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 Ein Wort zum Älter-Werden von Pflegeheimseelsorgerin Regina Leodolter-Wogrolly

 Adler, ich hab’s ein wenig recherchiert, haben eine hohe Lebenserwartung. Für ihr Überleben sind sie auf körperliche Fitness angewiesen, da sie Fliegen und Jagen können müssen. Im Laufe, ihres bis zu 40jährigen Lebens, verschmutzt ihr Federkleid. Zum Fliegen würde es mit der Zeit zu schwer. Deshalb lassen sich Adler „ihre Jugend erneuern“ und verbringen viel Zeit für die Federpflege:

Alte und verschmutzte Federn reißen sie aus und es wachsen ihnen neue dafür nach. Adler können auch selbst dafür sorgen, dass ihre Krallen und ihr Schnabel „jagdfähig“ bleiben, indem sie sie an Felsen wetzen und so schärfen. Nicht, dass es mir um ewige Jugend und den Jugendkult geht, aber es gibt sie diese „Alten“, die vor jugendlicher Lebendigkeit und Frische nur so strahlen und, wenn wir ihnen begegnen, faszinieren sie uns. Sie liefern mitunter geistige Höhenflüge, die sind zum Staunen. „Jugenderneuerte Adler“ finden sich aber nicht bloß unter diesen, die wohl den 100erter erklimmen werden. Ich rede hier von „Adlern“ im Pflegewohnheim.

Auf sie hin ist der Psalm geschrieben, nicht weniger: Frau L. ist Mitte 90 und bettlägerig. Mit hellwachem Geist erinnert sie sich an ihre Jugendzeit, die sie so geprägt hat. Als Älteste und einziges Mädchen einer großen Geschwisterschar hat sie viel Verantwortung getragen und hart gearbeitet um ihrer alleinerziehenden Mutter –es war Krieg- Stütze beim Durchbringen der vielen Kinder zu sein. Dass sie dabei auch ausgenützt wurde und weitgehend um die Leichtigkeit und Lebensfreude der Jugendjahre gebracht wurde, ist ihr bewusst. Früher hat es sie ein Stück bitter gemacht. Heute resümiert sie, dass sie auf diese Weise eine Aufgabe hatte und lernte für das Wohlergehen anderer, die ihr am Herzen liegen, da zu sein. Frau L. entscheidet sich gerade dafür dankbar auf ihr gesamtes Leben zu blicken.

Auch sonst, wenn ich durch Stationen unseres Hauses gehe: Überall Bewohnerinnen und Bewohner, die, um die Verluste ihrer Fähigkeiten ringend, dabei „ihr Federkleid erneuern“ (lassen/ wollen). Denn es ist die Versöhnung mit den frühen, prägenden Jahren die, kurz vor dem Lebensende, sehr viele noch einmal ersehnen: Bei Frau R., Endachtzigerin, war mit dem Verlust von Wohnung und Umfeld beim Einzug ins PWH die Erfahrung der Zeit im russischen Arbeitslager noch einmal hochgekommen: Der übergroße Schmerz des Herausgerissen seins und der Trennung von der Familie überwältigte sie wieder. Der Neustart ins Pflegeheim wurde eine späte Möglichkeit für sie, ihr Lebenstrauma loszulassen. Sie hat drei letzte glückliche Jahre, bei uns gelebt.

Es macht mir richtig Spaß bei meiner Arbeit im Pflegewohnheim jene aufzuspüren, deren Federn bereits ein sichtbares Stück „Verjüngung“ zeigen: Frau F., Frau T., Frau N., Herr H. und Herr K. Das Zusammensein mit ihnen ist von Freude und einem großen Stück Humor geprägt.

Ihre Regina Leodolter-Wogrolly

Pflegeheimseelsorgerin im SMZ SÜD