Zweiter Fastenimpuls: Strahlen – „Wie ein Honigkuchenpferd“
Kennen Sie das Sprichwort noch: „Du strahlst wie ein Honigkuchenpferd.“ Wann haben Sie das letzte Mal so gestrahlt?
Was war denn so schön, erleichternd, einfach voller Freude und „Seligkeit“, dass es sogar ihr Gesicht verwandelt hat?
Nun, Jesus hat am Berg Tabor offensichtlich so intensiv gestrahlt, dass es die Evangelisten Matthäus, Markus und Lukas alle drei berichten: „Und er wurde vor ihnen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.“ (Mt 17,2) Und anscheinend ist es so wichtig, dass diese Bibelstelle jedes Jahr sogar zweimal gelesen wird: Am 2. Sonntag in der Fastenzeit und an einem eigenen Fest, wo wir uns an dieses Geschehen erinnern: am 6. August, zur Verklärung des Herrn.
Ja, schön für ihn – aber was hat es mit unserem Leben zu tun?
Wie so oft in dichten biblischen Erzählungen können wir viele Aspekte darin entdecken und vielen Fragen nachgehen.
Warum strahlte denn Jesus?
War es die starke Verbundenheit und (in der Wolke) spürbare Nähe Gottes – So ähnlich wie es über Moses geschrieben steht?
Was heißt das dann für mich? Merkt man an meiner „Ausstrahlung“, wie fest ich mit Gott verbunden bin? Oder auch umgekehrt: Wenn ich merke, dass ich gerade unrunder und kratziger werde, ist vielleicht einer der Gründe, dass ich im Gebetsleben oberflächlicher geworden bin, und dass dies seine Kreise zieht? (Neben ganz innerweltlichem Stress oder unguten Beziehungen.)
Oder wird bei diesem Strahlen auf einmal klar, dass Jesus wirklich nicht bloß ein weiser Mensch, ein begabter Heiler, sondern tatsächlich der Sohn Gottes ist? Führt das bei mir auch noch manchmal zu einem Wow-Effekt wie bei den Aposteln? Oder halte ich das für „nichts Besonderes“, weil ich mich an den Gedanken gewöhnt habe? Kann ich in dieser Fastenzeit vielleicht wieder bewusster auskosten, wie nahbar und nahe-kommend Gott in Jesus geworden ist?
Oder leuchtet in diesem Strahlen schon das Licht auf, das nach der Auferstehung Wirklichkeit wird? Ist es dann das Licht, das auch uns erfüllen wird? Welche Stärke und Gelassenheit kann es meinem Leben geben, wenn das meine Perspektive ist? Lebe ich meinen Alltag eher aus der Überzeugung, dass ich in ein Jammertal geworfen bin, oder dass ich „in sein wunderbares Licht gerufen“ bin (1 Petr 2, 9)?
Und wie geht die Geschichte weiter?
Die drei Hütten, die Petrus bauen will, weil er von diesem strahlenden Eindruck so überwältigt ist, werden nicht gebaut. Es geht nicht darum, Gipfelerlebnisse isoliert festzuhalten und möglichst lang in ihnen zu baden. Es geht wieder ins Tal, zu den Mitmenschen, in den Alltag, um – gestärkt durch diese Erfahrung – heilsam zu wirken. Was offensichtlich auch nach solchen Lichtblicken eine Herausforderung bleibt.
Es ist uns also offensichtlich nicht versprochen worden, dass das Leben einfach wird, aber schon, dass es wunderbar ist.
Reicht das, um manchmal zu strahlen, wie ein Honigkuchenpferd?

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Pfarre Hildegard Burjan | Erwin Gruber
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