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Elisabeth Rupprecht mit 2 Äthiopierinnen in traditioneller KleidungStiftung Jugend fördern

Einsatz in Äthiopien

4. Dezember 2021/von Michael Valent

Elisabeth Rupprecht, eine diplomierte Krankenschwester aus Bayern, war zwei Monate lang als Freiwillige im Krankenhaus der Mutter-Teresa-Schwestern in Addis Abeba tätig.

Hier berichtet sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.


Es geht los!

Am 24. August 2021 landete ich in Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien. Die ersten drei Tage konnte ich in einer Unterbringung der Kirche wohnen. Gleich am ersten Tag wurde ich zu einem traditionellen Abend eingeladen. Alle aßen Ingra (ein typisches Fladenbrot) von einem Teller. Es wurde dabei Musik gespielt und getanzt. Unterschiedliche regionale Tänze wurden aufgeführt. Das war sehr beeindruckend.

An meinem zweiten Tag ging ich in einen Park. Da gab es viel zu sehen; ich war stets am Staunen. Sehr beeindruckend waren auch die beiden Klöster, die ich danach ansah. Hier waren u.a. eine große Schule und eine kleine Arztpraxis, die von einem katholischen Orden organisiert werden.

An  meinem dritten Tag kam ich dann ins Krankenhaus der Mutter-Teresa-Schwestern. Mir wurde das ganze Krankenhaus gezeigt. Der erste Eindruck war schockierend und erschreckend: Es ist einfach so ganz anders bei den Ärmsten der Armen. Patienten liegen zum Teil auf dem Boden. So viele Kranke in einem Raum! Die Patientinnen und Patienten sprechen kein Englisch, nur Amharisch. So war eine Kommunikation nicht möglich. An diesem Tag dachte ich mir: „Oh nein, wie soll ich hier die Zeit nur überstehen?!“

Die Wochen im Krankenhaus

Die Englisch sprechenden Arbeiter brachten mir etwas Amharisch bei. Ich durfte in der Wundversorgung mitarbeiten. Des Öfteren bin ich sehr erschrocken, denn solche Wunden hatte ich noch nie gesehen. Es waren teilweise ganz junge Menschen mit chronischen Wunden. Verbandsmaterial war nur eingeschränkt vorhanden. Wunden wurden mit Betaisadona oder Honig versorgt. Der Aufgabenbereich der Krankenschwester ist ganz anders als in Mitteleuropa.

Bei der Wundversorgung von bettlägerigen Menschen halfen mir Arbeiter. Das sind einheimische Leute, die sämtliche anfallenden Arbeiten erledigen: putzen, Körperwaschung, Essen geben, Boden kehren, Patienten mobilisieren … Alle Patienten waren voller Freude und Dankbarkeit, wenn ich ihre Wunden versorgte. Und auch sehr hilfsbereit: alle unterstützten alle.

Es kamen sehr viele schwerkranke junge Menschen zur Behandlung. Viele wurden beim Sterben begleitet. Es wurde mit ihnen und für sie gebetet. Zum Beispiel starb einmal ein 17-Jähriger an Borreliose. Das ist eine häufige Erkrankung und wird durch die schlechten hygienischen Zustände von Läusen und Flöhen übertragen. Auch Tuberkulose ist eine häufige Erkrankung.

Junge schwangere Frauen, die alleinstehend und mittellos waren, durften zur Entbindung in die Klinik kommen. Sie wurden versorgt, bekamen zu essen und durften hier wohnen. So konnten sie und ihre Babys überleben.

Glauben und Leben

In den Gottesdiensten waren so viele Leute – auch junge. Ein Festgottesdienst dauerte einmal vier Stunden und danach wollte noch niemand heim. Die Leute waren nicht Zuschauer sondern feierten aktiv mit. Anschließend wurde noch in der Kirche getanzt und gesungen und Gott gepriesen.

Die Gastfreundschaft wird in Äthiopien sehr groß geschrieben. Es ist nicht selbstverständlich, eine Wohnung und Essen zu haben. Strom und fließendes Wasser haben die meisten Menschen nicht. Als wegen der Corona-Pandemie alle Geschäfte geschlossen wurden und viele zum Geldverdienen keine Arbeit mehr hatten, herrschte sehr große Not im Land. Die Menschen hier haben keine Reserven und Vorräte. Sie verdienen meist täglich nur so viel, um ihre Familien ernähren zu können. Ganze Familien starben in dieser Zeit.

Sie kochen auf einer Holzfeuerstelle und haben einen Topf darüber. Täglich luden mich Patienten zum Essen mit ihnen ein oder um Kaffee zu trinken. Sie wollten ihr bisschen, was sie hatten, gerne teilen.

Da Salz billig ist, wurde der Kaffee damit „aufgebessert“. Milch und Zucker sind Mangelware und sehr teuer. In dieser salzigen Kaffeebrühe stand unten ein dicker Sud. 🙂

Abends nach Feierabend spielte ich mit Patienten Dame und Rommé; sie unterrichteten mich in ihrer Muttersprache und hörten Musik. Trotz der anstrengenden Arbeit habe ich mich mit den Arbeitern und Patienten sehr gut verstanden und wir hatten trotz der Sprachprobleme eine Menge Spaß.

Gedanken zum Abschied

Besonders fasziniert haben mich die Mutter-Teresa-Schwestern. Sie haben sehr, sehr viel Arbeit, jedoch sind sie dabei immer zu allen freundlich und herzlich. Von der Bevölkerung werden sie hoch geschätzt.

Gerne möchte ich wieder in dieses Land kommen und meine Freunde wieder treffen: „Lela gize emetalew“ – „Ich werde wiederkommen“!

Elisabeth Rupprecht

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