Lange Zeit mussten wir auf einen neuen Oberhirten in der Erzdiözese Wien warten. Am 17. Oktober 2025 hat Papst Leo XIV. Josef Grünwidl offiziell zum Nachfolger von Kardinal Christoph Schönborn ernannt. Mit dem langjährigen Pfarrer, Bischofsvikar und Vorsitzenden des diözesanen Priesterrates bekommt die Kirche in Wien und dem östlichen Niederösterreich einen charismatischen Leiter, der mit allen Ebenen der Erzdiözese vertraut ist wie kein anderer und durch seinen seelsorgeorientierten, dialogbereiten und spirituellen Zugang viel Zuspruch genießt.

Am vergangenen Samstag wurde Josef Grünwidl zum 33. Bischof von Wien geweiht und in sein Amt eingeführt. Bei der feierlichen und sehr stimmungsvollen Zeremonie im Stephansdom waren neben Kardinal Schönborn, dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner, allen heimischen amtierenden Bischöfe und Weihbischöfe auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Pedro Lopez Quintana und rund 3.000 Menschen dabei. Das offizielle Österreich wurde u.a. durch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Christian Stocker repräsentiert. Auch Vertreterinnen und Vertreter anderer Religionsgemeinschaften haben die Feierlichkeiten im Dom mitverfolgt. Grünwidls Mutter und seine Familie feierten ebenfalls im Dom mit.
Sofort aufgefallen ist, dass Josef Grünwidl den Bischofsstab von dem von uns so geschätzten Weihbischof Helmut Krätzl übernommen, er für sein Pektorale, eine Kopie des Brustkreuzes von Papst Franziskus gewählt hat und bewusst alles „möglichst einfach als Seelsorger Teamplayer und Brückenbauer“ gestalten möchte. Wie sagte er schon nach seiner Ernennung: „Gott braucht mich nicht perfekt, sondern verfügbar.“
Kardinal Christoph Schönborn betonte in seiner Predigt, dass die Aufgabe, die Gemeinschaft der Gläubigen zu leiten, zunächst für Grünwidl zu groß gewesen sei. Er wollte nur ein einfacher Pfarrer sein, habe keine kirchliche Karriere angestrebt und daher ein klares Nein zum Bischofsamt gesagt. Aber es kam aber dann doch alles ganz anders. Drei Ratschläge hat der Herr Kardinal seinem Nachfolger mitgegeben: „Höre auf die Menschen mit unangenehmen Nachrichten. Habe ein hörendes Herz für die einfachen Menschen und mögen deine Nächsten merken, dass du sie liebst.“
Nach der Verlesung der Ernennungsurkunde durch Seelsorgerin Judith Werner aus dem Weinviertel, folgte mit der Handauflegung der 29 anwesenden Bischöfe ein Höhepunkt der Zelebration, der nur durch das Läuten der Pummerin begleitet wurde. Aus Sicht unserer Pfarre Hildegard Burjan folgte danach ein weiterer Höhepunkt. Der Bischofsstab des neuen Erzbischofs wurde durch die Reihen im Dom nach vorne gereicht. Diakon Arpad übergab schließlich den Hirtenstab an Kardinal Schönborn, der ihn dann Josef Grünwidl überreichte. Davor hatte Schönborn Grünwidl schon die Mitra aufgesetzt und den Ring angesteckt.
Am Ende des Gottesdienstes richtete Josef Grünwidl seine ersten Worte als Erzbischof an die Mitfeiernden im Dom und an den TV-Geräten. Er startete mit einem Zitat des Heiligen Augustinus: „Mit euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ. Aus ganzem Herzen sage ich ja zu dieser Aufgabe, Josef, euer Bruder. Weiters meinte er: „Die Kirche ist besser als ihr Ruf. Sie ist das Instrument Gottes. Die Melodie des Evangeliums mit unserem Dirigenten, den Heiligen Geist, ist kraftvoll und lebendig.“ Und abschließend sagte der Herr Erzbischof: „Du bist ein Ton in Gottes Melodie. Ich bin bereit und lade euch alle herzlich ein, mit einzustimmen.“
Josef Grünwidl wurde 1963 in Hollabrunn geboren und wuchs in Wullersdorf auf. Nach dem Theologie- und Musikstudium in Wien empfing er 1988 die Priesterweihe. Seelsorglich tätig war er zunächst in Wien und Wiener Neustadt, später viele Jahre als Pfarrer im südlichen Niederösterreich und in Perchtoldsdorf tätig. Von 1995 bis 1998 war er Sekretär von Erzbischof Schönborn, 2023 wurde er zum Bischofsvikar für das Vikariat Süd ernannt, seit der Emeritierung von Kardinal Schönborn am 22. Jänner 2025 leitete er die Erzdiözese interimistisch als apostolischer Administrator der Erzdiözese Wien. Auch in Schönbrunn-Vorpark hat er als Jugendseelsorger in der Zeit von Pfarrer Hofer das eine oder andere Mal ausgeholfen.
Beten wir für unseren neuen Erzbischof, damit er seine und unsere Erzdiözese gut leite. Erzbischof Josef, wir wünschen Ihnen/dir aus ganzem Herzen Gottes Segen und alles Gute für die kommenden Aufgaben und Herausforderungen.
PS: Falls ihr die Bischofsweihe nicht live im ORF verfolgen konntet: auf ORF ON –https://on.orf.at/video/14308679/weihe-und-amtseinfuehrung-des-wiener-erzbischofs-josef-gruenwidl – wird sie in den nächsten Tagen noch angeboten.
Erwin Gruber/Maria Kimm/Texte auch von katholisch.at