Tugenden | Marc Pascual, Pixabay

Tugenden gibt es viele, aber kennt man sie heute noch?

Denkt man an Tugenden, geht es grob gesprochen um positive menschliche Charakter-Eigenschaften, die Gutes verwirklichen und deshalb erstrebenswert sind.

Ein Mensch ist dann „tugendhaft“, wenn er sich redlich bemüht und darauf bedacht ist, das zu tun, was lobenswert ist; diese Haltung und das daraus Getane dürfen in der Folge „Tugenden“ genannt werden.

Es sind rühmliche Eigenschaften und Handlungen, die uns selbst und unseren Nächsten in erfreulicher Weise zugutekommen. Letztlich geht es dabei um die Nächstenliebe, neben der Gottesliebe unser wichtigstes Gebot.

Wenn die sprachliche Herleitung des Wortes Tugend vom Zeitwort „taugen“ zutrifft, dann geht es in der Tugend darum, alles das zu tun, was brauchbar, geeignet und nützlich ist, was also „taugt“. Erst unter christlichem Einfluss im Mittelalter wird dem Tugendbegriff ein „sittlicher Sinn“ zugeschrieben und als Gegensatz zum Laster gesehen. Also sind die durch Bemühen erworbenen Tugenden wichtig zur Führung eines sittlich vollkommenen Lebens.

Oft hört man auch heute noch die sich reimende Redewendung, „die Jugend habe bzw. kenne keine Tugend“, weil die Jungen allzu rasch dazu bereit wären, sich vor allem über moralische Bedenken hinwegzusetzen. Doch in Wirklichkeit ist es so, dass die Jugend in ihrer Entwicklung neue Ideen sucht und daher ihre eigenen Wege wandeln will. Erfreulich ist dabei, dass sie sehr oft tatsächlich ihre eigenen „Ideale“ und Tugenden findet, so z.B. wenn sie zurzeit aktuell für den Umwelt- und Klimaschutz eintritt.

Mit jeder guten Tat lässt sich eine nützliche Tugend verwirklichen, und deren gibt es viele: Wir kennen die christlichen Tugenden aus den zehn Geboten (vgl. Ex 20,1-17) oder in den Seligpreisungen (Mt 5,1-11; Lk 6,20-26), wir wissen um die so genannten „himmlischen Tugenden“, die unser Zusammenleben fördern wie Demut, Milde, Geduld, Wohlwollen, Fleiß u.a., auch überlieferte bürgerliche und ritterliche Tugenden sind bekannt, aber auch wissenschaftliche Tugenden wie Sachlichkeit, Ehrlichkeit und kluges Abwägen, und allen voran stehen natürlich in der groben Aufzählung die drei von Gott geschenkten Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.

Schon die Griechen sahen mit Aristoteles (†322 v.Chr.) in der Tugend eine Haltung, die durch Einüben erworben und zu einer verlässlichen Gewohnheit werden konnte. Ein tugendhafter Mensch vermochte daher, indem er klug, tapfer, mäßig und gerecht lebte (Kardinaltugenden), seine Leidenschaften entsprechend erfolgreich zu kultivieren.

Teilweise daran anknüpfend ruft uns Petrus in seinem 2. Brief dazu auf, allen Eifer daran zu setzen, mit unserem christlichen Glauben die Tugend zu verbinden und damit „die Erkenntnis, … die Selbstbeherrschung, … die Ausdauer, … die Frömmigkeit, … die Brüderlichkeit“ und mit ihr „die Liebe“ (2 Petr 1,5f.). Nicht minder eindringlich erläutert der Apostel Paulus, was er unter Tugend versteht und was daran lobenswert ist, nämlich „wahrhaft, edel, recht, lauter, liebenswert, ansprechend“ zu leben, und diese christlichen Grundhaltungen sollen wir ernsthaft bedenken (Phil 4,8).

Mit Tugenden zu leben ist also eine Aufforderung, der wir gewissenhaft nachkommen sollen, denn ohne Tugenden kann das Leben in unserer Gemeinschaft wohl nur unerträglich sein.

H.T.

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