Die Bischofskonferenz hat entsprechend der Gefahr durch die Virusansteckung alle öffentlichen Gottesdienste ausgesetzt und von der Sonntagspflicht befreit. Menschenansammlungen können zur Verbreitung des Virus beitragen. Die Zahl der Sterbenden zeigt die Gefährlichkeit des Leichtsinns. Darum ist für einige Zeit alles Gemeinschaftliche ausgesetzt.

Trotzdem fragen viele Gläubige, ob sie an irgendeiner Heiligen Messe teilnehmen können. Es wäre doch möglich, im kleinen Kreis bis zu 10 Personen den Gottesdienst zu feiern, um die Kommunion zu bekommen? Viele gehen von Priester zu Priester. Manche verteilen die Heilige Kommunion zum mit nach Hause nehmen. Das geht hin bis zu Online-Bestellungen der Heiligen Kommunion, die dann an die Haustür oder den Gartenzaun gebracht und mit Pinzette überreicht wird. Ich sehe hierbei einige Missverständnisse:

  1. Die Hl. Messe ist Begegnung mit Jesus und Wandlung durch ihn. Jedoch hat Jesus uns viele andere Arten des Zusammentreffens mit ihm gezeigt: „Was immer ihr dem Kleinsten unter euch getan habt, das habt ihr mir getan.“ Während uns im Matthäus-, Markus- und Lukasevangelium das Abendmahl „Nehmet und esset“, hinterlassen wird, vererbt uns Jesus im Johannesevangelium die Fußwaschung. Im selbstlosen Dienst am Nächsten ist er uns nahe, wie im Mahl.
    Es ist für mich auffällig, dass mich viele Gläubige befragt haben, wie sie an einer Hl. Messe teilnehmen können, aber sie haben mich nicht gefragt, ob sie bei der Wärmestube für Obdachlose, bei der Lebensmittelverteilung, bei der Sternsinger-Aktion mithelfen können. Das ist doch die Fußwaschung. Jesus will uns doch mitteilen, wenn das Abendmahl nicht möglich ist, dann trefft ihr mich bei der Fußwaschung.

  2. Es heißt „Nehmet und esset, das ist mein Leib für euch hingegeben“, und nicht „Nimm und iss, … für dich hingegeben“. Die Hl. Messe ist immer eine Feier der Gemeinschaft, nie eine geistliche Befriedigung für Einzelne. Das Konzil sagt: Die Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt des ganzen kirchlichen Lebens. Wo aber das Leben eingeschränkt ist, wie jetzt in der Pandemie, da sind auch die gemeinsamen Höhepunkte eingeschränkt. Wir sind verwiesen auf das, was wir aus der Hl. Messe gelernt und nun auch allein tun können: das Gebet, das Lesen und Hören der Bibel, der Dienst am Mitmenschen, das Singen der Psalmen, das Staunen über die Natur.

  3. Die Hl. Messe ist das Sakrament der Einheit. Als die Pandemie begann und die öffentlichen Gottesdienste ausgesetzt wurden, war es erlaubt, im kleinen geschlossenen Kreis mit fünf Personen den Gottesdienst zu halten. Ich habe ein paar Mal versucht, Leute aus der Gemeinde einzuladen. Sofort begannen Vorwürfe: „Warum diese und nicht ich?“ Es entstand Neid, Nachrede, Anschuldigungen. Das gleiche erlebe ich jetzt im Jänner 2021: „Die Nachbarkirche bietet die Messe für 10 Personen an. Warum nicht ihr? Dort bekommen wir die Kommunion, warum nicht bei euch?“ – Das ist zerstörerisch! Da schleicht sich der böse Geist ein. Allein der Gedanke: Von diesem Priester bekomme ich die Kommunion, von jenem nicht, schafft das Gegenteil, wozu die Hl. Messe eingesetzt wurde: Aufbau der Einheit.

Ich freue mich über die Sehnsucht und auch die Ungeduld nach den Sakramenten. Betet schon der Psalm 42: „Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so lechzt meine Seele Gott nach dir.“ Jedoch müssen wir äußerst ernst nehmen: „Alles geschehe so, dass es aufbaut“ und zwar die Gemeinschaft. Als Pfarrer bitte ich deswegen um Verständnis und Vertrauen in die Entscheidungen.

Pfarrer Martin Rupprecht, 10. Jänner 2021, Fest der Taufe Jesu