kind?

Dieses kleine Kind, das Jesus-Baby verkündet bereits eine Botschaft – ohne zu reden. Das Kind ist bereits als Kind die Rettung. Es braucht gar nichts zu sagen. Es ist die Botschaft von der Feindesliebe als einzige Alternative: groß denken vom anderen Menschen, der Menschenwürde Raum schaffen und von den Ego-Interessen absehen zugunsten des Gemeinwohls.

Jesus hat die Gewaltlosigkeit gewählt und sich für die Feindesliebe entschieden. Immer wieder und bis zuletzt blieb er dieser Wahl treu. Heute feiern wird das wehrlose Kind, am Ende seines Lebens steht er da als wehrloses Lamm. Und Gott-Vater wird diese Wahl in der Auferweckung seines Sohnes bestätigen.

Heute feiern wir das wehrlose Kind. Wenn wir es mit seiner Anbetung ernst meinen, können wir dann noch anders als die Hand zu reichen und den ersten Schritt zu tun?

‚Gefalle ich dir?‘ Gefalle ich mit meiner Art zu leben Gott? Was sagt Paulus dazu? – Predigt

Dr. Christoph BenkeDamit beschäftigte sich Dr. Christoph Benke in seiner Predigt am 1. Adventsonntag in Schönbrunn-Vorpark.


„Gefalle ich Dir?“ Mit dieser Frage will sich jemand der Zuneigung des Partners versichern. Vielleicht ist eine kleine Unsicherheit da, ob das denn noch so ist … Man wird da auch nicht leicht nein sagen können. Jedenfalls möchte da jemand hören: Ja, Du gefällst mir. Diese Sehnsucht ist tief in uns: anerkannt zu werden; zu hören „Du gefällst mir“.

In einer Ermahnung erinnert Paulus die Gemeinde in Thessaloniki: Ihr habt von uns gelernt, wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen, und ihr lebt auch so; werdet darin noch vollkommener! (1 Thess 4,1). Es gibt also eine bestimmte Lebensart, die Gott gefällt – ein gottgefälliges Leben. Diese Art zu leben lernt man an anderen. Man schaut sie zunächst ab. Dann eignet man sich diese Lebensart nach und nach an.

Was macht ein gottgefälliges Leben aus? Dazu liefert die Lesung Hinweise. Der eine: ‚Ihr lebt schon gottgefällig‘, aber werdet darin noch vollkommener! Das klingt nach Perfektionismus. Gemeint ist aber Wachstum: Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden in der Liebe zueinander (3,12). Unsere Berufung als Mensch und als Getaufte ist, zu lieben und in der Liebe zu wachsen. Die Liebe soll an Tiefe gewinnen und die Mitmenschen und die Mitwelt immer mehr einbeziehen.

Gefalle ich Dir? Es ist richtig, diese Frage an Gott zu richten: Führe ich ein gottgefälliges Leben? Wir dürfen von einem tiefen und dick unterstrichenen Ja ausgehen: Gott hat uns gewollt. Er zieht seine Liebe nie zurück. Aber er hofft, dass wir an seiner Liebe wachsen, sie immer dankbarer beantworten. Wenn wir das im Blick und im Herzen hatten, können wir vor den Menschensohn hintreten, wenn er kommt (Lk 1,36).