Vergebung | Diana de Weert, Pixabay

Vergebung ist ein persönlicher Akt, der zu innerseelischer Freiheit führt und so bedeutend ist, dass er als Bitte im Vaterunser ausgesprochen wird: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“! Diese menschliche Fähigkeit zur Vergebung erbitten wir, weil sie die Voraussetzung zur Versöhnung und zu einem friedvollen Zusammenleben darstellt.

Es ist nicht immer leicht, jemandem eine Schuld zu erlassen und danach nicht mehr nachtragend zu sein. Einer Person, die etwas falsch gemacht hat, nicht mehr böse sein, fördert das seelische Wohlbefinden, weil dadurch ein erlittenes Unrecht aufgehoben und wiedergutgemacht wird. Jemandem zu vergeben ist gleichsam ein Sieg über sich selbst.

Vergeben wird oft mit „verzeihen“ gleichbedeutend verwendet, weil es einen Weg mit einzelnen Schritten vorgibt: Dieser Weg führt vom freundlichen Ansprechen des beleidigenden Menschen hin zum klärenden Verstehen, das in einem gegenseitigen Anerkennen mündet und schließlich im Verzeihen und erfreulichen Wiedergutmachen endet. Solch ein für beide Seiten befreiendes Ende ist ein wunderbares Ergebnis, das innere Freuden auslösen kann.

Die Bibel ist voll von Berichten über Ereignisse der Vergebung. Ein berührendes Beispiel über die „Pflicht zur Vergebung“ erzählt Jesus in der Parabel vom milden König und seinem unbarmherzigen Knecht (Mt 18, 21-35).  Mit der Vergebung begibt sich Jesus selbst in eine kritische Situation, wenn er den Menschen ihre Sünden vergibt, was ihm von Seiten der Schriftgelehrten als Gotteslästerung ausgelegt wird (vgl. Mk 2, 5f.). Doch diese seine Vollmacht bestätigt Jesus damit, indem er zum Beweis für die seelische Entlastung den Gelähmten dann doch auch physisch heilt, so dass dieser für alle sichtbar aufstehen und sein Bett heimtragen kann (Mk 2, 10f.). Dies ist eines von vielen Beispielen, die uns dazu bewegen sollen, den Mitmenschen ihre Verfehlungen nachzusehen und zu vergeben, weil nur dann Gott auch uns unsere Verfehlungen vergeben wird (vgl. Mt 6, 14f.).

Ehrliche Vergebung geschieht ohne daran geknüpfte Bedingungen, sie vollzieht sich frei ohne Rücksicht auf Undank oder auf die Gefahr hin, dass die gewollte Versöhnung scheitern könnte. Nichts soll das Vergeben daran hindern, die geschwisterliche Beziehung wiederherzustellen. Schon das Buch Jesus Sirach geht intensiv ein auf das gute Wort und Handeln der Menschen zur rechten Zeit, zeigt die schlimmen Folgen von Streit und empfiehlt eindringlich auch dessen möglichst rasche Beilegung durch Vergebung (vgl. Sir 18, 15-29 und 28, 2f.). Voll Vertrauen wendet sich der Psalmist an den gütigen Gott, wenn er sagt: „… tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!“ (Ps 51, 3) und bekundet zugleich seinen unerschütterlichen Glauben an den barmherzigen Gott: „Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben“ (Ps 86, 5), „bei dir ist Vergebung, damit man in Ehrfurcht dir dient“ (Ps 130, 4).

Die vorösterliche Bußzeit ist bestens dazu geeignet, unter den vielen Möglichkeiten der Umkehr auch über „das Vergeben“ meditierend nachzudenken. Aufrichtige Vergebung macht nämlich frei und erhöht die Freude auf das Hochfest der Auferstehung, auf das wir gut vorbereitet zugehen mögen.

H.T.