Reflexionen

Hier ein paar Gedanken von meinem Reisebegleiter Georg:

Nach fünf ereignisreichen und anstrengenden Tagen in Daressalalam fahren wir gerade mit dem Schnellboot zur Insel Sansibar. Die eineinhalb Stunden im bequemen Sessel der Fähre sind eine gute Gelegenheit, über die bisherigen Eindrücke unserer Reise nachzudenken:

Martin war schon mehrfach in Tansania. Gisela und ich waren 2017 vor Ort. Die materielle Armut vieler Menschen ist bedrückend. Wir haben beim Besuch der Familien unserer Volunteers eindrücklich erlebt, wie ganze Familien in einem kleinen Raum mit löchrigem Wellblechdach leben, ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser, ohne Kanalisation und ohne Müllabfuhr. Die Pfade und Straßen zu den Behausungen sind staubig und vermüllt, die offenen Abwasserkanäle stinken und sind ein Grund für viele Krankheiten. Es ist erschütternd zu sehen, dass es in Manzese keine menschenwürdige Infrastruktur gibt, die andernorts in Tansania durchaus vorhanden ist.

Bei unserem täglichen Spaziergang vom Hotel zu den Räumen der Stiftung können wir beobachten, wie schwer der Alltag für viele Bewohner/innen von Manzese ist. Sie versuchen ein paar Früchte oder Wasserflaschen zu verkaufen, oder sie schrauben auf offener Straße an alten Motoren herum in der Hoffnung, hierfür einen Käufer zu finden.

Welch ein Kontrast ist es da, wenn wir jeden Morgen in den Räumen der Stiftung (dort YCB genannt) ankommen, die auf dem Gelände der Pfarrkirche von Manzese liegen. Die YCB-Mitarbeiter/innen haben die Räume sehr schön gestaltet: Es ist sauber, die Wände sind frisch geweißt, es gibt Töpfe mit tropischen Pflanzen und alles ist einfach, aber sehr praktisch eingerichtet.

Es ist ein Ort, an dem wir uns schnell zu Hause fühlen, wo sich aber vor allem das YCB-Team, die Volunteers und Kursteilnehmer/innen wohlfühlen. Wir spüren und erleben, dass man dort gerne lernt, gemeinsam Pläne schmiedet, diskutiert und auch gemeinsam isst und feiert.

Dieser Ort hat eine Strahlkraft auf die gesamte Umgebung, durch die Stipendiat/innen, die Kursteilnehmer/innen und das Team um Alphonce. Aber auch durch die vielen Aktivitäten in Manzese wie zum Beispiel Müllsammeltage.

Martin hat von seiner Vision erzählt, dass Manzese eines Tages ein normales Stadtviertel von Daressalam sein wird. Das ist ein weiter Weg, aber wir spüren, dass die Arbeit von Alphonce und dem sehr engagierten YCB-Team, die an der Realisierung dieser Vision arbeiten, dafür sorgt, dass der Funken der Veränderung auf möglichst viele Menschen in Manzese überspringt.

Ich würde mich nicht wundern, wenn wir in 10 Jahren einen ganz anderen Stadtteil sehen werden.