Fünfter Fastenimpuls: Ins Leben befreien …
Wer kennt sie nicht, die Erzählung aus Joh 11, dass Jesus Lazarus wieder aus dem Grab zum Leben befreit. Auch wieder ganz im Stil des Evangelisten Johannes: eine lange Geschichte, mit vielen tiefen Aspekten.
Manche nennen es „die Ouvertüre“ zu Ostern; denn es geht noch nicht um die große Auferstehung im Licht Gottes, auf das wir zugehen. Aber es geht darum, dass Jesus schon hier und heute immer wieder ins Leben zurückführen, zurückrufen, befreien kann.
Vier Aspekte möchte ich herausheben und auf dich und mich deuten.
Welche Anteile von mir sind zur Zeit abgestorben?
Mache ich Schritte auf Jesus zu, damit er sie wieder zum Leben befreit?
Maria (die zuhört und wie wir hier lesen Jesus liebkost hat) und Martha (die Praktikerin) deute ich immer wieder als zwei Seiten, die ich auch in mir kenne, und versuche in Balance zu halten. Aber vielleicht gibt es daneben auch Anteile in mir, die zurzeit abgestorben sind. (Kreatives, Rebellisches, Zerbrechliches …)
Kann ich mit dem, was in mir lebt und da ist, Schritte auf Jesus hin machen, sodass er fragt, wo das Abgestorbene „bestattet ist“ und es wieder zum Leben befreien.
Jesus befreit zum Leben, weil er (alle drei Geschwister) liebt.
Spür ich diese Liebe (auch zu meinen abgestorbenen Anteilen)? Glaube ich sie ihm? Lass ich zu, dass er in mir Aspekte zum Leben erweckt, weil er sie liebt.
Lerne ich von ihm, zu lieben?
Wann gilt es zu warten und wann beherzt zu handeln, auch wenn es gefährlich sein kann?
Mir ist es beim ersten mal Lesen gar nicht aufgefallen, weil der Kern der Geschichte so stark und hoffnungsvoll ist: Als Jesus die Nachricht bekommt, wartet er zuerst noch zwei Tage. Dann geht er, obwohl ihn die Apostel warnen, dass er in dieser Gegend fast gesteinigt worden wäre. – und so „wird Gott verherrlicht“ –
Wann muss auch ich eher warten, und wann aber mutig handeln, auch wenn es gefährlich ist, damit ich so lebe und handle, dass es Leben fördert.
Und der Schlussauftrag: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!
Wenn Jesus “Lazarus“ wieder ins Leben befreit, kann und soll auch ich ein wenig mithelfen, dass es wirksam werden kann: Binden lösen und seinen/ihren Weg gehen lassen. Einfach, weil es in meinem Umfeld geschieht.
Und vielleicht hilft mir das selbst, im Glauben zu wachsen.

Sasin Tipchai auf Pixabay
Pfarre Hildegard Burjan | Erwin Gruber