Liebe muslimische Freunde,

morgen beginnt euer Fastenmonat Ramadan. Der Sultan der Monate! Zu Recht, denn vom Geist dieser Tage wird die übrige Zeit des Jahres geprägt, geformt, mit dem Geist der Selbstdisziplin, der Gastfreundschaft, des Gebets und der Barmherzigkeit durchdrungen. Ich bewundere alle, die das Fasten einhalten.

Das Fasten ist entgegen der menschlichen Logik. Diese sagt: „Es ist besser etwas zu trinken, damit du besser arbeiten kannst“, oder „es ist nicht gut zu hungern, weil du dann deine Aufgaben nicht so gut erledigen kannst“.

Diese Radikalität ist entgegen der menschlichen Logik, aber sie bringt uns dem göttlichen Willen näher. Sie zeigt uns, was wir sind: ein Geschöpf, abhängig von den Gaben des Schöpfers. Ein Geschöpf, ausgeliefert den Absichten der Mitmenschen.

Darum lernen wir im Ramadan neu den Dank an den einen Schöpfer des Himmels und der Erde; neu die Barmherzigkeit nicht nur allen Menschen gegenüber, sondern allen Lebewesen und auch der geschaffenen Materie gegenüber.

Das radikale Fasten will uns erneuern. Dieses Jahr kommt noch ein weiterer Verzicht hinzu: Wegen der Corona Pandemie muss in der Türkei das Teravi-Gebet zu Hause verrichtet werden. Was für ein Schmerz! Viele können das nicht verstehen. Aber alles, was uns Gott gibt, den Ramadan und die Einschränkungen, alles soll uns helfen, dass wir wachsen im Gebet und in der Liebe zum Mitmenschen.

In meinem Abendgebet als christlicher Priester will ich täglich für euch beten. Ich danke euch für euer Fasten und wünsche euch einen gesegneten Ramadan!

Pfarrer Martin Rupprecht, Wien

 

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