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Es gibt wieder Neuigkeiten von unserem verunfallten Pfarrer Martin.

Nachdem die Untersuchungen im Spital gute Ergebnisse gezeigt haben, wurde er am Montag aus der ärtzlichen Pflege entlassen. Voraussetzung dafür war bzw. ist, das er sich schont. Er soll jegliche Belastung, Erschütterung oder Aufregung meiden. Keine Telefonate, keine Bildschirmarbeit. Auch Besuche sollen nur in einem verträglichen Ausmaß stattfinden. Wir ersuchen daher auch alle, ihm diese nötige Ruhe zu gönnen.

Erstmals hat er auch eine Nachricht verfasst, die über das bisher Geschehene berichtet und die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

Wir bitten weiterhin um das Gebet für Pfarrer Martin!

 


Liebe Gemeinde, liebe Freunde!

Für die vielen Genesungswünsche, die Hilfsangebote und vor allem die viele Gebete nach meinem schweren Unfall danke ich Ihnen allen von Herzen. Gott vergelte es euch!

Am Mittwoch, den 8. November gegen 16.45 Uhr war ich zu Fuß unterwegs von der Kirche Rudolfsheim über den Rustensteg zu einem Krankenbesuch in Schönbrunn-Vorpark. Es war schon dunkel und regnerisch, als ich aus dem Fußgängertunnel auf dem Schutzweg über die Avedikstraße gehen wollte. Ich hatte keine Eile, schaute links und rechts bevor ich über den Zebrastreifen ging. Die näherkommenden Autos schienen mir noch weit genug entfernt  - so meine letzte Erinnerung.

Im Schockraum des Allgemeinen Krankenhauses bin ich auf gewacht. Schmerzen über Schmerzen im Kopf. Der betreuende Arzt sprach auf mich ein: „Sie haben großes Glück gehabt. Wissen Sie was passiert ist? Können Sie sich an etwas erinnern? Sie haben eine Schädelfraktur, einen Schädelbasisbruch und Schädelbruch. Blutgerinnsel befinden sich noch in Ihrem Kopf. Aber großes Glück – wenn sich das alles zurückbildet, sind Sie wieder normal.“  Danach wurde ich auf die Pflegestation gebracht.

In den ersten Tagen haben mich sehr die Schmerzen geplagt, natürlich die Sorge um die Gesundung gequält. In den vielen schlaflosen Nächten habe ich den Rosenkranz betrachtet, rauf und runter gebetet. Das hat mir geholfen, aber auch wieder erschreckt, weil die Zeitlinie zwischen dieser Welt und der jenseitigen verschwunden ist. Dabei würde ich doch noch gerne hier sein. Zeit verbringen mit den vielen Freunden und der Familie und den Aufgaben und Plänen.

Am siebten Tag im Spital kam eine Frau ins Zimmer: „Herr Martin Rupprecht? Darf ich mit Ihnen sprechen? Ich bin die Ehefrau des Autolenkers, der Sie umgefahren hat. Mein Mann kann seither nicht mehr schlafen. Er schämt sich so und es tut ihm so weh, was passiert ist.“ – Wir sprachen kurz über meinen Zustand und gingen aus dem Krankenzimmer.

Hier wartete ihr etwa 60-jähriger Mann, geplagt von Schuldgefühl und Mitleiden. Weinend umarmten wir uns ohne Worte, irgendwie verbunden im Schicksal. Dann versuchten wir den Unfall zu rekonstruieren: ich war ganz normal über den Zebrastreifen gegangen. Durch meine schwarze Kleidung am Abend und wegen des Regens konnte mich der Fahrer aber nicht erkennen: „Ich habe sie einfach nicht gesehen. Noch nie habe ich im Leben einen Unfall gehabt, aber der Fußgängerschutzweg ist der Garant dafür, dass Sie geschützt sind. Auch wenn alles dunkel war, die Verantwortung liegt bei mir. Bitte verzeihen Sie mir!“

Eine Verkettung unglücklicher Umstände – so könnte man das Unglück auch benennen. Und doch: was für ein Glück!

  • Obwohl mich das Auto ungebremst am linken Oberschenkel getroffen hat, sind alle Glieder heil, nichts ist an den Füßen gebrochen. Meine Leidenschaft, das Laufen, kann ich wohl fortsetzen.
  • Obwohl ich voller Wucht mit der linken Kopfseite auf das Auto aufschlug, daher der Schädelbasisbruch, ist alles andere heil geblieben. Der Kiefer ganz, und keine Zähne ausgefallen.
  • Obwohl ich mehrere Meter durch die Luft auf die andere Straßenseite geschleudert wurde, erfasste mich kein entgegenkommendes Auto, die Abgrenzungsboiler aus Eisen verfehlten mich knapp.
  • Obwohl ich hart mit dem Kopf auf die Straße fiel und dort viel Blut verlor, hat sich nichts auf meine Hirntätigkeit ausgewirkt und das Rückenmark hat alles unbeschadet überstanden.

Ich hoffe, dass es so bleibt und mein Denkvermögen nicht nachlässt. In der Rückschau versuche ich das Geschehen positiv zu deuten; gleichzeitig denke ich voller Schmerz an all jene, die solch ein Unglück nicht gut überstanden haben: an meinen Schulkollegen Franz Bauer, er wurde querschnittgelähmt und starb später mit 50 Jahren; an unsere Nachbarin Karin Ulrich, vollständig gelähmt ohne Fähigkeit zu sprechen; und an viele andere mehr bei denen ich mich frage: „Warum sie und nicht ich?“ Es war also Glück im Unglück. Und ein Schutz von oben, unerklärbar.

Als Pfarrer der neuen Gemeinden habe ich die Verantwortlichen und unseren Erzbischof Kardinal Dr. Christoph Schönborn OP gebeten, die neue Pfarre unter die Patronanz der Seligen Hildegard Burjan zu stellen. Seit der Gründung unserer neuen Pfarre Hildegard Burjan, schließe ich all meine Gebete mit dem Ruf an sie „Sel. Hildegard Burjan, bitte für uns!“ Ihrer Berufung fühle ich mich verpflichtet, ihre geistliche Nähe gibt mir Kraft.

Es mag manchen logisch sein, manchen unverständlich, aber über diesen Unfall muss ich sagen: Ohne Wunder hätte ich das nicht überlebt, nicht so. Ich schreibe es dem Blick der Pfarrpatronin zu: Selige Hildegard Burjan, danke für deine Fürbitte!

Ihr und euer Pfarrer Martin Rupprecht