Im Alltag erleben wir das Warten oft als verlorene Zeit:
Im Wartezimmer, in der Warteschleife, an der Kassa im Supermarkt.
Manchmal belastet es auch, wenn wir ohnmächtig warten müssen, oder wenn wir Schlimmes befürchten.
Auch wenn wir auf etwas Schönes warten, kann die Zeit lang werden.
Wie lange kommen gerade Kindern die Tage bis zum Weihnachtsfest vor.
 
Doch in der hoffnungsvollen Erwartung ist schon sehr viel Freude – Vorfreude. Da kommen Spannung und Neugierde auf. Auch Unruhe gehört dazu, ein inneres Drängen und Wollen; und auch die Kraft, diese Unruhe auszuhalten; zu warten, bis die Zeit reif ist.
Wichtiges im Leben lässt sich nicht erzwingen, wir dürfen es erwarten.
 
Im Advent erleben wir diese Seite unseres Lebens konzentriert.
Zahlreiche Adventlieder fassen dies in Worte. Wir spüren darin ein sehnsüchtiges Drängen. Auch lenken sie unseren Blick auf Hoffnung und Zuversicht.
Solch spannungsvolle Erwartung ist das Kennzeichen unseres christlichen Glaubens.
 
Christen sind durch und durch adventliche Menschen.
Sie sind aufgefordert, das Vorläufige, das Begrenzte, das Not volle des Lebens und der Welt zu spüren und nach Kräften zuzupacken, wo Not ist.
Und gleichzeitig aber auch den Verheißungen Gottes zu trauen, leben und handeln in der Erwartung, dass Gott ohne ihr Zutun auf sie zukommt.
Aushalten, dass sie sein Kommen nicht herbeizwingen können, aber ihn erwarten dürfen. 
 
Fritz Burianek